Die wichtigsten Fragen und Antworten
WM 2026 - Balogun nicht gesperrt: FIFA beruft sich auf Artikel 27 - warum dieser so brisant ist
Aktualisiert:
von ran/SIDran Fußball
WM 2026: "Nur noch Mafia" - Fans entsetzt nach Balogun-Entscheidung
Videoclip • 01:41 Min
Der WM-Skandal um die zurückgenommene Sperre von US-Stürmer Folarin Balogun wird immer größer. ran beantwortet die wichtigsten Fragen.
Dieser WM-Skandal wird größer und größer.
Die einkassierte Sperre nach der Roten Karte gegen US-Stürmer Folarin Balogun zieht immer weitere Kreise. Denn mit der Entscheidung verstößt die FIFA gegen ihre eigene WM-Verordnung.
Was bedeutet die Entscheidung? Welche Konsequenzen ergeben sich? Und was macht Achtelfinal-Gegner Belgien?
ran beantwortet die wichtigsten Fragen zu der Thematik.
Die nächsten Livestreams auf Joyn
Bald verfügbarHeute, 20:15 Uhr • Fussball
WM 2026 live: Portugal - Spanien im Stream
195 Min
Bald verfügbarHeute, 20:15 Uhr • Fussball
WM 2026 live: Portugal - Spanien im Stream
195 Min
Rote Karte vs. Balogun: Was ist im Spiel vorgefallen?
Im WM-Sechzehntelfinale der USA gegen Bosnien-Herzegowina, welches der Gastgeber mit 2:0 für sich entscheiden konnte, hatte Balogun in einem Zweikampf seinen Gegenspieler Tarik Muharemovic zwar unabsichtlich, aber überaus brutal am Knöchel getroffen.
Nach Intervention des VAR sah sich Schiedsrichter Raphael Claus die Szene am Monitor an und entschied auf Platzverweis.
"Für mich ist das niemals eine Rote Karte. Das war niemals Absicht", sagte US-Coach Mauricio Pochettino im Anschluss.
FIFA beruft sich auf Artikel 27: Was besagt dieser?
Der Fußballweltverband berief sich dabei auf Artikel 27 des Disziplinarreglements. Dieser gibt den zuständigen Rechtsorganen die Möglichkeit, eine Sperre ganz oder teilweise zur Bewährung auszusetzen. Die Strafe bleibt dabei grundsätzlich bestehen, muss zunächst aber nicht verbüßt werden. Gleichzeitig wird eine Bewährungszeit von einem bis vier Jahren festgelegt. Begeht der Betroffene in diesem Zeitraum ein vergleichbares Vergehen von ähnlicher Schwere, kann die ausgesetzte Sanktion zusätzlich zu einer neuen Strafe vollstreckt werden.
Brisant ist allerdings, dass Artikel 27 selbst keine konkreten Voraussetzungen nennt, unter denen eine solche Aussetzung zulässig oder angebracht ist. Zugleich steht die Entscheidung zumindest in einem Spannungsverhältnis zu anderen Vorschriften des FIFA-Regelwerks.
Artikel 66.4 im Disziplinarkatalog der FIFA ist eigentlich eindeutig: Eine Rote Karte zieht automatisch eine Sperre von einem Spiel nach sich. Ein Einspruch dagegen ist nicht möglich.
Hinzu kommt, dass Tatsachenentscheidungen des Schiedsrichters grundsätzlich endgültig sind und von den FIFA-Rechtsorganen nicht nachträglich neu bewertet werden dürfen.
179 Platzverweise hatte es zuvor in der WM-Geschichte gegeben, bei allen 179 passierte in der Folge dasselbe.
Beim 180. Platzverweis gab es nun aber eine Änderung. Am Sonntag wurde bekannt, dass die FIFA die Sperre von Balogun auf Bewährung ausgesetzt hat. Ein nie dagewesener Vorgang.
Was hat Donald Trump mit der Angelegenheit zu tun?
Laut "The Athletic", "CNN" und der Nachrichtenagentur "AP" soll der US-Präsident persönlich bei der FIFA angerufen haben, um Präsident Gianni Infantino davon zu überzeugen, die Rote Karte noch einmal zu überprüfen.
Den Berichten zufolge bestätigten dies gleich mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen. Demnach soll Trump dem Referee im Gespräch mit Infantino unter anderem Spielmanipulation vorgeworfen haben
Trump feierte nach der Bekanntgabe der Entscheidung auf seiner Plattform "Truth Social": "Vielen Dank an die FIFA, dass sie das Richtige getan und eine große Ungerechtigkeit korrigiert hat!"
Wie reagierte die US-Regierung?
Gegenüber der "New York Post" gab ein US-Sprecher zu Protokoll: "Der Präsident und Infantino haben miteinander gesprochen, und der Präsident wollte besser verstehen, warum eine Rote Karte gezeigt wurde und warum es zu einer Sperre kam."
So habe die US-Regierung eingegriffen und "zusätzliche Beweismittel" vorgelegt, die im entsprechenden Berufungsverfahren verwendet wurden.
Mehr Fußball-Videos

ran Fußball
WM 2026: Norwegen schlägt Mexiko, besondere Grüße sorgen für Aufsehen
Videoclip • 01:10 Min

ran Fußball
WM 2026: Geldbeutel weg: Argentinische Fans helfen mit Fangesängen bei der Suche
Videoclip • 01:22 Min

ran Fußball
WM 2026: Tuchel im siebten Himmel nach Sieg gegen Mexiko
Videoclip • 01:13 Min
Warum verstößt die Fifa gegen ihre eigene WM-Verordnung?
Vor Beginn der Endrunde, genauer gesagt am 12. Mai, versendete die FIFA an alle teilnehmenden Länder die entsprechenden WM-Regularien in einem Rundschreiben (Circular).
Unter Artikel 10.5 hieß es dabei, dass eine Rote Karte automatisch ein Spiel Sperre zur Folge hat.
Wie reagiert Belgien?
In der Nacht von Montag auf Dienstag deutscher Zeit trifft Belgien im Achtelfinale auf die USA. Nach der aufgehobenen Sperre steht nun auch Balogun wieder zur Verfügung.
Das belgische Team reagierte mit "Erstaunen" auf die Entscheidung, wie es in einem Statement am Sonntag hieß. In ihrer Erklärung beriefen sich die Belgier auf das Rundschreiben der FIFA aus dem Mai.
"Der automatische Charakter einer solchen Sperre wurde außerdem ausdrücklich im World Cup 2026 Circular No. 16 bekräftigt, das am 12. Mai 2026 an alle teilnehmenden Mitgliedsverbände verteilt wurde. Dieselbe Regel wird zudem vor jedem Spiel sowie in sämtlichen WM-2026-Workshop-Präsentationen wiederholt."
Und weiter: Um die legitimen Rechte aller teilnehmenden Mannschaften zu wahren und die Grundprinzipien des Fair Plays" zu schützen, prüfe der Verband denach alle Optionen.
Balogun: Welche Chancen hat Belgien mit seiner Berufung?
Nach Informationen des US-Portals "The Athletic" bekam Belgiens Fußballverband RBFA vom Weltverband FIFA das Recht auf Berufung eingeräumt. Der belgische Verband schrieb in seinem Statement, man sei "fassungslos" über die Entscheidung der FIFA. Danach folgt eine ausführliche Argumentation mit verweis auf Artikel 27 und dessen Widersprüchlichkeit mit anderen Vorschriften im FIFA-Regelement (siehe Eintrag oben: "FIFA beruft sich auf Artikel 27: Was besagt dieser?". Man werde den Fall und weitere rechtliche Optionen prüfen.
Ein Mitglied des FIFA-Berufungsausschusses könnte den Fall verhandeln. Die Zeit drängt, eine Entscheidung müsste noch vor dem Achtelfinale der USA gegen Belgien (Dienstag, 2.00 Uhr MESZ) fallen. Laut "The Athletic" bekam Belgien von der FIFA allerdings nicht garantiert, dass es tatsächlich zu einer Verhandlung kommt. Es erscheint deshalb unklar, ob der Einspruch lediglich formaler Natur ist oder ob er eine echte Chance auf Erfolg hat.
Was ist mit Infantino?
Der FIFA-Chef steht wegen seiner engen Beziehung zu Trump ohnehin in der Kritik. Nach der Vergabe eines neuen FIFA-Friedenspreises an den US-Präsidenten reichte FairSquare eine Beschwerde bei der Ethikkommission des Weltverbandes ein.
Nun hat Infantino die Politik womöglich von den Rängen auf das Spielfeld geholt. Entsprechend groß ist der Widerspruch vor allem aus Europa.
Die UEFA sprach in einem offziellen Statement von der Überschreitung einer "roten Linie": "Wir bringen unser Unverständnis über eine derart beispiellose, unbegreifliche und nicht zu rechtfertigende Entscheidung zum Ausdruck. Manchmal lassen Regeln Interpretationsspielräume zu. In diesem Fall nicht."
Der europäische Verband fürchtet fatale Folgen. "Wenn die Verlässlichkeit der Regeln von ihren Hütern nicht mehr garantiert wird, steht die Integrität des Spiels auf dem Spiel und die Glaubwürdigkeit eines Wettbewerbs wird untergraben", schrieb die UEFA: "Gleichzeitig schafft eine solche Entscheidung einen Präzedenzfall in einem laufenden Turnier, in dem nun vergleichbare Fälle gleich behandelt werden müssen – zum Schaden des Wettbewerbs."
Gab es schon ähnliche Fälle?
Dass Sperren nachträglich ohne jede Begründung auf Bewährung ausgesetzt werden, kommt extrem selten vor. Ein Profiteur war Cristiano Ronaldo, der im November bei einem WM-Qualifikationsspiel gegen Irland nach einem Ellbogenschlag gegen Dara O'Shea vom Platz gestellt worden war.
Ronaldo wurde von der FIFA zunächst für drei Spiele gesperrt, musste aber nur das erste absitzen - das anschließende Quali-Duell gegen Armenien. Die Sperre für die beiden weiteren Spiele wurden "auf Bewährung" ausgesetzt. Ronaldo konnte damit bei der WM von Beginn an eingesetzt werden.
Der Unterschied zu Balogun: Die Sperre für das erste Spiel zählte. Und: Eine Einmischung von höchster politischer Stelle, wie sie in der "Causa Balogun" stattgefunden hat, gab es bei Ronaldo nicht.
Wie fallen die Reaktionen aus?
International sorgte die Entscheidung der Fifa für Entsetzen bei der Presse. Aber auch viele Fußballvertreter äußerten ihr Unverständnis.
England-Coach Thomas Tuchel erklärte, es sei zwar seiner Meinung nach keine Rote Karte gewesen, aber "drei Leute vom VAR und der Referee haben es gecheckt und hatten die Meinung, dass es eine Rote Karte war. Es wurde also eine Entscheidung getroffen".
Und weiter: "Wer kippt diese Entscheidung dann - und wann? Und auf welcher Grundlage? Wie weit geht das jetzt? Es ist einfach seltsam für mich. Wir wollen einfach Konsistenz in den Entscheidungen haben."
Auch DFB-Prääsident Bernd Neuendorf reagierte: "Die FIFA sollte sich jetzt rasch zu Berichten erklären, wonach der Entscheidung zur Aussetzung der Roten Karte gegen den amerikanischen Spieler Folarin Balogun ein Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino vorausgegangen sein soll", sagte er in einer Stellungnahme.
"Der Eindruck, dass es hier eine aktive Einflussnahme der Politik auf den Sport gegeben hat, muss zügig und schlüssig ausgeräumt werden. Es geht um die Integrität des Wettbewerbs und die Glaubwürdigkeit der FIFA."
TV-Experte und Ex-Liverpool-Coach Jürgen Klopp zeigte sich derweil fassungslos. "Wenn es tatsächlich so war, dass Trump und Infantino das miteinander ausgemacht haben, dann ist das verrückt", konstatierte er bei MagentaTV. "Man muss einmal ganz kurz sagen: ‚Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel!’"
Und weiter: "Diese beiden Menschen, die beide keine Ahnung von Fußball haben, sollten gar nichts damit zu tun haben.“
Was sind die Folgen?
Die FIFA hat einen Präzedenzfall geschaffen. Rote Karten, die eine Sperre von einem Spiel nach sich ziehen, drohen auch in Zukunft zurückgenommen zu werden. "Die Regeln wurden eindeutig in einer Weise gebrochen, die den politischen Interessen des US-Präsidenten zugutekommt", sagte Nicholas McGeehan von der Organisation FairSquare dem "SID".
"Wenn das Gastgeberland seinen politischen Einfluss auf den FIFA-Präsidenten genutzt hat, um einen unfairen Vorteil zu erschaffen, wäre das ein skandalöser Verstoß gegen die Regeln und eine Manipulation des Wettbewerbs." Er fordert, dass Verbände und Politiker Antworten von der FIFA einholen sollten.
Noch deutlicher wurde derweil Hans E. Lorenz. Der langjährige Vorsitzende des DFB-Sportgerichts, der noch bis vor vier Wochen für die Fifa als Mediator tätig war, sagte dem "kicker", es sei ein "Geschenk", bei einem derartigen Foul - auch wenn keine Verletzungsabsicht involviert war - nur eine Ein-Spiel-Sperre zu bekommen.
"Dies nun auszusetzen, ist ein Skandal. Das ist ein fatales Signal für die Sportgerichtsbarkeit in aller Welt. Jeder gesperrte Spieler und sein Verein werden sich in Zukunft auf diese Entscheidung berufen. Es wird größter Anstrengungen bedürfen, um diese Entwicklung einzufangen."
Und weiter: "Die FIFA droht allen Verbänden seit Jahrzehnten mit Sanktionen, sollten sie das Prinzip der Mindestsperre von einem Spiel missachten. In der Bundesliga hätte Balogun wohl drei Spiele bekommen wegen rohen Spiels, dann hätte man über eine Reduzierung auf zwei diskutieren können. Aber so ist das nun wirklich skandalös.“
Mehr Fußball-News

WM
"Rote Linie überschritten" - Reaktionen zum WM-Skandal

WM
Jürgen Klopp neuer Bundestrainer? Entscheidung offenbar gefallen

USA-Stürmer Balogun nicht mehr gesperrt
"Fatales Signal der FIFA": Pressestimmen zur Causa Balogun

Bundesliga
Nach WM-Aus: Operation bei Bayern-Star

WM
Presse: "Eines der besten WM-Spiele aller Zeiten"

WM 2026
UEFA kritisiert FIFA: "Beispiellos und nicht zu rechtfertigen"
















