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WM 2026 - Aachen-Geschäftsführer Rachid Azzouzi im ran-Interview: Klopp beim DFB? "Ein kleines Geschmäckle"

Veröffentlicht:

von Gianluca Fraccalvieri

ran Fußball

WM 2026: Wenige Highlights! Klopp und Müller analysieren den Schweizer Sieg

Videoclip • 07:52 Min


Marokko steht am Donnerstagabend (22 Uhr live auf Joyn) vor einem emotionalen Duell im WM-Viertelfinale gegen Frankreich. Im ran-Interview ordnet Alemannia Aachens Geschäftsführer Rachid Azzouzi die Chancen seines Heimatlandes ein, spricht über den Fit von Bayern-Neuzugang Ismael Saibari und erklärt, warum Jürgen Klopp beim DFB "ein kleines Geschmäckle" hätte.

1994 war Rachid Azzouzi für Marokko als Spieler bei der WM in den USA dabei, heute drückt er den "Atlaslöwen" aus der Ferne die Daumen.

In seiner Haupttätigkeit ist er aber Geschäftsführer beim Drittligisten Alemannia Aachen, weshalb er sich auch gut mit den Strukturen des deutschen Fußballs auskennt.

Im ran-Interview spricht er über die Chancen der Marokkaner im WM-Viertelfinale gegen die favorisierten Franzosen (ab 22 Uhr im kostenlosen Livestream auf Joyn), die Rolle von Shootingstar Ismael Saibari beim FC Bayern München und die Herausforderungen für den DFB beim Neuaufbau nach dem blamablen WM-Aus.

Rachid Azzouzi: Frankreich ist das schwerste Los der WM

ran: Die WM hat in den USA einen regelrechten Fußball-Boom ausgelöst. Sie selbst standen 1994 für Marokko bei der WM in den USA auf dem Platz. Was hat sich Ihrer Ansicht nach seitdem geändert?

Rachid Azzouzi: Damals sollte die WM ja im Grunde genommen auch für diesen Schub sorgen. Das hat aber leider im Anschluss nicht so funktioniert. Man sieht jetzt natürlich, dass es dort eine ganz andere Basis gibt. Immer mehr Kinder spielen jetzt Fußball, genau wie bei den Frauen. Da hat sich schon sehr viel getan. Gerade im Süden durch die Lateinamerikaner hat Fußball schon immer eine große Rolle gespielt. Maßgeblich sind aber die Professionalisierung der MLS und die Stars, die in die Liga gegangen sind, wie Lionel Messi.

ran: Das Duell zwischen Frankreich und Marokko ist insbesondere mit Blick auf die französische Kolonialgeschichte äußerst emotional. Was würde ein marokkanischer Sieg für Marokko, aber auch für den ganzen afrikanischen Kontinent bedeuten?

Azzouzi: Wir haben ja eigentlich ein gutes Verhältnis zu Frankreich, auch wenn es unsere Kolonialherren waren. Ich war sehr verwundert, aber positiv erstaunt, wie friedlich und wie toll die Stimmung 2022 im WM-Halbfinale in Katar war. Obwohl wir verloren haben, hat sich das marokkanische Volk von seiner besten Seite gezeigt. Und das wünsche ich mir natürlich auch für Donnerstag. Egal, wie es ausgeht. Die Hoffnung ist natürlich, dass es diesmal anders läuft, auch wenn ich zugeben muss: Wenn mich eine Mannschaft so richtig überzeugt hat bei dieser WM, ist es Frankreich. Das wird echt ein hartes Stück Arbeit. Ich glaube, alle anderen Länder, die jetzt noch im Turnier sind, egal ob England, Spanien oder auch Argentinien, wären meines Erachtens machbarer als Frankreich.

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WM 2026: Azzouzi rechnet Marokko Chancen gegen Frankreich zu

ran: Frankreich ist gerade in der Offensive die wahrscheinlich beste Nationalmannschaft der Welt. Worauf kommt es für Marokko an, um gegen Kylian Mbappe, Ousmane Dembele, Michael Olise und Co. bestehen zu können?

Azzouzi: Du bräuchtest die Defensive von Paraguay, aber die Offensive von Marokko. Wenn du zu viel aufmachst, dann bekommt Frankreich seine Räume, denn sie haben sauschnelle Spieler. Auf der anderen Seite, wenn du dich hinten reinstellst, sind trotzdem Spieler da, die das auflösen können. Es ist einfach so: Wenn man sich eine Mannschaft schnitzen könnte, dann wären es die Franzosen. Aber es ist halt nur ein Spiel. Und so gut wie die alle sind, an einem Tag ist es immer möglich, sie zu schlagen. Du musst gut verteidigen, selbst Nadelstiche setzen, immer wieder auch Ballbesitzphasen haben und dich nicht erdrücken lassen.

ran: Inwiefern hilft es Marokko, dass man mit Achraf Hakimi einen Spieler in seinen Reihen hat, der einen großen Teil der französischen Offensive von PSG im Detail kennt?

Azzouzi: Hakimi weiß ganz genau, was auf ihn zukommt, egal ob es Doue ist oder Barcola oder auf der anderen Seite dann Dembele – letztlich ist es wirklich komplett egal. Die kennen sich, die schätzen sich. Im Grunde genommen geht es darum, einfach einen sehr guten Tag zu erwischen und ihnen so ein bisschen die Lust zu nehmen. Und dann haben wir mittlerweile die Qualität, auch Frankreich in Bedrängnis zu bringen. Du darfst dich nicht darauf verlassen, nur auf Konter zu spielen, sondern du musst schon auch Phasen haben, wo du den Ball hast, wo du auch mal Frankreich reindrückst und wo du sie auch vor Probleme stellst. Sie sind ja auch nicht unverwundbar. Du wirst deine Möglichkeit bekommen und musst dann halt einfach konsequent sein.

ran: Ismael Saibari gehört mit seinen drei Toren bislang zu den großen Überraschungen des Turniers. Gegen Kanada musste er angeschlagen ausgewechselt werden. Wie schlimm wäre ein Ausfall Saibaris für Marokko?

Azzouzi: Für mich ist das keine Überraschung. Das ist ein guter Spieler und das hat er schon bei Olympia und vorher in den Nachwuchs-Nationalmannschaften gezeigt. Es war klar, dass er die nächsten Schritte gehen wird. Wenn er nicht spielt, wäre das natürlich ein Verlust, weil er einfach eine gewisse Komponente reinbringt, die wir so nicht haben. Er ist sehr robust, er ist torgefährlich und er ist einer, der tief geht, der eine sehr gute Schnelligkeit hat und vor dem Tor auch kaltschnäuzig ist.

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Rachid Azzouzi über Saibari: "Das, was Bayern braucht"

ran: Stichwort Saibari: Er wechselt jetzt für rund 55 Millionen Euro zum FC Bayern, wobei Vincent Kompany eine treibende Kraft gewesen sein soll. Was für einen Spieler bekommen die Münchner da und könnte er auch Teil eines Nachfolge-Plans sein, falls sich Michael Olise doch für einen Abgang entscheiden sollte?

Azzouzi: Punkt eins: Ich würde Olise nie verkaufen. Der ist schon bei einem der Top-Vereine in Europa. Das Zweite ist: Auf dem Niveau ist es einfach wichtig, dass du mehrere richtig gute Spieler hast. Du hast Musiala, du hast Diaz, du hast Karl, du hast Gnabry, du hast Olise – und da kommt Saibari dazu plus Kane. Das ist doch top. Du hast so viele Spieler und kannst dementsprechend dann auch immer wieder reagieren. Saibari kommt über die linke, über Diaz’ Seite. Er wird Bayerns Qualität noch weiter erhöhen, weil er einer ist, der sehr gerne in die Tiefe geht. Und ich glaube, das ist auch das, was Bayern braucht. Kane ist einer, der entgegenkommt und das Spiel machen möchte und selten einfach in die Tiefe arbeitet. Das kann ganz gut funktionieren.

ran: Von den afrikanischen Mannschaften haben es nur Marokko und Ägypten überhaupt ins Achtelfinale geschafft. Wie bewerten Sie das Abschneiden der AFCON-Teams?

Azzouzi: Durch diese Erhöhung der WM-Teilnehmerzahl war es einfach mal gerechtfertigt, mehr afrikanische Mannschaften mitzunehmen, und man hat ja auch gesehen, dass – bis auf ein Team – jede afrikanische Mannschaft den Sprung in die nächste Runde geschafft hat. Das ist schon mal ein Riesenerfolg für den afrikanischen Kontinent. Vor allem im Gegensatz zu den asiatischen Ländern hat Afrika gezeigt, dass es zu Recht mehr Startplätze hatte.

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WM 2026: Rachid Azzouzi kritisiert FIFA und sieht "Geschmäckle" bei Klopp

ran: Die Aufhebung der Sperre von Folarin Balogun sorgt aktuell für große Aufregung. US-Präsident Donald Trump hat zugegeben, Gianni Infantino um eine Überprüfung gebeten zu haben. Wie bewerten Sie den Fall? Kann der Skandal tatsächlich zum Fallstrick für Infantino werden oder sogar die FIFA sprengen?

Azzouzi: Das glaube ich nicht, aber man darf nicht wieder zur Tagesordnung übergehen. Auch wenn die USA ausgeschieden sind: Diese Entscheidung ist für mich wirklich skandalös und konterkariert im Grunde genommen alle Werte, die es im Fußball gibt. Das gab es noch nie, und es darf auch nicht sein, dass ein Regierungsvertreter den FIFA-Präsidenten anruft. Und letztlich gibt es ja auch keine klare Begründung, warum diese Rote Karte zurückgenommen worden ist. Ich unterstelle Balogun da gar keine Absicht, aber manchmal geht es halt im Fußball auch nicht um Absicht, sondern letztlich um den Treffer, der da passiert. Und das ist zwar sehr bitter für ihn, aber so ist halt nun mal die Regel. Da irgendwie zu intervenieren, nur weil es die USA sind oder weil dann irgendwelche mächtigen Leute in Hinterzimmern irgendwas entscheiden: Das ist eine Frechheit, ein absoluter Skandal. Wenn das unsere Welt für die Zukunft ist, dass der mit der größten Macht und dem meisten Geld letztlich entscheidet, wer gewinnt oder verliert, dann gute Nacht.

ran: Wenn wir schon beim WM-Abschneiden sind: Wie negativ war das Abschneiden der deutschen Mannschaft für den deutschen Fußball, und ist Jürgen Klopp der richtige Mann, um die DFB-Auswahl wieder auf Kurs zu führen?

Azzouzi: Ich kenne Jürgen lange persönlich und mag ihn sehr, das ist wirklich ein Top-Trainer. Er hat nachgewiesen, dass er eine große Expertise hat. Er ist einer, der die Mannschaft motivieren kann, der auch ein gesamtes Land mobilisieren kann. Mir hat aber nicht gefallen, was während der WM passiert ist und was er da gesagt hat. Ich glaube allerdings nicht, dass das böse gemeint war, das war so ein flapsiger Spruch - aber das macht man nicht. Deswegen hat das für mich so ein kleines Geschmäckle. Er wäre aber zweifellos eine Bereicherung für den DFB, gar keine Frage, aber das allein reicht nicht.

ran: Sondern?

Azzouzi: Da wird viel passieren müssen beim DFB, in der DFL und auch in der Nachwuchsförderung. Gerade im Nachwuchsbereich wird zu viel aufs Ergebnis geschaut. Gerade Trainer im Nachwuchsbereich, die den nächsten Schritt gehen wollen, achten eher darauf, zu gewinnen, damit sie selbst besser dastehen, anstatt zu schauen, wie sie die einzelnen Spieler besser machen. Ich glaube, da wird viel zu wenig Wert draufgelegt. Was sich aber auch ändern muss, ist die Kultur innerhalb der Nationalmannschaft. Ich glaube einfach, ohne jetzt allen zu nahetreten zu wollen, dass es einfach wieder mehr um die Stärkung der Gemeinschaft gehen muss. Es geht um die Spieler und nicht um die 87 Leute drumherum oder die gesamten Frauen, Freundinnen oder wer da sonst noch auftaucht in den Hotels.

ran: Zu guter Letzt: Wer wird Weltmeister?

Azzouzi: Frankreich, wenn sie gegen Marokko gewinnen. Wenn Marokko weiterkommt, dann Marokko oder Argentinien.

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