La Liga
FC Barcelona droht der "Lewandowski-Effekt" wie einst dem FC Bayern München
Veröffentlicht:
von Mike Stiefelhagen:newstime
Wegen Musiala-Bericht: Türkischer Journalist offenbar festgenommen
Videoclip • 58 Sek • Ab 12
Robert Lewandowski weg, Ferran Torres vor dem Abgang und Wunschlösung Julian Alvarez scheint kaum erreichbar. Der FC Barcelona muss in der Sturmzentrale einen vielleicht ähnlichen Umweg einschlagen wie einst der FC Bayern München.
Robert Lewandowski trifft bereits für Chicago Fire. Der 37-Jährige verließ Barcelona nach vier Jahren und drei spanischen Meisterschaften mit einer Bilanz von mehr als 700 Toren für seine Klubs und die polnische Nationalmannschaft.
Mit Anthony Gordon und Karim Adeyemi hat der spanische Meister seine Offensive prominent verstärkt. Beide bringen Tempo, Tiefgang und taktische Flexibilität mit, waren in ihren bisherigen Klubs aber überwiegend auf den Flügeln zu Hause.
Ferran Torres wäre die einzige intern erprobte Lösung für das Sturmzentrum. Der Spanier vertrat Lewandowski unter Hansi Flick regelmäßig, steht jedoch vor einem möglichen Wechsel zu Paris Saint-Germain.
Auch der favorisierte Nachfolgekandidat Julian Alvarez ist für die Katalanen derzeit nicht greifbar. Barca muss deshalb entscheiden, ob der Klub noch einmal viel Geld investiert oder Flick seinen Angriff ohne feste Nummer neun aufbauen soll.
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Der Torres-Poker verschärft Barcelonas Problem
Ein Verkauf von Torres wäre sportlich momentan schwer aufzufangen. In den vergangenen beiden Spielzeiten erzielte er 40 Tore in 94 Pflichtspielen, bei der WM 2026 schoss er Spanien zudem im Finale gegen Argentinien zum Titel.
Barcelona soll ein erstes PSG-Angebot über 40 Millionen Euro abgelehnt haben, die Verhandlungen laufen aber weiter. "Sky" zufolge hat Torres einem Wechsel bereits zugestimmt, sein Vertrag bei Barca endet im Sommer 2027.
Damit bietet dieses Transferfenster die letzte realistische Gelegenheit auf eine hohe Ablöse. Laut dem "Guardian" könnten die Einnahmen unter anderem bei der Finanzierung eines möglichen Rodri-Transfers helfen und Barca zusätzlichen Handlungsspielraum verschaffen.
Alvarez war als neue Nummer neun vorgesehen. Atletico Madrid beharrt jedoch darauf, den 26-Jährigen nicht abzugeben. Auch ein Treffen von Sportdirektor Deco mit der Spielerseite brachte bislang keinen Durchbruch.
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Zwei Flügelstürmer als Lewandowski-Erben?
Gordon ist von den beiden Neuzugängen die naheliegendere Option für das Zentrum. Barcelona verwies bei seiner Vorstellung auf die Mittelstürmer-Erfahrung des Engländers, der Newcastle in der vergangenen Saison als bester Torschütze verließ.
Adeyemi besitzt ein anderes Profil und lebt stärker von seiner enormen Geschwindigkeit sowie seinem linken Fuß. Seine 36 Treffer in 146 Partien für Borussia Dortmund zeigen, dass er gefährlich werden kann, bislang aber kein konstant produzierender Torjäger war.
Für Flick eröffnet die Besetzung trotzdem eine reizvolle Variante. Gordon oder Adeyemi könnten als bewegliche Spitze immer wieder die Positionen mit Raphinha, Lamine Yamal und Dani Olmo tauschen und über Gegenpressing, Dribblings sowie Läufe hinter die Abwehr zum Erfolg kommen.
Schwieriger dürfte dieses Modell gegen tief stehende Gegner werden. Barcelona benötigt in solchen Spielen Präsenz bei Hereingaben, einen Wandspieler unter Druck und einen Abnehmer im Fünfmeterraum.
Aufgaben, für die Lewandowski über Jahre eine feste Referenz bot.
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Lewandowski-Effekt: Die Parallele zum FC Bayern
In München begann nach Lewandowskis Wechsel nach Barcelona im Sommer 2022 ein ähnliches Experiment. Bayern verpflichtete Sadio Mane, verzichtete aber zunächst auf einen direkten Nachfolger und verteilte die Verantwortung auf mehrere Offensivspieler.
Eric Maxim Choupo-Moting entwickelte sich dabei vom Ersatzmann zur Stammkraft. Er und Serge Gnabry erzielten in der Saison 2022/23 wettbewerbsübergreifend jeweils 17 Treffer, Jamal Musiala kam auf 16 Tore.
Für eine dominante Spielzeit reichte diese Verteilung nicht. Kein Münchner erzielte mehr als 14 Bundesligatore, die Meisterschaft wurde erst am letzten Spieltag dank eines BVB-Ausrutschers gesichert und sowohl im DFB-Pokal als auch in der Champions League war im Viertelfinale Schluss.
Ein Jahr später verpflichtete Bayern Harry Kane für rund 100 Millionen Euro von Tottenham Hotspur. Der Rekordmeister reagierte damit auf die fehlende Verlässlichkeit im Sturmzentrum und korrigierte seine Übergangslösung mit dem nächsten Weltklasse-Torjäger.
Barcelona darf Bayern-Fehler nicht wiederholen
Bei der Bewertung eines Torres-Verkaufs darf Barcelona also nicht allein auf die mögliche Ablöse schauen. Entscheidend ist, welcher Teil der Einnahmen anschließend für einen Ersatz benötigt wird und wie viel finanzieller Spielraum danach tatsächlich übrig bleibt.
Ein möglicher Plan B zu Alvarez sollte sich deshalb am taktischen Bedarf und nicht am größten verfügbaren Namen orientieren. Der neue Angreifer müsste die vorhandenen Stärken des Kaders ergänzen, statt lediglich ein weiterer variabler Offensivspieler zu sein.
Ist ein solcher Spieler nicht zu vernünftigen Konditionen verfügbar, wäre ein Verbleib von Torres trotz seines auslaufenden Vertrags vertretbar. Ein späterer ablösefreier Abschied könnte sportlich weniger schaden als ein überteuerter Panikkauf oder eine Saison mit einer unvollständigen Offensive.
Deshalb sollte Barcelona einen Torres-Verkauf erst freigeben, wenn eine tragfähige Nachfolge feststeht. Ohne diese Reihenfolge würde aus einer wirtschaftlich attraktiven Gelegenheit ein sportliches Glücksspiel.
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