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WM 2026

DFB-Team - Jean-Marie Pfaff: Hätte Nagelsmann nicht so viel Verantwortung gegeben

Veröffentlicht:

von Kai Esser

ran Fußball

WM 2026: DFB-Nachhilfe! Müller erklärt Klopp den Bundestrainer-Job

Videoclip • 04:08 Min


Torhüter-Legende Jean-Marie Pfaff im ran-Interview über Belgiens Chancen gegen Spanien, die Zukunft des belgischen Fußballs, Fehler von Julian Nagelsmann und dessen wahrscheinlichen Nachfolger Jürgen Klopp.

Das Interview führte Kai Esser

Der ewige Geheimfavorit steht mal wieder in einem Viertelfinale bei einem großen Turnier: In diesem trifft Belgien am Freitag (ab 21:00 Uhr im Joyn-Stream und im Liveticker) auf den amtierenden Europameister Spanien.

Können die Belgier bei der WM in Nordamerika ein echtes Ausrufezeichen setzen?

Im ran-Interview spricht Torhüter-Legende Jean-Marie Pfaff über Belgiens Chancen, die Zukunft des belgischen Fußballs, Fehler von Julian Nagelsmann und dessen wahrscheinlichen Nachfolger Jürgen Klopp.

Jean-Marie Pfaff: Fall Balogun hat Belgien "eindeutig zusätzlich motiviert"

ran: Belgien hat das Achtelfinale gegen die USA souverän mit 4:1 gewonnen. Im Fokus stand aber Folarin Balogun, der nach seiner Roten Karte trotzdem spielen durfte. Wie hat das das Spiel beeinflusst?

Jean-Marie Pfaff: Belgien war dadurch eindeutig zusätzlich motiviert. Dass ein Spieler, der Rot bekommen hat, trotzdem spielen darf, kann nicht sein, das ist gegen das Reglement. Belgien hat das Pressing gespielt, weil sie sich unfair behandelt gefühlt haben. Man hat aber auch gesehen: Die USA hat noch keine Mannschaft, um in der Weltspitze mitspielen zu können, sie müssen noch viel lernen. Das dritte und das vierte Gegentor sind Treffer, die niemals passieren dürfen.

ran: Wie bewerten Sie das Einschreiten von US-Präsident Donald Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino?

Pfaff: Das ist natürlich nicht korrekt. Man kann nicht einfach Sperren aufheben, wie man will, das ist eine Weltmeisterschaft. Und das Foul war rotwürdig. Das ist nicht gut für Infantino, daran sieht man, was alles hinter den Kulissen passiert, dabei geht es nur um Macht. Deutschland kann dann auch einen Brief schreiben, dass sie wieder mitspielen wollen, weil es auch falsch war, das Tor von Jonathan Tah gegen Paraguay abzuerkennen.

ran: Gegen den Senegal lag Belgien mit 0:2 hinten, am Ende gewannen sie das Spiel dramatisch mit 3:2. Was war der Wendepunkt in diesem Spiel?

Pfaff: Die Wechsel von Senegal. Sie waren sehr gut im Spiel, normalerweise können sie dieses Spiel nicht mehr verlieren. Aber der Trainer (Pape Thiaw, Anm. d. Red.) hat ohne Not ausgewechselt. Wenn man führt, dann muss man die Mannschaft so lange auf dem Platz halten, bis etwas passiert. Es ist nichts passiert, aber er hat ausgewechselt und ich glaube, dass das das Problem war. Wenn die eingespielte Mannschaft das zu Ende spielt, dann passiert da nichts mehr.

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Jean-Marie Pfaff: "Es spielt keine Rolle, wer spielt"

ran: Jetzt geht es gegen Spanien, wie schätzen Sie die Chancen Belgiens ein?

Pfaff: Wenn Belgien die gleiche Motivation mitbringt wie gegen die USA, dann bin ich positiv gestimmt. Spanien hat gegen Portugal nicht so gut gespielt wie in den Spielen davor. Wenn die Portugiesen ein bisschen mehr Glück haben, dann fliegt Spanien in dem Spiel raus. Ich denke, dass es ein 50:50-Spiel ist. Die Spanier haben eine Menge Erfahrung, aber es ist ein K.o.-Spiel, da kann alles passieren. Wir werden ein Spiel auf hohem taktischem und kämpferischem Niveau sehen. Es könnte durchaus darauf ankommen, wer das erste Tor erzielt.

ran: Gegen die USA saßen Kevin de Bruyne und Jeremy Doku, die beiden Top-Stars, draußen. Wie sehen Sie ihre Rolle?

Pfaff: Es spielt keine Rolle, wer spielt. Ich weiß auch nicht, wie es in der Mannschaft aussieht. Jeder, der spielt, spielt am absoluten Limit und kämpft für den Sieg, das weiß ich. Wer das am Ende ist, ist egal.

ran: Wie schwer wiegt der Ausfall von Amadou Onana?

Pfaff: Mir tut es natürlich leid für den Jungen, aber wir haben noch andere Spieler im Kader, die diese Position einnehmen können. Sowas passiert in einem Turnier, das sollte für die anderen eine Extra-Motivation sein.

ran: Für de Bruyne und auch Thibaut Courtois wird es wahrscheinlich die letzte WM sein. Wie ist Belgien in Zukunft aufgestellt?

Pfaff: Da mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Wir haben einen sehr guten Nachwuchs. Der Anspruch ist mittlerweile ein anderer. Es ist nicht mehr wie früher, als wir nur dabei sein mussten. Dennoch gehört auch Demut dazu: Die hatten Deutschland oder die Niederlande diesmal nicht.

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DFB-Team: "Es gibt für Deutschland aktuell keinen Besseren als Jürgen Klopp"

ran: Schauen wir kurz auf den Nachbarn Deutschland. Jürgen Klopp wird aller Voraussicht nach der Nachfolger von Julian Nagelsmann. Glauben Sie, dass Deutschland unter ihm zu alter Stärke finden kann?

Pfaff: Ich halte Nagelsmann für einen netten Menschen, aber ich hätte ihm nicht so viel Verantwortung gegeben. Nur weil man Fußball in der Schule gelernt hat, ist man noch lange kein guter Trainer für eine Nationalmannschaft. Man braucht auch eine gewisse Erfahrung und muss auch etwas ausstrahlen. Wenn ich an früher denke: Franz Beckenbauer, Berti Vogts, die hatten diese Ausstrahlung. Es gibt für Deutschland aktuell keinen Besseren als Jürgen Klopp, wenn er das wirklich machen will. Mit Borussia Dortmund und dem FC Liverpool hat er viel erreicht, er kann Deutschland wieder zum Erfolg führen.

ran: Welche Fehler hat Nagelsmann aus Ihrer Sicht gemacht?

Pfaff: Eine Nationalmannschaft muss für etwas stehen. In den Niederlanden hat Johan Cruyff ein System installiert und das hat funktioniert. Deutschland stand lange für etwas. Wofür stehen die beiden Mannschaften heute? Bei allem Respekt, aber wieso spielt Joshua Kimmich Rechtsverteidiger? Wo holt man das her? Er ist ein defensiver Mittelfeldspieler. Nimm einen Rechtsverteidiger mit, man hat 26 Kaderplätze. Hinzu kommt: Jeder Spieler hat gefühlt sein eigenes Ding gemacht und dabei oft nicht das Niveau erreicht, das er in der Liga gezeigt hat. Ich hoffe, dass die Wende schnell kommt.

ran: Wie bewerten Sie als ehemaliger Torhüter das Comeback von Manuel Neuer?

Pfaff: Ich denke, dass er bei seinem Rücktritt hätte bleiben sollen. Er hat die Entscheidung getroffen, dazu hätte er stehen sollen. Allerdings sollte man dabei auch keinesfalls vergessen, was er für Deutschland getan hat.

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