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WM 2026

DFB-Team: Julian Nagelsmann ist nicht verbrannt - aber er sollte sich ein Beispiel an Jupp Heynckes nehmen - Kommentar

Veröffentlicht:

von Justin Kraft

ran Fußball

"Manchmal ein bisschen patzig"- Hummels äußert sich klar zu Nagelsmann

Videoclip • 04:33 Min


Beim DFB-Team und beim FC Bayern ist Julian Nagelsmann jeweils mit viel Lärm um seine Person rausgeflogen. Droht seiner Karriere jetzt ein Absturz? Eine kommentierende Analyse.

Hermann Gerland hat mal eine Lebensweisheit passend in einen Satz gegossen: "Immer Glück ist Können."

Im Leistungssport wird häufig über verdient und unverdient oder über Glück und Pech diskutiert. Doch ab wann ist etwas Zufall und ab wann nicht mehr?

In Bezug auf Julian Nagelsmann ist es jetzt schon das zweite Mal, dass er auf eine besondere Art und Weise scheitert – mit viel Lärm um seine Person. Im März 2023 endete seine Zeit als Cheftrainer des FC Bayern jäh, als Hasan Salihamidzic und Oliver Kahn ihrerzeit die Reißleine zogen.

Nun ist auch beim DFB Schluss. Und wieder gibt es große Fragezeichen, wie sich innerhalb kürzester Zeit eine scheinbar gute Entwicklung schnell als eben genau das herausstellte: Schein.

Vor allem aber stellt sich die Frage, wie es für den 38-Jährigen weitergeht. Wie beschädigt ist er für kommende Aufgaben?

Julian Nagelsmann: Beim FC Bayern zu positiv weggekommen?

In München kam er einst mit einem blauen Auge davon. Sein Rauswurf war der Gipfel eines großen Chaos innerhalb des Klubs und der Trainer ging mit erhobenem Haupt, sogar als eine Art Sympathieträger in dieser Geschichte.

Ein Großteil der Beobachterinnen und Beobachter war sich einig: Einen Trainer rauszuwerfen, bevor er überhaupt scheitern konnte, ist eine Anomalie. Und auch die Art und Weise verwunderte. Die Nachricht sickerte durch, als Nagelsmann im abgesprochenen Kurzurlaub war.

Kurz vor den wichtigen K.-o.-Spielen in Champions League und Pokal musste er seinen Platz räumen. In der Bundesliga hatte der ehemalige Hoffenheimer und Leipziger zwar einen großen Vorsprung auf den BVB verspielt, aber auch dort war noch lange nichts verloren. Besonders pikant damals: Die meisten Spieler zeigten sich stark verwundert über den Rauswurf.

Er schien die Mannschaft nicht verloren zu haben wie seine Vorgänger Niko Kovac oder Carlo Ancelotti. Schnell verbreitete sich die These, Nagelsmann wurde die Chance genommen, das Ruder nochmal herumzureißen.

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Konflikte gab es auch in München

Das öffentliche Mitleid für Nagelsmann war sicher nicht gänzlich unberechtigt. Er musste in München unter Umständen arbeiten, die für einen Trainer auf diesem Niveau schwer zu handeln sind. Aber dabei wurde ausgeblendet, dass viele der damaligen Kritikpunkte an ihm ihre Legitimität haben – und sich im Jahr 2026 wiederholen sollten.

Nagelsmann überwarf sich mit Leuten, die nicht mit ihm auf Linie waren. Torwarttrainer Toni Tapalovic, engster Vertrauetr von Kapitän Manuel Neuer, warf er beispielsweise aus dem Trainerteam. Unabhängig davon, ob es dafür inhaltlich gute Gründe gab, machte der Trainer damit ein Fass auf, das die Atmosphäre stark belastete.

Nagelsmann mag die Mannschaft nicht in Gänze verloren haben, hatte aber offensichtlich dennoch Probleme damit, die Teile hinter sich zu bringen, die in der Kabine ein großes Standing hatten.

Beim DFB-Team wiederholen sich die Probleme

Auch beim DFB-Team soll es wieder Probleme und Unzufriedenheiten gegeben haben. Nagelsmann vergaloppierte sich kommunikativ, brachte mit Oliver Baumann und Deniz Undav Spieler ohne Not gegen sich auf und traf Entscheidungen, die viele nicht nachvollziehen konnten.

Immer wieder kommt von außen der Vorwurf, er umgebe sich mit Leuten, die ihm seine Fehler nicht spiegeln würden. Schaut man sich an, wie er öffentlich mit Kritik umgeht, wirkt die These zumindest glaubhaft.

Nagelsmann stand als Bundestrainer wie auch damals beim FC Bayern so sehr unter Druck wie nie zuvor in seiner Karriere. Bei aller berechtigten Kritik wird dann oft vergessen, wie schwer es sein kann, die wesentliche Kritik zu filtern, wenn alle es besser zu wissen scheinen als man selbst.

Macht Nagelsmann den Heynckes?

Klar ist dennoch, dass das eine Fähigkeit ist, die es auf allerhöchstem Niveau braucht. Das mussten viele große Trainer lernen. Einer von ihnen ist Jupp Heynckes. Heute sehen ihn alle als sympathischen, eloquenten, fast väterlichen Trainergott, der den FC Bayern wieder groß gemacht hat.

Auf Schalke, in Gladbach oder in Frankfurt sahen das die Menschen einst anders. Der Ruf des Unterdrückers, der die Sprache der Spieler nicht spreche und sich selbst maßlos überschätzen würde, eilte ihm nach.

Doch Heynckes hatte vor allem in seiner späten Trainerzeit eine besondere Fähigkeit: Er konnte all das reflektieren, die richtigen Schlüsse ziehen und er umgab sich mit den richtigen Leuten. Wie Peter Hermann, der ihn in München hervorragend bei den Themen ergänzte, die ihm weniger lagen. Und auch Herrmann Gerland.

Heynckes legte in der öffentlichen Wahrnehmung eine bemerkenswerte Wende hin. Und vielleicht ist es das, was Nagelsmann jetzt auch braucht: Abstand zum Geschäft und der Wille, sich selbst und die Fehler der letzten Jahre zu reflektieren.

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Nagelsmann ist nicht verbrannt, aber ...

Natürlich werden die nächsten Wochen und Monate erstmal hart. Nicht wenige werden in ihm jetzt einen verbrannten Trainer sehen.

Aber die Wahrheit ist: Das ist er nicht. Nagelsmann ist fachlich ein herausragender Trainer. Das bestätigen viele, die mit ihm zusammengearbeitet haben und es zeigt sich auch in den vielen inhaltlich guten Analysen, die er rund um die Spiele anbietet. Nur fehlt offenbar irgendetwas, um diese Theorie in Praxis umzuwandeln.

Mit Hansi Flick gibt es übrigens einen weiteren Trainer, der bereits als verbrannt galt, nachdem er den DFB verlassen musste. Plötzlich waren seine Erfolge mit dem FC Bayern nur Glück und Zufall. Dann aber führte er den FC Barcelona zurück an die Spitze Spaniens und legte auch in der Champions League bemerkenswerte Auftritte hin.

Der Beweis, dass immer Glück eben Können ist. Während immer Pech wohl Unvermögen sein dürfte. Eine Erkenntnis, die vor allem der DFB mitnehmen sollte, wenn er sich erhofft, der nächste Trainer werde alle Probleme lösen. Nagelsmann hingegen ist jung genug, um weitere Chancen zu erhalten.

Ob ihm der Turnaround gelingt, wird vor allem auch davon abhängen, ob er herausfindet, warum ihm der Transfer von inhaltlicher Kompetenz nicht optimal zu gelingen scheint. Allzu viele Chancen wird es auf diesem Level wohl nicht mehr geben.

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