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DFB-Team: Klopp-Neuling Mika Baur ist Sohn von Welt- und Europameister - und nun 1000. Nationalspieler
Aktualisiert:
von Marcus Giebelran Fußball
DFB-Team: So freut sich unser 1000. Debütant
Videoclip • 01:33 Min
Ohne jegliche Bundesligaerfahrung hat es Mika Baur ins DFB-Team geschafft. Denn im Sommer zog es ihn nach dem Aufstieg mit dem SC Paderborn nach Glasgow. In seiner Familie stehen zwei Sportarten besonders hoch im Kurs. Sein Vater hat sogar ein Nationalteam geprägt, das ganz Deutschland begeisterte. Nun ist er selbst der 1000. deutsche Nationalspieler.
Die 77. Spielminute beim 2:0-Sieg der DFB-Auswahl über Serbien in der Nations League war nicht nur für Mika Baur eine ganz besondere. Denn es war der Zeitpunkt, zu dem der 22-Jährige für Torschütze Tom Bischof auf den Rasen geschickt wurde und mithelfen durfte, die drei Punkte festzuzurren.
Für den Verband selbst war der Moment aber genau so historisch. Denn Baur avancierte zum 1000. deutschen Nationalspieler. Für ihn sei es "unbeschreiblich" gewesen, sagte der Debütant später. Und: "Ich glaube, in dem Moment, wenn man auf den Platz läuft, versucht man so ein bisschen, in den Tunnel reinzukommen, aber davor ist der Puls oben und man freut sich unglaublich."
Als er dann mit dem Umstand konfrontiert wurde, der Jubiläums-Nationalspieler zu sein, erwiderte Baur nur grinsend: "Das ist ja mal eine schöne Geschichte." Damit hatte er die Lacher auf seiner Seite.
Natürlich war die Laune bestens, fiel doch mit der überzeugenden Vorstellung und dem Erfolg der ganz große Druck vom DFB-Aufgebot für den zweiten Teil der Länderspielphase ab. Aufgrund der zuvor mauen Punkteausbeute stand die seit Wochenbeginn in Herzogenaurach versammelte Auswahl schon unter Zugzwang. Denn beim Bundestrainer-Debüt von Jürgen Klopp in den Niederlanden (1:1) und bei dessen Heim-Premiere gegen Griechenland (0:1) war das erste DFB-Aufgebot sieglos geblieben.
Baur: Nur fünf Erstligaspiele vor dem DFB-Debüt
Nun geht der Blick für Baur & Co. zum Rückspiel in Griechenland (So., ab 20:45 Uhr im Liveticker), bei dem es auch um Wiedergutmachung geht. Ob der Neuling von Celtic Glasgow dann auch wieder mithelfen darf?
Seine persönlichen Erwartungen sind ohnehin schon übertroffen. "Es war für mich, wahrscheinlich wie für euch alle, genauso überraschend, dass ich hier bin", verriet er nach seiner Ankunft in Franken in einer Medienrunde über seine Berufung.
Seinem ersten A-Länderspiel gingen gerade einmal fünf Erstligaeinsätze in der schottischen Premiership voraus. Die Bundesliga erlebte Baur dagegen bislang nur viermal über 90 Minuten von der Bank aus. Beim SC Freiburg war das, in der Saison 2023/2024. Zwar verhalf er dem SC Paderborn in der vergangenen Saison als Denker und Lenker im Mittelfeld zurück in die Bundesliga, entschied sich dann aber für den Wechsel auf die Insel.
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Baur holt sich Tipps beim Vater - denn der ist Welt- und Europameister
Die DFB-Teamkollegen haben dem Baur also einiges voraus. In Sachen Bundesliga und in vielen Fällen auch hinsichtlich der Länderspiele. Angesichts der mauen DFB-Bilanz der vergangenen Jahre hat Baur aber einen anderen Trumpf gegenüber allen übrigen Nominierten: den kürzestmöglichen Draht, wenn es um große Triumphe im Nationaltrikot geht.
Denn sein Vater ist Welt- und Europameister im Handball. Markus Baur lief fast 15 Jahre lang für die DHB-Auswahl auf. Bei der Heim-WM 2007, die als "Wintermärchen" in die deutsche Sportgeschichte einging und gefühlt die ganze Nation in ihren Bann zog, ging er als Kapitän voran. Den Triumph feierte das Team mit aufgeklebten Heiner-Brand-Schnurbärten zur Hymne "Wenn nicht jetzt, wann dann" von "De Höhner". Es war das Highlight einer ruhmreichen Nationalmannschaftskarriere.
Knapp 20 Jahre später steht also wieder der Name Baur auf einem Deutschlandtrikot. Angereist ist Mika mit wertvollen Tipps seines Vaters. "Er sagt auch: 'Saug es auf, hab Spaß. Lächl' viel, sei nicht zu aufgeregt. Nimm' es auch alles locker.‘", verriet das mittlere der drei Kinder, das die Familie Baur als "ein bisschen sportverrückt" beschreibt.
Großer Bahnhof für den Vater: Markus Baur verabschiedet sich 2009 vom Leistungssport - an seiner Seite Sohn Mika und Tochter Chiara
Bild: Sven Simon
Baur über sportverrückte Familie: "Jeder hat gemacht, worauf der Bock hat"
Seine ältere Schwester Chiara spielt ebenfalls Handball, arbeitet künftig aber auch als Lehrerin. Bruder Kimi hat sich dagegen auch für den größeren Ball entschieden und läuft derzeit als Stürmer der U19 des SC Freiburg auf. Das Urteil von Mika: "Er kann auch sehr, sehr gut kicken."
Dass die Familie nun über zwei Fußballer und zwei Handballer verfügt, sei Zufall, versichert er: "Jeder hat gemacht, worauf er Bock hat. Das hat ganz gut funktioniert."
Die Eltern und die Geschwister waren dann auch die ersten, die von seiner Nominierung erfuhren. Und zwar direkt im Anschluss an das Gespräch mit Klopp: "Hab direkt einen Gruppen-Anruf in der Family-Gruppe gestartet und erzählt, dass was Verrücktes passiert ist."
Noch verrückter wurde der rasante Baur-Aufstieg am Donnerstagabend ab der 77. Spielminute in der Münchner Allianz Arena. Da er "zwei, drei Minuten" am Spielfeldrand stand und auf seine Einwechslung warten musste, blieb "schon kurz Zeit, mal um sich zu schauen, was eben gerade abgeht".
Obendrein gehört Baur nun zu einem sehr exklusiven Kreis an DFB-Akteuren. Denn Nationalspieler ohne Bundesligaerfahrung ließen sich bislang an einer Hand abzählen: Der "kicker" nennt in diesem Zusammenhang Robert Huth, Thomas Hitzlsperger, Shkodran Mustafi, Robin Gosens und Karim Adeyemi. Neben Baur kam nun auch Vitaly Janelt hinzu. Der Profi vom FC Brentford, der bislang in Deutschland nur in der 2. Liga für den VfL Bochum zum Einsatz kam, durfte ab der 88. Minute mitmischen und ist seither der 1001. deutsche Nationalspieler.
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Baur bekommt Unterstützung von Weltmeister-Vater: "Er kommt nach Griechenland"
Baur freute sich schon vor seinem Premieren-Einsatz "mega, hier zu sein". Im Kreise der besten Fußballspieler Deutschlands. Und auch wenn das Aufsaugen und Genießen im Vordergrund stehen soll, will er "natürlich auch zeigen, für was ich stehe, wer ich bin". Weit mehr als der Sohn eines Welt- und Europameisters.
Wobei er auf die Unterstützung seines berühmten Vaters, der 15 Jahre in der Handball-Bundesliga spielte und 2003 mit dem TBV Lemgo Meister wurde, schon in dieser Woche zählen kann. "Er kommt nicht gegen Serbien, aber er kommt nach Griechenland", kündigte der Neu-Nationalspieler an.
Dort, beim zweiten Auswärtsspiel dieser Nations-League-Saison, haben die neuen Klopp-Schützlinge einiges gutzumachen. Für Markus Baur war Griechenland bei Olympia 2004 durchaus ein gutes Pflaster, als er mit dem DHB-Team Silber gewann. Die Motivation dürfte seinerzeit besonders groß gewesen sein: Wenige Wochen zuvor war Sohn Mika zur Welt gekommen.
Insofern könnte sich für die Familie Baur in gewisser Weise ein Kreis schließen. Sollte der Vater in Griechenland von der Tribüne aus miterleben dürfen, wie sein Sohn erneut von Klopp aufs Feld geschickt wird. Und dazu beitragen kann, dass die erste Länderspielphase unter dem neuen Bundestrainer noch ein echtes Happy End bekommt. Dann würden die Chancen auf Viertelfinalspiele im kommenden Frühjahr weiter steigen.
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