WM 2026
DFB-Team nach der WM 2026: Rettet die neue Generation für 2028 den deutschen Fußball?
Veröffentlicht:
von Justin Kraftran Fußball
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Videoclip • 02:29 Min
Beim DFB-Team drehen sich schon jetzt alle Gedanken darum, wie man die Mannschaft für die Zukunft ausrichten kann. Glücklicherweise sieht die sportliche Zukunft nicht ganz so düster aus, wie sie sich gerade anfühlt.
Sport ist schon magisch. Große Niederlagen fühlen sich an wie ein unendliches und irreparables Versagen. Wie ein Abgrund, den man vorerst nicht mehr verlassen kann. Und große Siege verleiten gern mal dazu, die Fehler zu ignorieren und selbstgefällig ins offene Messer des Scheiterns zu rennen.
Dazwischen? Gibt es gerade bei einer Fußball-Weltmeisterschaft nicht viel. Legendär ist Franz Beckenbauers Ansage nach dem Titelgewinn 1990, dass man auf Jahre hinaus unschlagbar sein würde – nur um dann zu erleben, wie der deutsche Fußball spätestens im Jahr 2000 komplett am Boden liegt.
Genauso unvergessen wird die aktuelle Ära des Fußballs in diesem Land bleiben. Auf den Weltmeistertitel 2014 folgte eine Zeit, in der man sich in Höhen wähnte, die den Fall nur umso schmerzhafter machten. Noch ein gutes Turnier sollte die deutsche Mannschaft spielen – die EM 2016. Dann folgte eine herbe Niederlage der nächsten. In historischem Ausmaß.
Eine ganze Generation an Spielern, die Mitte der 2010er Jahre noch große Hoffnungsträger waren, ist nun endgültig am Boden angekommen. Und das wiederum trübt ein wenig das Bild von einigen Hoffnungsschimmern, die es für die kommenden Jahre gibt. Traut sich Deutschland einen echten Umbruch, ist man vielleicht kein Turnierfavorit, aber zumindest wieder mit Potenzial ausgestattet, mehr zu sein als die Enttäuschung, die man zuletzt war.
Torhüter: Zeit für Jonas Urbig?
Das geht bereits im Tor los. Die Rückkehr von Manuel Neuer war auf vielen Ebenen unsinnig. Unabhängig davon, dass der einstige Welttorhüter von seinen Kritikerinnen und Kritikern manchmal etwas zu hart kritisiert und von denen, die es mit ihm halten, in zu hohe Sphären gehoben wird. Der Bayern-Keeper ist nur noch an wenigen Tagen sehr gut.
Ein Umbruch wäre hier früher sinnvoll gewesen. Nicht hin zum ebenfalls schon etwas in die Jahre gekommenen Oliver Baumann, sondern hin zu einem jungen Keeper. Mit Jonas Urbig haben die Deutschen hier einen hochtalentierten Torwart, der in seinem Profil alles mitbringt, was es für eine taktische Rolle in einem dominanten System mit viel Ballbesitz braucht.
Mit Noah Atubolu gibt es ein weiteres Talent – wenngleich seine Leistungen insgesamt zu unbeständig waren.
Abwehr: Ein Problem bleibt bestehen
Auch in der Abwehr gibt es Hoffnungsträger. Nathaniel Brown war bereits bei der WM dabei und konnte zeigen, dass er Qualität mitbringt. Der Noch-Frankfurter steht vor einem Wechsel zum FC Bayern, wo er sich dann auf höchstem Niveau beweisen und damit auch beim DFB-Team endgültig festspielen kann.
Nico Schlotterbeck und Jonathan Tah haben zumindest angedeutet, dass sie noch eine Zeit lang ein sehr gutes Duo sein können. In der deutschen U21 gibt es mit Finn Jeltsch ein aufstrebendes Talent vom VfB Stuttgart. Der Innenverteidiger bringt ein spannendes Profil sowohl in Ballbesitz als auch gegen den Ball mit und könnte zur kommenden EM bereits eine Option für den Kader sein.
Auch Malick Thiaw und Yann Aurel Bisseck sind gute Innenverteidiger. Akute Weltklasse ist hier in den kommenden ein, zwei Jahren wohl nicht zu erwarten, aber durchaus Spieler, mit denen sich erfolgreich arbeiten lässt. Das größte Problem bleibt die Rechtsverteidiger-Position.
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Zentrales Mittelfeld: Üppig besetzt
Die Sechs beziehungsweise Acht ist wohl die Position, auf der die Zukunft am rosigsten aussieht. Aleksandar Pavlovic hat ein schwaches Turnier gespielt, aber wer seine bisherige Karriere verfolgt hat, dürfte kaum daran zweifeln, dass er das Potenzial hat, im DFB-Team über viele Jahre eine prägende Rolle einzunehmen.
Von hinten drängen mit Tom Bischof oder Kenneth Eichhorn große Talente in den Fokus. Wie sich Angelo Stiller oder Felix Nmecha weiterentwickeln, bleibt abzuwarten. Spannend wird auch, wie mit Joshua Kimmich geplant wird. Aus der älteren Generation dürfte er weiterhin einer der wenigen sein, die ausreichend Rückhalt haben.
Offensives Mittelfeld: Endlich echte Flügelspieler?
Im zentralen offensiven Mittelfeld ist Deutschland ebenfalls üppig besetzt. Allen voran natürlich mit Florian Wirtz und Jamal Musiala. Beide spielten eine eher enttäuschende WM, wobei Wirtz noch einer der besseren Offensivspieler war. Bei beiden besteht aber berechtigte Hoffnung darauf, dass dieser Knoten bald wieder platzen kann.
Auch dahinter gibt es vielversprechende Talente, die allerdings im Normalfall keine Chance gegen "Wusiala" haben werden. Die kniffligste Frage wird eher sein, wie man die Flügel besetzt und ob es eine Möglichkeit gibt, Wirtz und Musiala gemeinsam im Zentrum wirbeln zu lassen, ohne dass sie sich gegenseitig auf den Füßen stehen oder einer auf dem Flügel verschenkt wird.
Auf jenen Außenbahnen sind Lennart Karl und Said El Mala aktuell die heißesten Kandidaten, um die enttäuschende Generation um Leroy Sane zu beerben. Beide sind schnell und bringen unterschiedliche Qualitäten mit. El Mala ist eher der physische, durchschlagskräftige Athlet, während Karl vor allem über Dribblings, Technik und Kombinationsspiel kommt.
Sturm: Es bleibt kompliziert
Und im Sturmzentrum? Zwischenzeitlich sah es so aus, als wäre man hier wieder optimal aufgestellt. Kai Havertz zeigte starke Leistungen für den FC Arsenal, Nick Woltemade war vor seinem Wechsel zu Newcastle United ein großer Hoffnungsträger und Deniz Undav hat vermutlich die beste Saison seines Lebens hinter sich.
Das Problem: Havertz kann diese Leistungen nur sehr unbeständig im DFB-Team abrufen, Woltemade hatte eine ganz schwache Saison in England und Undav ist trotz seiner Qualitäten eine Unbekannte, weil er seine Stärken gegen tief verteidigende Mannschaften nicht so einbringen kann – und eher in einem Zweiersturm zu Hause ist. Das ganz große Talent dahinter gibt es noch nicht, Nicolo Tresoldi muss sich erst noch auf höchstem Niveau beweisen. Auch hier bleiben also Fragezeichen.
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DFB-Team: Hoffnungsvoller Blick nach vorn
Und dennoch macht der Blick auf eine mögliche Startelf nur aus Talenten durchaus Hoffnung, dass es Potenzial für eine klare Leistungssteigerung bei der Europameisterschaft in zwei Jahren gibt.
Urbig, Tah, Schlotterbeck, Brown, Kimmich (Bischof), Pavlovic, Wirtz, Musiala, Karl (El Mala) – ein größtenteils junges Gerüst, das für frischen Wind sorgen kann. Wenn man sich traut, die eine oder andere etablierte Kraft auszutauschen.
Inwiefern dieses Gerüst dazu beitragen wird, einen klaren Aufbruch hinzubekommen, ist unklar. Vieles hängt davon ab, wer sich auf den Problempositionen rechts hinten, im Sturmzentrum und auf den offensiven Außenbahnen zeigen kann. Und wie sich die Spieler entwickeln, die bei dieser WM enttäuschend waren.
Es gibt aber zumindest Lichtblicke, die den Schatten des abermals blamablen Ausscheidens bei einem großen Turnier etwas heller erscheinen lassen. Wenngleich der Weg noch sehr weit bleibt.
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