Schiedsrichter in der Kritik
Drei entscheidende Szenen: Wurden die New England Patriots von den Schiedsrichtern bevorzugt?
Veröffentlicht:
von ran.de / Dominik KaiserBill Belichick, Schiedsrichter
Bild: getty
Die New England Patriots stehen im Super Bowl. Doch neben der furiosen Aufholjagd gegen die Jacksonville Jaguars stehen vor allem die strittigen Schiedsrichter Entscheidungen im Vordergrund.
Foxborough / München – Sie haben es schon wieder getan. Die New England Patriots um Superstar-Quarterback Tom Brady drehen gegen Jacksonville Jaguars (24:20) ein verloren geglaubtes Spiel und stehen zum zweiten Mal in Folge im Super Bowl (4. Februar live auf ProSieben und auf ran.de).
Einer der ersten Gratulanten war der Schiedsrichter, was auf vielen Social-Media-Kanälen bewundert werden durfte. Zufall? Mit Sicherheit. Dennoch gab es im Spiel einige Entscheidungen, die diskussionswürdig sind.
Szene 1: Unnecessary Roughness gegen Rob Gronkowski
Kurz vor der Halbzeit spielte Brady einen Pass auf Tight End Rob Gronkowski, der durch einen harten Hit von Jaguars-Safety Barry Church gestoppt wurde. Die Helme krachten aneinander, Gronkowski verlor den Ball und der Pass war incomplete – bis die gelbe Flagge ins Bild flog. Rob Gronkowski kehrte nach der Aktion nicht mehr auf das Spielfeld zurück.
Die Unparteiischen entschieden auf "Unnecessary Roughness" gegen die Defense, 15-Yard-Strafe und First Down für New England. ran-Experte Patrick Esume bewertete während des Spiels den Call als sehr kleinlich, aber nicht als Fehler: "Er versucht ihn, mit der Schulter zu treffen. Natürlich treffen sich bei so einer Kollision auch die Helme. Aber so ist die Regel, auch wenn man es in der Situation eigentlich nicht besser spielen kann als Church."
Fazit: Der Hit mit dem Helm war keine Absicht, dennoch nahm Church den Treffer und damit eine mögliche Gehirnerschütterung in Kauf. Die Schiedsrichter legten die Regel hier sehr hart, aber korrekt aus.
Szene 2: Pass Interference gegen A.J. Bouye
Im anschließenden Spielzug warf Brady den Ball nah an die Endzone auf seinen Wide Receiver Brandin Cooks, der sich im Duell gegen Cornerback A.J. Bouye nicht durchsetzen konnte. Die Schiedsrichter entschieden wieder auf Strafe gegen die Defense, in diesem Fall wegen Pass Interference.
"Coach" Esume sah hier einen Schiedsrichter-Fehler: "Ich kann da keine Pass Interference erkennen. Beide behakeln sich beim Kampf um den Ball!" Tatsächlich berührte Bouye Cooks immer wieder, ein Festhalten war aber nicht zur erkennen. Im Gegenzug griff der Patriots-Receiver sogar kurz an den Helm seines Gegenspielers. Der Ball war zudem überworfen, ein Catch von Cooks schien mehr als unwahrscheinlich. ESPN-Journalist Viliani sah den Pfiff trotzdem korrekt: "Bouye hat beide Hände an Cooks und drückt ihn vom Spielfeld."
Fazit: Es ist eine 50/50-Entscheidung. Bouye hatte die Hände am Mann, könnte Cooks so behindert haben und damit wäre es ein illegaler Körperkontakt gewesen. Trotzdem haben Cooks Hände nichts am Helm seinen Kontrahenten zu suchen. Beide kämpfen um den Ball. Ein sehr glücklicher Call für die Patriots!
Szene 3: Der Fumble von Dion Lewis
Es könnte die spielentscheidende Szene gewesen sein! Beim Stand von 10:20 aus Sicht der Patriots setzte der Titelverteidiger zum Trick Play an. Running Back Dion Lewis bekam den Ball und machte sich auf den Weg Richtung gegnerischer Endzone. Doch Linebacker Myles Jack schlug Lewis den Ball aus dem Arm, brachte ihn unter Kontrolle und hatte die Chance auf einen Touchdown. Die Unparteiischen pfiffen sofort ab, weil sie eine Berührung Jacks nach dem Ballgewinn sahen.
Zwar sprachen sie den Ball im Anschluss den Jaguars zu, verhinderten so aber wohl einen sicheren Touchdown und damit die Vorentscheidung. US-Experten sind sich unsicher, ob Lewis Jack wirklich berührte.
Fazit: Eine mehr als glückliche Entscheidung für die Patriots. Die Schiedsrichter hätten Jack durchlaufen lassen und die Szene im Anschluss neu bewerten können. So wäre wohl nicht sicher nachweisbar gewesen, dass es einen "Down by Contact" gab.
Im Zweifel für die Patriots
Trotzdem: Die Patriots haben erneut ein Spiel im letzten Viertel gedreht und die Jaguars sportlich geschlagen. Dennoch trugen enge Calls zugunsten des Titelverteidigers zum Sieg und erneuten Super Bowl-Einzug bei.
Vor allem die Fumble-Szene hätte mit einem Touchdown für die Jaguars das Spiel anders ausgehen lassen können. Von kompletten Fehlentscheidungen der Schiedsrichter über das gesamte Spiel kann aber keine Rede sein, auch wenn bei 50/50-Situationen die Patriots stets den Vorzug erhielten.
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