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Tour de France: Tadej Pogacar ist jetzt schon der GOAT - ein Kommentar

Veröffentlicht:

von Gianluca Fraccalvieri

ran Fußball

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Videoclip • 01:28 Min


Tadej Pogacar hat zum fünften Mal die Tour de France gewonnen und ist damit zum geteilten Rekordsieger aufgestiegen. Dabei zeigte er einmal mehr sportliche sowie menschliche Größe und bewies eindrucksvoll, warum er bereits jetzt der GOAT ist. Ein Kommentar.

Wenige Sekunden, bevor die Profis im Herzschlagfinale von Paris ein letztes Mal für dieses Jahr über die Ziellinie der Tour de France donnerten, gab es einen denkwürdigen Moment. Tadej Pogacar, der über drei Wochen nach Belieben dominiert hatte, konnte nicht mehr.

Nach einem unnachahmlichen Ausreißversuch an der Seite von Mathieu van der Poel hatte der Slowene dem anrollenden Feld wenige hundert Meter vor dem Ziel nichts mehr entgegenzustellen und wurde gnadenlos geschluckt.

Das Unglaubliche dabei: Es war gefühlt das erste Mal, dass Pogacar bei dieser Frankreichrundfahrt wirklich am Limit fuhr.

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Tadej Pogacar: Der Dominator in Gelb

Von Beginn der Rundfahrt an schwebte Pogacar über allen anderen Fahrern. Der 27-Jährige dominierte nicht nur, er entschied schlichtweg über den Ausgang der Rennen. Bei der ersten echten Einzeletappe verzichtete er auf den Sieg, um seinem talentiertesten Helfer und potenziellen Nachfolger Isaac Del Toro dessen ersten Erfolg zu ermöglichen.

Danach gab es jedoch kein Halten mehr. Bei nahezu allen wichtigen Bergwertungen war Pogacar als Erster oben, weshalb er nebenher auch lange die Bergwertung anführte. Bei der ersten echten Prüfung auf der 6. Etappe in den Pyrenäen nahm er seiner Konkurrenz direkt 2:38 Minuten ab und blickte sich anschließend kein Mal mehr um.

Was folgten, waren absolute Machtdemonstrationen. Auf der 10. Etappe in den Bergen der Auvergne nahm er Richard Carapaz innerhalb von wenigen Minuten 46 Sekunden Vorsprung ab, noch eindrucksvoller war seine Aufholjagd im Finale hinauf nach Alpe d'Huez, wo er im Alleingang knapp drei Minuten Rückstand wettmachte – Carapaz war erneut der Leidtragende.

Auch die Königsetappe am Folgetag hätte er sicherlich gewinnen können, wäre sein Ziel nicht gewesen, Teamkollege Del Toro als Edel-Domestik auf Platz drei in der Gesamtwertung zu hieven.

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Tadej Pogacar: Fan-Liebling trotz Dominanz

Seine Taten für das Team sind auch einer der Gründe dafür, warum er trotz seiner Dominanz eine unglaubliche Beliebtheit bei allen Fans genießt. Jeder weiß, dass er der Kapitän und klare Anführer des Teams ist, raushängen lässt er das aber nie. Immer wieder konnte man beobachten, wie Pogacar sich zum Teamwagen zurückfallen ließ, um Wasserflaschen und Proviant für einen Kollegen zu besorgen.

Zudem ist der Slowene in Interviews stets selbstbewusst, aber nie arrogant oder überheblich. Er hat immer ein Lächeln im Gesicht, positive Worte für seine Konkurrenz übrig und ist auch nach verlorenen Rennen regelmäßig der erste Gratulant.

Diese Nahbarkeit unterscheidet ihn auch von anderen Größen des Sports. Lance Armstrong war nie ein Sympathiebolzen und bleibt nicht erst seit seinem Dopinggeständnis vielen negativ in Erinnerung. Ähnlich ist es mit Eddy Merckx, der den Spitznamen "der Kannibale" nicht ohne Grund trägt.

Pogacar ist in gewisser Weise der "Anti-Armstrong". Wo der Amerikaner für Doping, Berechnung und verbrannte Erde stand, verkörpert er das Gegenteil: Angriffslust aus Freude, Respekt vor den Gegnern und einen Radsport, der die Menschen wieder zu Hunderttausenden an die Strecken führt.

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Tadej Pogacar: Vergleich mit Eddy Merckx hinkt

Merckx ist dabei wohl der Einzige, der Pogacar historisch gesehen je das Wasser reichen könnte. Der Belgier gewann ebenfalls fünfmal die Tour und insgesamt 525 Radrennen, womit er der erfolgreichste Radsportler aller Zeiten ist. Die beiden sportlich miteinander zu vergleichen, ist aufgrund des großen zeitlichen Unterschieds jedoch schwer, die Fakten geben aber einen Eindruck.

Merckx' Hochphase war vor über 50 Jahren, als der Sport ein komplett anderer war als heute. Der heute 81-Jährige dominierte eine Ära schwächerer, unspezialisierter Gegner. Das zeigen auch die Zahlen: Er gewann rund 35 Prozent aller Rennen, bei denen er startete!

Das wäre in der heutigen Ära der Spezialisten undenkbar. Merckx war ohne Frage ein Ausnahmesportler, der mit außergewöhnlichen Beinen gesegnet war. Dass er heute aber ebenso dominant wäre, ist jedoch ausgeschlossen.

Tour de France ist so stark wie noch nie

Technik und Wissenschaft haben die Tour viel kompetitiver gemacht als zu Merckx' Zeiten. Auch die Leistungsdichte wird immer höher. Das zeigt sich nicht nur im Radsport, sondern auch in anderen Sportarten. Ikonen der Sportwelt, die über Jahre dominierten wie Tiger Woods, Usain Bolt, Michael Jordan oder Michael Phelps, gibt es heute so gut wie nicht mehr. Dafür ist die Konkurrenz schlichtweg zu gut geworden.

Das ist im Grunde auch im Radsport nicht anders. Studien zeigen, dass Jonas Vingegaard und Remco Evenepoel die unbesiegbare "Fortress Froome"-Strategie von Team Sky um Chris Froome, der die Tour während der 2010er-Jahre dominiert hat, an den Bergen in Stücke gerissen hätten. Und trotzdem hatten die beiden auf dieser Rundfahrt nicht den Hauch einer Chance gegen Pogacar, was dessen Dominanz noch eindrucksvoller macht.

Die Werte, die der Slowene treten kann, gehören zu den besten, die je gemessen wurden. Das gepaart mit seinem Siegeswillen, seiner Kondition und seinem idealen Körperbau machen ihn zu einer Maschine, für die es aktuell keine Antwort gibt – und auch in den kommenden Jahren nicht geben wird.

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