Fußball
FIFA-Boss unter Druck: Gianni Infantino soll Hilfe bei Trump-Regierung suchen
Veröffentlicht:
von Mike Stiefelhagen:newstime
FIFA-Krise: Erste Verbände wenden sich von Infantino ab
Videoclip • 01:33 Min • Ab 12
Gianni Infantino kämpft um seine Macht bei der FIFA. Nach dem gescheiterten Plan kommerzielle WM-Rechte teilweise an private Investoren abzugeben, soll der FIFA-Präsident Unterstützung aus dem Umfeld des US-Präsidenten Donald Trump suchen.
FIFA-Präsident Gianni Infantino steht nach dem Scheitern eines umstrittenen Vermarktungsplans massiv unter Druck.
Laut einem Bericht der "New York Post" soll der 56-Jährige versuchen Unterstützung aus der Trump-Regierung zu bekommen, um seine Position an der Spitze des Weltverbands zu sichern.
Hintergrund ist ein geplatzter Plan kommerzielle Rechte rund um FIFA-Wettbewerbe – darunter auch die Weltmeisterschaft – teilweise in eine neue Gesellschaft auszulagern und private Investoren daran zu beteiligen. Das Projekt stieß international auf scharfen Widerstand und wurde schließlich zurückgezogen.
Infantino soll nach dem Kollaps des Vorhabens mehrfach versucht haben US-Präsident Donald Trump telefonisch zu erreichen. Der FIFA-Chef habe sich demnach von der massiven negativen Berichterstattung "isoliert" gefühlt.
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US-Außenministerium widerspricht Infantino-Berichten
Laut dem Bericht soll Infantino zudem private Gespräche mit US-Außenminister Marco Rubio gesucht haben. Angeblich war ein Telefonat für Montag kurz nach 9 Uhr Ostküstenzeit vorgesehen.
Aus dem US-Außenministerium kam allerdings Widerspruch. Dylan Johnson, Assistant Secretary of State for Global Public Affairs, schrieb auf X: "Es gibt keine Pläne für @SecRubio, mit Infantino zu sprechen und es gibt heute Morgen kein Telefonat."
Der gescheiterte Infantino-Plan sah vor bis zu 4,2 Milliarden US-Dollar von privaten Investoren einzusammeln. Dafür sollte ein Anteil von rund 20 Prozent an einer neuen Gesellschaft verkauft werden, die unter anderem kommerzielle Rechte an FIFA-Wettbewerben kontrolliert hätte.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur "AP" wäre die neue Einheit von der FIFA mit rund 20 Milliarden US-Dollar bewertet worden. Sie hätte zentrale kommerzielle und turnierbezogene Geschäfte des Weltverbands mindestens bis 2038 kontrollieren sollen.
Besonders brisant: Zu den möglichen Investoren sollte auch Thrive Capital gehören. Die Investmentfirma wurde von Joshua Kushner gegründet, dem Bruder von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von Donald Trump.
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FIFA-Dilemma: Erste Verbände ziehen Unterstützung zurück
Der Widerstand gegen Infantinos Plan kam vor allem aus Europa. Die UEFA droht der FIFA inzwischen sogar mit rechtlichen Schritten.
Zudem forderte die UEFA, dass mögliche Beweismittel nicht vernichtet werden. In dem Schreiben heißt es: "Die UEFA setzt Sie hiermit förmlich davon in Kenntnis, dass jede Vernichtung, Löschung, Veränderung, Verschleierung oder jeder Verlust relevanter Materialien nach Erhalt dieser Mitteilung – oder nach jedem früheren Zeitpunkt, zu dem Ihnen bewusst war oder vernünftigerweise hätte bewusst sein müssen, dass Verfahren zu erwarten waren – eine Beweisvereitelung darstellen kann."
Auch auf Verbandsebene wächst der Druck. Wales zog als erster nationaler Verband offiziell seine Unterstützung für Infantinos Wiederwahl zurück. In einer Erklärung des walisischen Verbands hieß es: "Es ist ein Versagen, die besten Interessen des Fußballs nicht an erste Stelle zu setzen – ein Versagen, das wir nicht akzeptieren können."
Auch Schweden und Serbien folgten mit dem Entzug ihrer Unterstützung.
Projekt: "Kill The Monster"
Infantino hatte im April angekündigt, erneut für das Amt des FIFA-Präsidenten kandidieren zu wollen. Die nächste Amtszeit würde von 2027 bis 2031 laufen. Seit seiner Wahl 2016 wurde der Schweizer bislang zweimal ohne Gegenkandidat wiedergewählt.
Lange galt auch seine nächste Wiederwahl als Formsache. Doch der gescheiterte Vermarktungsplan hat die Lage verändert. Die Affäre habe Unzufriedenheit innerhalb der FIFA-Mitgliedschaft sichtbar gemacht und Infantinos Weg zum nächsten Kongress im März in Marokko erschwert.
Inzwischen hat die Affäre eine offene Revolte gegen Infantinos Führung ausgelöst. Ein FIFA-Manager sagte der "New York Post", Funktionäre wollten Infantino aus dem Spitzenamt drängen. Unter einer Bewegung, die intern den Spitznamen "Projekt - Kill The Monster" erhalten habe.
Die Nähe zwischen Infantino und Trump steht schon länger im Fokus. Beide traten während der WM 2026 mehrfach gemeinsam auf. Im Dezember 2025 hatte Infantino Trump zudem den ersten FIFA-Friedenspreis überreicht.
Genau diese Beziehung macht den aktuellen Bericht politisch heikel. Wenn ein FIFA-Präsident in einer schweren Verbandskrise offenbar Unterstützung bei einer Regierung sucht, wirft das Fragen zur Unabhängigkeit des Weltverbands auf.
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