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Handball: Bundestrainer stellt Deutschlands Status als Sportnation in Frage
Frauenhandball-Bundestrainer Markus Gaugisch
Bild: IMAGO/SID/Marco Wolf
Ein Jahr vor dem Start der Handball-WM in Deutschland kritisiert der Frauenhandball-Bundestrainer die Sport-Infrastruktur im Land.
Frauenhandball-Bundestrainer Markus Gaugisch hat Deutschlands Status als Sportnation infrage gestellt. Der 50-Jährige äußerte sich in einem Interview kritisch zur gesellschaftlichen Bedeutung des Sports hierzulande und zur strukturellen Entwicklung insbesondere im Frauenbereich.
"Wir könnten uns sogar fragen, ob Deutschland überhaupt noch eine Sportnation ist", sagte Gaugisch dem Mannheimer Morgen: "In Dänemark treiben 75 Prozent der Bevölkerung aktiv Sport, in Deutschland sind es 25 Prozent. Wenn ich dann noch sehe, wie die öffentlichen Sportstätten in Deutschland zugänglich sind, stimmt mich das nachdenklich."
Handball: Zu strenge Restriktionen
Dabei meint der Handballcoach, der die DHB-Frauen im Dezember zu Silber bei der Heim-WM geführt hat, nicht die Sporthallensituation per se. Stattdessen solle man sich die Schulhöfe mit einem Basketballkorb anschauen: "Da hängt nicht selten ein Schild: Ab 17.30 Uhr darf nicht mehr Basketball gespielt werden, weil sich Leute aus der Umgebung dadurch von spielenden Kindern gestört fühlen", erklärt Gaugisch.
Und weiter: "Wir haben viel zu strenge Restriktionen und müssen uns dann auch nicht wundern, wenn weniger Kinder Sport treiben. Wir titulieren uns gerne als Sportnation, aber den Sport wirklich leben – das machen wir in Deutschland nicht mehr. Deswegen sind wir auch keine richtige Sportnation mehr."
Gaugisch: "Gesellschaftliche Anerkennung fehlt"
Zudem fehlt es Gaugisch grundsätzlich an gesellschaftlicher Anerkennung für den Sport. "Als Profisportlerin oder Profisportler genießt man in Deutschland ganz sicher nicht die Wertschätzung wie in anderen Ländern", so der DHB-Coach.
Und weiter: "'Lern lieber was Gescheites', wird bei uns gerne gesagt. Auch den Beruf Trainer gibt es nicht. Wenn ich irgendwo hingehe, wo man mich nicht kennt, und ich sage, dass ich als Handball-Trainer arbeite, dann fragen mich alle: 'Und was machst du sonst?' Das zeigt ganz gut, welchen Stellenwert der Sport in Deutschland einnimmt und wie es in der täglichen Praxis aussieht. Zwischen der Realität und dem, wie wir uns als Nation und Gesellschaft gerne sehen beim Thema Sport, gibt es eine große Lücke."
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