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50+1-Regel - Bundeskartellamt fällt Entscheidung: Drehen die Bundesliga-Traditionsklubs den Spieß jetzt um?
Aktualisiert:
von Justin Kraftran Fußball Bundesliga
BVB veröffentlicht Auswärtstrikot: Fans stört ein Detail!
Videoclip • 01:03 Min
Das Bundeskartellamt hat nach einem jahrelangen Prüfverfahren seine Linie bestätigt und stärkt der 50+1-Regel der Bundesliga damit den Rücken. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.
Das jahrelange Prüfverfahren des Bundeskartellamts zur 50+1-Regel im deutschen Fußball ist abgeschlossen.
In einer offiziellen Mitteilung am Mittwoch gab es bekannt, dass die Regelung "weiterhin für kartellrechtlich zulässig" befunden werde.
Was bedeutet das Urteil aber für die Bundesliga und die Ausnahmefälle Bayer Leverkusen, RB Leipzig, VfL Wolfsburg und Co.? Hat das Prüfverfahren direkten Einfluss auf den Bestand von 50+1?
ran hat die Antworten zu den wichtigsten Fragen.
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50+1-Regel: Was hat das Bundeskartellamt entschieden?
Das Bundeskartellamt hat erstmal gar nichts entschieden.
Wie es selbst ausformuliert, gibt es hier lediglich Ratschläge an die DFL und spricht Empfehlungen aus. Letztendlich ist die Ausformulierung eher als eine Art Gutachten zu verstehen, nicht aber als Verbot.
Es ist unwahrscheinlich, dass das Kartellamt dahingehend aktiv wird und der Bundesliga Auflagen auferlegt. Mit der Stellungnahme bestätigt die Behörde aber seine bisherige Linie, die den Bestand von 50+1 als legitim ansieht. Die juristische Formulierung kann und wird dennoch weitreichende Folgen haben.
50+1-Regel: Wie begründet das Bundeskartellamt seine Einschätzung?
Grundsätzlich schützt das europäische Wettbewerbsrecht den freien Wettbewerb. Durch die 50+1-Regel schränkt die DFL diesen ein. Laut Bundeskartellamt gibt es dafür aber eine ausreichende Rechtfertigung: Die Vereinsprägung und die Beteiligung der Mitglieder. Der besondere gesellschaftliche Charakter des Sports kann die Einschränkung des wirtschaftlichen Wettbewerbs einschränken.
Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, erklärte: "Unsere kartellrechtliche Bewertung bleibt im Kern unverändert: Die 50+1-Regel kann weiterhin mit dem Ziel der Vereinsprägung und der Mitgliederpartizipation gerechtfertigt werden. Voraussetzung dafür ist aber, dass sie konsequent und ohne sachlich nicht gerechtfertigte Unterschiede angewendet wird."
Interessant ist zudem, dass das Bundeskartellamt empfiehlt, an der Ausnahmeregelung für einzelne Klubs zu arbeiten. Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg fallen als Tochtergesellschaften von Bayer und VW unter die sogenannte Förderausnahme. RB Leipzig erfüllt 50+1 formal, hat aber durch seine Satzung die Mitgliederpartizipation massiv eingeschränkt. Auch Hannover 96 steht in der Kritik, weil unklar ist, ob die Vereinsprägung in der Praxis ausreichend durchgesetzt wird.
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Ausnahmen der 50+1-Regel: Was ist mit der TSG Hoffenheim?
Die TSG Hoffenheim galt lange Zeit ebenfalls als Ausnahme. Seitdem Dietmar Hopp allerdings die Stimmenmehrheit an den Verein zurückgegeben hat, zählt sie nicht mehr dazu.
50+1-Regel: Was sind die Folgen für die Bundesliga?
Es gibt keine unmittelbaren rechtlichen Konsequenzen für die Bundesliga, die das Amt auch selbst um Prüfung gebeten hat. Das Verfahren ist nun abgeschlossen, aber die Liga muss deshalb nicht automatisch ihre Regeln ändern.
Durch den Stellenwert des Bundeskartellamts hat eine solche Stellungnahme allerdings Auswirkungen und erzeugt eine Art Handlungsdruck. Für die Bundesliga ändert sich im Prinzip aber nichts, weil das Bundeskartellamt bereits seit vielen Jahren dieselben Punkte anmerkt, die auch diesmal wieder hervorgehoben wurden.
Bisher spielte man auf Zeit und suchte weiche Kompromisse, um den Status-quo zu erhalten. So gab es Vorgaben zur Verlustübernahme für die Mutterkonzerne und das Argument des Bestandsschutzes für die Ausnahmen. Für das Bundeskartellamt reicht das aber nicht. Die Bundesliga wird sich hier in Zukunft sehr wahrscheinlich stärker positionieren müssen.
50+1-Regel: Wie wahrscheinlich ist eine Abschaffung?
Das Problem aus Sicht der DFL: Das Ende von 50+1 würde in Deutschland einen massiven Gegenwind erzeugen - bei den Fans, aber auch politisch.
So äußerte Bundeskanzler Friedrich Merz bereits vor einem Jahr, dass er die Regelung als wichtig empfinde. Andererseits gibt es mit Red Bull, VW und Co. mächtige und starke Konzerne, die ein Interesse an der Abschaffung haben.
Rund um die Causa Jürgen Klopp und den Bundestrainer-Posten verschaffte sich der Brausekonzern aus Österreich jüngst jedoch ein paar Sympathien bei den Machtträgern in Deutschland, VW ist bereits jahrelang Sponsor des DFB und anderer Profiklubs. Leverkusen-CEO Fernando Carro von sitzt zudem im DFB-Vorstand. Und sogar der FC Bayern hat sich in Form von Uli Hoeneß und Herbert Hainer schon mehrfach kritisch über 50+1 geäußert.
Es gibt also verschiedene Interessen, aber eben auch sehr mächtige Befürworter einer Abschaffung. Vom Tisch ist dieses Szenario trotz der Befürwortung durch das Bundeskartellamt sehr wahrscheinlich nicht.
50+1-Regel: Wie reagieren die betroffenen Klubs?
Es gibt bereits erste Stellungnahmen der betroffenen Klubs.
Bayer Leverkusen spricht vom Ziel, "eine faire, praktikable und möglichst langfristige Lösung für den gesamten deutschen Profifußball" zu finden. Man sehe "auf Basis der Stellungnahme des Bundeskartellamts einige vielversprechende Ansatzpunkte" und man werde "konstruktiv an einer solchen Lösung mitarbeiten".
Der VfL Wolfsburg betont, dass es keine rechtliche Bindung gebe, "der weitere Reformbedarf der 50+1" jedoch deutlich werde. Man wolle deshalb "gemeinsam Änderungen" herbeiführen. Wie diese aussehen sollen, bleibt unklar.
Von RB Leipzig gibt es noch keine ausführlichere Stellungnahme, die Sachsen zeigten sich laut "SID" nach der Einschätzung jedoch "unaufgeregt". Mit Blick auf die eigene restriktive Mitgliederstruktur könnten die Kritikpunkte des Bundeskartellamts aber noch spannend werden. Zumal auch die DFL dahingehend den Druck etwas erhöht.
Hannover-Investor Martin Kind wurde gegenüber der "Bild" deutlich und kritisierte die langfristige Entscheidungsfindung: "Das ist ein Spiegelbild der deutschen Krankheit. Es gibt kein Erkenntnis-Problem, sondern ein Entscheidungs-Problem", monierte der 82-Jährige, der nicht von einer schnellen Einigung der Klubs in der Causa 50+1 ausgehe: "Es wird spannend. Aber die Kulturen bei uns sind sehr unterschiedlich."
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50+1-Regel: Wie reagiert die Bundesliga?
Das Präsidium des Bundesliga e.V. hat sich am Mittwoch in einer außerordentlichen Sitzung mit der Beurteilung des Bundeskartellamts befasst. Das geht aus einer Stellungnahme hervor. Man sehe sich dabei "in seiner grundsätzlichen Haltung bestärkt: 50+1 ist ein elementarer Bestandteil des deutschen Fußballs". Man werde sich deshalb für den Erhalt einsetzen.
Dafür brauche es aber eine solidarische Lösung der Klubs aus den beiden Bundesligen, um eine tatsächliche "Verbesserung der Rechtssicherheit" der Regelung herbeizuführen. Das betreffe "die Offenheit des (Mutter-)Vereins, bestimmte Organisationsregeln des Ligaverbands sowie den Umgang mit der sogenannten Förderausnahmeregel".
Man habe sich bereits mit möglichen Szenarien befasst und werde die finale Bewertung des Bundeskartellamts in den kommenden Wochen prüfen.
50+1-Regel: Wie geht es jetzt weiter?
Gerade, weil die Bundesliga immer stärker dazu gezwungen ist, sich noch klarer zu positionieren, dürften sich die Fronten der beiden Lager nochmal weiter verhärten.
In der Vergangenheit stand immer die Möglichkeit im Raum, dass Hannover-Investor Kind, Bayer, VW und Co. klagen und damit 50+1 zu Fall bringen könnten. Dieser Rechtsweg steht ihnen weiterhin offen, allerdings hat die Gegenseite nun mit der Einschätzung des Bundeskartellamts ein sehr starkes Argument auf seiner Seite.
Plötzlich wird damit sogar der umgekehrte Weg interessant: Was, wenn die Traditionsvereine, die sich für 50+1 aussprechen, der Bundesliga nun mit einer Klage drohen, weil die Klubs mit Ausnahmeregelung sich nicht an die Empfehlungen des Bundeskartellamts halten?
Die Stellungnahme macht diesen Schritt zumindest ein wenig wahrscheinlicher, wenngleich abzuwarten bleibt, wie sich alle Parteien positionieren werden.
Und genau das ist kaum absehbar. Von einem "Weiter so" mit weiteren Kompromissen bis hin zu radikaleren Veränderungen ist vieles möglich. In jedem Fall aber bringt die Beurteilung des Bundeskartellamts neues Feuer in die Geschichte.
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