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DFB-Team - Debüt von Jürgen Klopp zeigt: Das größte Problem ist nicht die Taktik

Aktualisiert:

von Justin Kraft

ran Fußball

DFB: Debütant adelt Klopp - "Gewisse Lockerheit gegeben"

Videoclip • 05:47 Min


Das DFB-Team holt beim Auftakt von Jürgen Klopp ein 1:1 gegen die Niederlande. Die Zufriedenheit ist trotz glücklichem Spielverlauf groß. Zu groß? Die Erkenntnisse zum Nations-League-Auftakt.

Wenn da nicht der Außenrist von Ruben van Bommel gewesen wäre, dann hätte Jürgen Klopp sein Debüt als Bundestrainer mit einem Sieg krönen können. So aber ging das Duell zwischen dem DFB-Team und den Niederlanden 1:1 aus.

Der Bundestrainer sprach anschließend bei "RTL" davon, dass es prinzipiell egal sei, ob dieses Tor am Ende fällt oder nicht. An seiner Bewertung zum Spielverlauf hätte das wenig bis nichts geändert.

Und mit dem war der 59-Jährige größtenteils zufrieden. Leidenschaft, Aggressivität, Laufbereitschaft – es habe eine lange Liste mit Dingen gegeben, die dem Trainer gefielen. Aber er gab auch zu: Mehr Fußball liegt durchaus im Bereich des Möglichen.

Auch die Presse vor Ort war gnädig. Bei "RTL" sprach ein Reporter vom "Defensivmonster" Deutschland. Lothar Matthäus gab dem Auftritt der Deutschen die Note "Zwei bis Drei". Zu viel Zufriedenheit für einen unter dem Strich durchwachsenen Auftakt? ran hat die Erkenntnisse zum Klopp-Debüt.

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Gutes Pressing in der Anfangsphase

Was auf jeden Fall stimmt: Deutschland hat mit hoher Intensität gespielt. Das Pressing funktionierte über 90 Minuten gesehen noch nicht optimal, aber bemerkenswert waren hier vor allem zwei Aspekte: In der Anfangsphase funktionierte das Angriffspressing sehr gut.

Deutschland kam zu einigen "interessanten Ballgewinnen", wie Joshua Kimmich analysierte. Ein Vorgeschmack auf das, was in Zukunft mal sein kann? Womöglich. Die Energie überzeugte auch in den Momenten, in denen es weniger gut lief. Der zweite Aspekt, der gefiel, war nämlich, wie schnell das Team wieder hinter dem Ball war, wenn es vorn mit der Eroberung nicht klappte.

Defensiv dennoch mit großen Problemen

Trotz Aggressivität und Laufbereitschaft hatte Deutschland dennoch viele Phasen, in denen sie gehörig ins Schwimmen gerieten. Immer wieder brach die Niederlande mit Tempo durch. Über drei erwartete Tore (xG) hatten sie am Ende laut "Fotmob". Das aberkannte Tor von Virgil van Dijk ist da noch gar nicht inbegriffen.

Die Niederländer hatten die besseren Chancen und die zielstrebigere Offensive. Dass sie nicht viel früher trafen, war mehr Glück als Abwehrqualität. Gerade in der tiefen Verteidigungsformation machten die Deutschen einen sehr unsicheren Eindruck.

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Offensiv viel Tempo - aber unsauber

Auch offensiv gab es unsichere Momente. Allerdings gab es auch mehr Lichtblicke. Das Tempo, das Kevin Schade und Karim Adeyemi in die Partie brachten, war erfrischend. Deutschland schaffte es, die Niederlande mehrfach zu überrumpeln.

Was sie aber zu selten schafften: Daraus auch Chancen und Tore zu erspielen. Denn die Deutschen kamen nur auf 1,5 xG am Ende. Was den generellen Eindruck, das Unentschieden sei leistungsgerecht, etwas auf den Kopf stellt. Die Niederländer hatten die besseren Chancen. Aber der xG-Wert täuscht insofern ein wenig, als dass das DFB-Team einige gute Angriffe hatte, die sie im letzten Moment verpasst haben, richtig auszuspielen.

Präzisionsprobleme, die allerdings schnell gelöst werden müssen, um die vielen wilden Spielphasen in den Griff bekommen zu können.

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Joshua Kimmich: Zwei Perspektiven

Ein Spieler, der hier in Zukunft große Verantwortung tragen wird, ist Joshua Kimmich. Mit dem Ball sah das bisweilen schon richtig gut aus. Der Bayern-Star wird unter Klopp wieder im Mittelfeldzentrum eingesetzt, wo er sich selbst am wohlsten fühlt. Von dort hatte er mehrere gute Aktionen.

Er strukturiert und er leitet ein – wie beim umstrittenen 1:0, als er klug auf den Flügel verlagerte. Aber: Defensiv hatte Kimmich größere Probleme. Nur einen seiner sieben Zweikämpfe gewann er laut "Fotmob". Das Zusammenspiel mit Felix Nmecha, der selbst kein Defensivmonster ist, funktioniert in der Rückwärtsbewegung noch nicht.

Nmecha bekam von Klopp ein Extralob für seine Leistung. Dabei dürfte sich der Trainer aber vor allem auf das Spiel mit dem Ball bezogen haben. Es wird eine Überlegung wert sein, Kimmich einen Partner an die Seite zu stellen, der etwas weniger offensiv ausgerichtet ist und im Abwehrspiel Qualitäten hat. Auch eine Umstellung auf Klopps typisches 4-3-3 wäre denkbar.

Dass Kimmich im Zentrum dennoch richtig ist, hat er in den Ballbesitzphasen zeigen können. Mit seinen Fähigkeiten hebt er das Niveau des Aufbauspiels deutlich an.

Starkes Debüt: Philipp Treu überzeugt

Dass Philipp Treu auf der rechten Defensivseite überzeugen konnte, hilft den Argumenten in Bezug auf den Mittelfeld-Kimmich natürlich noch zusätzlich. Treu bekam hinterher ebenfalls viel Lob. Seine Laufbereitschaft half dem Offensivspiel und entlastete Karim Adeyemi in der ersten Halbzeit enorm.

Defensiv hatte Treu hier und da ein paar Probleme. Das war allerdings immer dann der Fall, wenn er keine Unterstützung von Mitspielern bekam. Mit dem niederländischen Pressing hatte er fast gar keine Probleme. Ein ziemlich starker Auftakt des Freiburgers.

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Zu viel Zufriedenheit?

Die positive Grundstimmung nach dem 1:1 ist also nachvollziehbar. Es gibt einige Punkte, an die man sich klammern kann und auf die es aufzubauen gilt. Auf der anderen Seite ist es bemerkenswert, dass die Partie fast gar nicht kritisch beleuchtet wurde.

Man stelle sich vor, Deutschland hätte diese zweite Halbzeit unter Julian Nagelsmann gespielt. Mitunter gab es Kontrollverluste, großen niederländischen Druck und Phasen, in denen man viel Glück hatte, nicht schon früher das Gegentor zu kassieren.

Einige Momente des Spiels waren sehr wild. Auch weil nach Ballgewinnen zu unstrukuriert nach vorn gespielt wurde. Dass das zum jetzigen Zeitpunkt noch normal ist, steht außer Frage. Klopp analysierte zu Recht, dass noch Abläufe fehlen.

Und doch ist es bemerkenswert, wie wenig zusammenhängend das Ballbesitzspiel oft war. Das war auch unter Nagelsmann eines der großen Probleme. Insofern ist das keine verfrühte Kritik am neuen Bundestrainer, sondern eher die realistische Einschätzung, dass der Weg auch für ihn noch sehr weit ist.

Auch interessant: DFB-Team: Niederländer wütet gegen DFB-Treffer, Kimmich kontert van Dijk Und: Pressestimmen zu Jürgen Klopps DFB-Debüt vs. Niederlande: "Inszenierte sich als Ein-Mann-Theater"

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