Fußball
DFB-Team: Die alte Garde und drei VfB-Stars – das sind die großen Verlierer des ersten Klopp-Kaders
Veröffentlicht:
von Justin Kraftran Fußball
DFB-Kader: Harte Klopp-Kritik wegen Leaks
Videoclip • 03:24 Min
Jürgen Klopp hat seinen ersten Kader als Bundestrainer nominiert – und seinen zweiten gleich mit. Trotz insgesamt 44 Nominierungen sind einige größere Namen nicht mit dabei. Das sind die großen Verlierer.
44 Profis hat Jürgen Klopp für seine erste Länderspielperiode nominiert. Darunter auch elf Spieler, die noch nie im Kader des DFB-Teams standen.
Für den Bundestrainer ist diese erste längere Phase eine Chance, viele Spieler kennenzulernen, die bisher noch nicht so im Fokus standen. Entsprechend sorgte Klopp auch für die eine oder andere Überraschung.
Unter den 44 DFB-Kickern fehlen nämlich auch einige größere Namen. ran beleuchtet die großen Verlierer der ersten beiden Klopp-Kader und ihre Perspektive.
Oliver Baumann
Für Oliver Baumann hätten die vergangenen zwölf Monate kaum wechselhafter sein können. Noch Ende 2025 sah der Hoffenheimer aus wie der nahezu sichere WM-Torhüter. Manuel Neuer war zurückgetreten, Marc-Andre ter Stegen kam nach mehreren Verletzungen nie in Tritt.
Dann aber die für ihn unangenehme Rolle rückwärts von Julian Nagelsmann: Neuer kehrte für die WM zurück, Baumann verlor den Platz zwischen den Pfosten. "Dass das für Oliver im Sommer nicht toll war, kann ich mir vorstellen", erklärte Klopp auf seiner Pressekonferenz am Donnerstag. Für den Moment aber habe er sich dennoch für ter Stegen "in der erfahrenen Position entschieden".
Danach habe er "die junge Generation dabeihaben" wollen. An Baumann ein klares Signal. Und sehr wahrscheinlich auch perspektivisch das Ende seiner Hoffnungen.
Leon Goretzka
Das könnte auch Leon Goretzka betreffen. Der 31-Jährige wechselte zu Aston Villa und kann sich dort auf prominenter Bühne beweisen. Gleichzeitig ist das Angebot im Mittelfeld enorm. Dass Klopp nach eigenen Angaben bisher noch gar nicht mit dem ehemaligen Bayern-Profi geredet hat, passt ins Bild – auch wenn der Grund hauptsächlich die Verletzung des Mittelfeldspielers gewesen sei.
Goretzka konnte seine Chance im Sommer nicht nutzen und zählt zu den Streichkandidaten, die frischen Wind im Kader ermöglichen sollen. Zwar passt die beste Version seiner selbst fußballerisch gut zur intensiven Spielweise von Klopp, doch diese Version war er schon länger nicht mehr. Vieles deutet darauf hin, dass seine Zeit beim DFB vorbei ist.
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Leroy Sane
Das gilt auch für Leroy Sane. Mit dem Linksfuß hat es laut Klopp ebenfalls keine Gespräche gegeben. Der 30-Jährige habe in dieser Saison "noch nicht so richtig Fuß gefasst". Außerdem kündigte er an, mit dem Angreifer sprechen zu wollen.
Immerhin ein kleine Hoffnungsschimmer für Sane? Fakt ist, dass der Profi von Galatasaray Istanbul dafür mehr zeigen muss als in der vergangenen Saison. In der Türkei ist die Aufmerksamkeit Deutschlands nicht so stark auf ihn gerichtet. Außerdem gibt es im Offensivbereich mit Said El Mala oder Lennart Karl einige aufstrebende Talente.
Ganz aussichtslos ist die Situation von Sane nicht. Gleichwohl ist er einer der Spieler, die es schwer haben werden, wieder in den Kader zu finden.
Jamie Leweling
Jemand, der die Formprobleme Sanes eigentlich nutzen wollte, ist Jamie Leweling. Der Stuttgarter hatte vor der WM eine gute Phase, in der er sich in Position brachte. Trotzdem setzte Nagelsmann auf Sane. Unter Klopp ist Leweling erstmal ganz außen vor.
Ein Grund dafür könnte sein, dass er dem Trainerteam nicht genügend Facetten anbietet. Der Stuttgarter ist schnell, engagiert, aber nicht sonderlich herausragend in seinen Fähigkeiten. Auch er könnte dementsprechend gegen die jungen und aufstrebenden Spieler den Kürzeren ziehen.
Hinzu kommt, dass er beim VfB zuletzt nicht viele Minuten sammelte. Sollte er im Verein aber wieder auf sich aufmerksam machen können, ist der DFB-Zug vermutlich nicht komplett abgefahren. Leweling ist schließlich erst 25.
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Deniz Undav
Die vielleicht größte Überraschung ist, dass Deniz Undav nicht nominiert wurde. Zwar waren seine ersten Auftritte in der Bundesliga nicht sonderlich überzeugend, aber der neue Kapitän des VfB Stuttgart war in der abgelaufenen Saison wohl der beste deutsche Stürmer. Undav bringt sowohl in der Arbeit gegen den Ball als auch im Angriffsspiel viel Flexibilität mit, die eigentlich zu Klopp passt.
Dennoch baut der Bundestrainer erstmal auf andere Angreifer. Für Undav bedeutet das noch nicht die endgültige Ausbootung. Klopp sprach bewusst von einer Entscheidung "für den Moment". Er habe vier Mittelstürmer auswählen wollen und sich unter anderem deshalb gegen den VfB-Neuner entschieden, weil der "noch nicht richtig in die Saison hineingefunden" habe.
Liefert Undav wieder die Leistungen, die man von ihm gewohnt ist, dürfte er allerdings wieder eine echte Option werden.
Angelo Stiller
Ob das auch für Angelo Stiller gilt? Eigentlich spricht rein objektiv erstmal wenig dagegen. Der Stuttgarter hat sich in der Bundesliga auf hohem Niveau etabliert und ist einer der absoluten Garanten für den jüngeren Erfolg des VfB. Dass die Schwaben zuletzt mit den attraktivsten Fußball in Deutschland gespielt haben, hatte auch mit seinen spielgestalterischen Fähigkeiten zu tun.
Pech nur, dass es in Deutschland Joshua Kimmich, Tom Bischof, Aleksandar Pavlovic, Felix Nmecha und einige weitere Spieler gibt. Stillers ganz großes Manko war schon immer die Geschwindigkeit. Beim FC Bayern München wurde der heute 25-Jährige einst von Hansi Flick nicht berücksichtigt, weil er ihn in seinem temporeichen Gegenpressing-Fußball nicht wirklich sah.
Klopp setzt ebenfalls auf Tempo, Umschaltmomente und Gegenpressing. Gut möglich, dass Stiller hier in seinen Augen das Nachsehen gegen andere Kandidaten hat. "Er hat Qualitäten, die jeder Mannschaft helfen", kommentierte VfB-Trainer Sebastian Hoeneß die Entscheidung am Donnerstag. Wenn Stiller weiter auf Top-Niveau spielt, wird er seine Chance vielleicht auch unter Klopp bekommen. Der Weg dürfte aber nicht leichter geworden sein.
Maximilian Beier
Ebenfalls nicht berücksichtigt wurde Maximilian Beier, dessen Qualitäten in Deutschland gemeinhin unterschätzt werden. Mit seinen schlauen Laufwegen, seinem Tempo und seiner hohen Arbeitsrate in alle Richtungen kann der Profi von Borussia Dortmund ein sehr wertvolles taktisches Tool sein. Zumal das auch gut zum Klopp-Fußball passt.
Sein großes Problem ist im Moment wohl eher, dass er beim BVB nach seiner Rolle sucht. Im ersten Bundesliga-Spiel startete er als linker Flügelverteidiger, im Spiel danach in der Offensive und zuletzt wurde er gegen Paderborn spät als rechter Flügelverteidiger eingewechselt. Klopp wird tendenziell nicht mit einer Dreierkette spielen lassen.
Defensiv ist Beier wohl nicht stabil genug um Rechtsverteidiger einer Viererkette zu sein und offensiv gibt es sehr gute Alternativen. Für den ehemaligen Hoffenheimer wird es also auch zukünftig schwer.
Matthias Ginter
Schwer hatte es in den vergangenen Jahren auch Matthias Ginter. Der Freiburger spielte eine herausragende Saison und wurde von Nagelsmann dann nicht für die WM berücksichtigt. Für Klopp spielt der Innenverteidiger allerdings ebenfalls keine Rolle – zumindest erstmal.
Wobei "erstmal" hier ein dehnbarer Begriff ist. Ginter hat keine große Lobby beim DFB, blieb oft außen vor. Das bedeutet nicht, dass er bei starken Leistungen nicht berücksichtigt werden könnte. Beim Blick auf die Konkurrenz und das eine oder andere aufstrebende Talent sind seine Chancen aber diplomatisch formuliert nicht größer geworden.
Das wahrscheinlichste Szenario ist wohl, dass Ginter weiterhin außen vor bleibt. Mit nun 32 Jahren müsste er sportlich schon nochmal deutlich bessere Argumente liefern als alle anderen.
Auch interessant: Oliver Baumann legt nach WM-Degradierung im DFB-Team nochmal nach: "Das war unfassbar!"
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