Nations League
DFB-Team vs. Niederlande - Erik Meijer im Interview: "Jürgen Klopp hat gezeigt, dass er der bessere Trainer ist"
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von Kai Esserran Fußball
DFB-Team: Klopp liefert nächsten Spruch - diesmal bekommt es Xavi ab
Videoclip • 01:19 Min
Erik Meijer spricht im ran-Interview über das anstehende Nations-League-Spiel zwischen der Niederlande und Deutschland und äußert sich zum Neustart beider Nationen unter den neuen Trainern Jürgen Klopp und Xavi.
Das Prestigeduell zwischen der Niederlande und Deutschland (Do., ab 20:45 im Liveticker) steht kurz bevor und auch Erik Meijer blickt dem Debüt der beiden Trainer gespannt entgegen.
Sowohl Jürgen Klopp als auch Xavi stehen im Nations-League-Kracher zum ersten Mal als Nationalcoaches an der Seitenlinie.
Im Interview mit ran spricht Meijer über die Herangehensweise beider Trainer, die Aufbruchstimmung, die sie entfachen können und die Berufung neuer, junger Spieler.
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Erik Meijer: Klopp ist der bessere Trainer
ran: Herr Meijer, sowohl Deutschland als auch die Niederlande haben einen neuen Trainer – wer hat da die bessere Wahl getroffen?
Erik Meijer: Bis jetzt hat Jürgen Klopp gezeigt, dass er der bessere Trainer ist. Er hat Resultate bei Mainz 05, Borussia Dortmund und dem FC Liverpool geliefert. Nur eben noch nicht bei der Nationalmannschaft.
ran: Was unterscheidet einen guten Vereinstrainer von einem guten Nationaltrainer?
Meijer: Der Vereinstrainer hat seine Spieler sieben Tage die Woche um sich. Als Nationaltrainer muss man in viel kürzerer Zeit versuchen, den Spielern die eigene Spielidee zu vermitteln – Spieler, die am nächsten Wochenende bei ihrem Klub dann wieder ein ganz anderes System umsetzen müssen. Das ist eine schwierige Aufgabe.
Erik Meijer über Klopp 44-Mann-Kader: "Ich hätte es genauso gemacht."
ran: Klopp hat für seine ersten Länderspiele gleich 44 Spieler nominiert. Was halten Sie von der Maßnahme?
Meijer: Fantastisch! Ich hätte es genauso gemacht. Wenn man sich einen Überblick verschaffen will, welche Qualität und welche Typen im Land vorhanden sind, dann beruft man am besten so viele Spieler wie möglich. Nur so bekommt man das vollständigste Bild.
ran: Darunter sind einige eher unbekannte Spieler wie Bambase Conte, Felix Keidel oder Mika Baur. Mit welchem Gefühl fahren diese Jungs zum DFB-Team?
Meijer: Es gibt kein größeres Kompliment für einen Spieler, als für die Nationalmannschaft berufen zu werden. Es ist die größte Wertschätzung, die man für seine Leistungen im Verein bekommen kann. Da fährt man mit Stolz und Ehrfurcht hin und will sich natürlich von seiner besten Seite zeigen. Das vergisst man nie. Ob es leistungsmäßig reicht, auf Dauer in diesem Kader zu bleiben, wird sich zeigen.
Imago
Bild: IMAGO/Schüler
Erik Meijer: Xavi soll alte niederländische Schule wieder einbringen
ran: Hatten Sie das Gefühl, dass dieser Stolz manchen Spielern womöglich sogar abhandengekommen sein könnte? Waren manche satt?
Meijer: Nein, das würde ich nicht sagen, das kann ich mir auch nicht vorstellen. Einzig das Energielevel könnte bei einem jungen Spieler, der das erste oder zweite Mal eingeladen wird, etwas höher sein – ich nenne das das „Phantasialand-Gefühl". Aber auch die älteren Spieler haben das Trikot immer mit Stolz angezogen, daran habe ich keinen Zweifel.
ran: In den Niederlanden ist Xavi jetzt neuer Trainer. Wie bewerten Sie ihn? Beim FC Barcelona gab es Titel, aber glücklich wurde weder er noch der Klub so richtig.
Meijer: Er ist ein junger Trainer, der als Fußballer seine Extraklasse unter Beweis gestellt hat. Er wurde nach der holländischen Schule ausgebildet, die Johan Cruyff einst in Barcelona eingeführt hat. Jetzt stellt sich die Frage, wie er das auf seine eigene Mannschaft übertragen kann und will – eine Mannschaft, die bei der WM genau wie Deutschland nicht erfolgreich war.
ran: Xavi kannte Cruyff persönlich. Wie viel hat das bei der Jobvergabe beim KNVB (niederländischer Verband, Anm. d. Red.) ausgemacht?
Meijer: Fakt ist, dass Cruyff eine enorme Größe ist. Das hatte sicher Einfluss, denke ich. Der Verband wollte nach Ronald Koeman in eine andere Richtung gehen. Koeman ist ein Trainer, der nach Ergebnissen gestrebt und das System am vorhandenen Spielermaterial ausgerichtet hat. Das war nicht immer sexy, aber oft effektiv. Jetzt wurde aber nicht mehr nur danach geschaut, wer die besten Ergebnisse liefern kann, sondern auch, wer die alte niederländische Schule wieder einbringen und trotzdem gute Ergebnisse liefern kann. Da ergibt die Wahl von Xavi nur Sinn. Es gab wahrscheinlich keinen Niederländer, der an dieses Profil herangekommen ist.
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Meijer: Ein ausländischer National-Coach ist eine "coole" Idee
ran: Ist es in den Niederlanden ein Thema, dass Xavi Spanier ist?
Meijer: Der letzte ausländische Trainer war Ernst Happel. Er hatte damals sehr viel Erfolg und erreichte das WM-Finale. Ich persönlich stehe dem nicht negativ gegenüber, ich finde es sogar eher cool, dass wir mal etwas anderes haben. Dass jemand eine andere Sprache spricht, das ist bei den Vereinen schließlich auch nicht anders.
ran: Sie haben selbst ein Länderspiel gemacht, 1993 beim 6:0 gegen San Marino. Wie ist es, als Neuling für sein Land berufen zu werden?
Meijer: Genau deshalb kann ich mich gut in die deutschen Spieler hineinversetzen, die jetzt neu dabei sind. Auch für mich war es eine Riesenüberraschung. Ich hatte eine tolle Saison mit vielen Toren und durfte dann dieses geile orangene Trikot mit dem Löwen auf der Brust tragen. Ich habe fast 500 Profispiele gemacht, aber das war das Allerschönste. Es gibt keine größere Ehre, als für sein Land zu spielen, egal in welcher Sportart. Wenn die Nationalhymne gespielt wird, dann bin ich nur stolz.
ran: Wer wird das Spiel am Donnerstag gewinnen?
Meijer: Ich hoffe natürlich, dass die Niederlande gewinnt. Ich bin mit meinem Vater im Stadion und freue mich sehr darauf. Es wird aber ein unglaublich schweres Spiel, Deutschland hat einen starken Kader. In den Niederlanden hat niemand verstanden, wieso die Qualität bei der WM nicht zu mehr gereicht hat – der Kader gab viel mehr her. Ich rechne mit einem guten Spiel und tippe 2:1 für uns.
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