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WM 2026: Nur Schiedsrichterglück? Warum Argentinien besser ist als sein Ruf

Veröffentlicht:

von Justin Kraft

ran Fußball

WM 2026: Mats Hummels rechnet mit „So-lala-Finalist“

Videoclip • 01:06 Min


Argentinien ist zumindest in Deutschland zum Antagonisten geworden – dabei haben sie mehr zu bieten, als ihr Ruf gerade hergibt.

Man kennt es: Da nimmt die Lieblingsserie ihr Ende und es fließen hemmungslos die Tränen. Der Protagonist scheint seine Geschichte beendet zu haben, aber er ging auf die heldenhafteste und beste Art und Weise, die man sich für ihn hätte vorstellen können.

Ein dramatisches Finale, in dem es gleichzeitig die Freude über all das gibt, was man mit dem Protagonisten erlebt hat, sowie auch die Trauer darüber, dass es nun vorbei ist und man ihn nie wieder in dieser Rolle erleben wird.

Dieser Protagonist ist Lionel Messi und sein Ende war eigentlich die WM 2022. Auf dem Fußballthron der Welt sitzend, so waren sich die meisten einig, würde er seine Karriere auf der allergrößten Bühne des Fußballs mit dem Pokal in den Händen beenden, der ihm noch fehlte.

Es war der prestigeträchtigste Pokal, den man im Fußball gewinnen kann. Gerade als der Bildschirm schwarz wird und man den Abspann der Serie erwartet, taucht der Protagonist aber wieder auf. Doch nicht das Ende. Doch nicht vorbei.

Nur scheint das "Danach" bei Messi umstrittener zu sein, der bedingungslose Jubel wird ihm nicht zuteil. Argentinien fliegen zumindest hierzulande nicht annähernd so viele Herzen zu wie noch 2022.

Während es der 39-Jährige abermals der gesamten Fußballwelt beweist, wird darüber diskutiert, wie glücklich seine Mannschaft im Halbfinale steht. Aber ist das so? Oder ist die Albiceleste deutlich besser als ihr Ruf?

Argentinien in der Kritik: Mehr Glück als Können?

Vielleicht hat man sich in Deutschland und anderen Ländern auch etwas sattgesehen an dieser Serie. Man hat all das schon mal erlebt. Gut möglich, dass die Geschichte der von 2022 zu sehr ähnelt, dass viele einfach Lust auf etwas Neues haben.

Und dann sind da die ganzen Debatten rund um die Schiedsrichterleistungen. Argentinien im Allgemeinen und Messi im Speziellen haben von so einigen streitbaren Situationen profitiert. Es hilft nicht, dass die Mannschaft von Lionel Scaloni keinen begeisternden Fußball zeigt, sondern gefühlt von Runde zu Runde stolpert.

Dabei hatten die Argentinier im Vergleich zu den anderen Halbfinalisten einen auf dem Papier sehr einfachen Weg. Im Sechzehntelfinale trafen sie auf Kap Verde, dann auf Ägypten und zuletzt auf die Schweiz. Alles Mannschaften, die auf ihre Art und Weise Respekt verdienen. Aber alle klare Außenseiter gegen den amtierenden Weltmeister.

Fans lieben Außenseiter-Geschichten und sie fühlen sich dieser nahezu beraubt, wenn es der Favorit immer wieder sehr knapp schafft, sich herauszuwinden. Messi hatte seine Heldengeschichte. Zeit für andere. So in etwa der Tenor.

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Argentinien überzeugt mehr, als man glaubt

Doch wird Argentinien hier nicht zumindest etwas Unrecht getan? Ja, ihr Weg bisher war auf dem Papier nicht besonders herausfordernd. Aber wie es ihnen gelang, den aufmüpfigen Underdog Kap Verde noch zu schlagen und ein 0:2 gegen Ägypten zu drehen, war auf eine eigene Art beeindruckend.

Die Mentalität, mit der diese Mannschaft keinen Meter des Spielfelds freiwillig aufgibt und immer an sich glaubt. Sie erinnert an jene Argentinier, die den WM-Pokal 2022 gewannen. Robust, zweikampfstark und in den meisten Spielphasen unfassbar kontrolliert.

Schön anzusehen ist das nicht, aber Tuchels Engländer werden mit diesem Bollwerk das eine oder andere Problem bekommen. Zwar kassierten sie bisher schon sechs Gegentore, aber laut "Fotmob" aus nur 3,4 erwarteten Gegentoren. Das ist der zweitbeste Wert aller Halbfinalisten nach Spanien (1,8).

Offensiv sind die Argentinier auch mehr als nur vermeintlich geschenkte Elfmeter. 2,8 Tore pro Partie sind der Bestwert bei diesem Turnier. 12,8 erwartete Tore sind nach Frankreich (14,3) ebenfalls ein Topwert. Messi hat es noch immer drauf. Das hat er in jedem Spiel dieser WM zeigen können.

Ein bisschen wie Real Madrid

Und seine Mannschaft hat sich zunehmend an ihn angepasst. So, wie der mehrmalige Weltfußballer auf dem Spielfeld manchmal minutenlang umherspaziert und dann aus dem Nichts den Turbo zündet, um das Spiel zu entscheiden, hat auch Argentinien als Team mittlerweile eine ähnliche Herangehensweise.

Es erinnert an Real Madrid Mitte der 2010er Jahre. Damals war der Tenor oftmals: Die haben viel Glück, nochmal werden sie die Champions League nicht gewinnen. Spoiler: Sie gewannen die Königsklasse zwischen 2016 und 2018 dreimal in Serie, nachdem sie sie 2014 bereits gewinnen konnten.

Mit ähnlichen Mitteln wie jetzt Argentinien: enormer individueller Klasse, einem herausragenden Offensivspieler unter vielen bereits sehr guten Spielern und einer abgezockten, manchmal fast schon überheblich wirkenden Spielweise.

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Lionel Messi: Plötzlich Antagonist

Anders als die Königlichen hat Argentinien nicht den besten Kader im Turnier. Aber er ist gut genug, um mit diesem Fußball erfolgreich zu sein. Beschränkt man das abermalige Erreichen eines Halbfinals auf VAR-Entscheidungen und Elfmeter, tut man der Albiceleste Unrecht.

Sie stehen genauso verdient unter den Top-4 wie England, Frankreich und Spanien. Sie zählen nach wie vor zu den besten Teams der Welt. Ein Fußball-Leckerbissen ist gegen die ebenfalls biederen Engländer wohl kaum zu erwarten. Aber das muss es auch nicht sein, um die Leistung der Argentinier anzuerkennen.

Sie haben vieles von dem, wovon die deutsche Nationalmannschaft und viele andere derzeit nur träumen können. Und darüber hinaus haben sie auch noch Messi. Den Protagonisten dieser Serie, der sich in den Augen vieler langsam zum Antagonisten dreht. Aus dieser Warte betrachtet, ist die Geschichte Argentiniens bei dieser WM ja vielleicht doch eine andere.

Diesmal sind sie die Nation, die viele nicht erneut mit dem Pokal sehen wollen. Eine Entwicklung, die 2022 noch nicht zwingend vorhersehbar war. Abseits der eigenen Tränen würde es bei einer Wiederholung des Erfolgs wohl diesmal wenige positive Emotionen von außerhalb geben.

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