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Formel 1: Gewinner und Verlierer der ersten Saisonhälfte - Ein Teenagedream und ein gescheitertes Regelwerk

Veröffentlicht:

von Anne Malin

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Formel 1 - Fans rechnen mit Ferrari ab: "WM selbst verspielt"

Videoclip • 01:54 Min


Die Formel 1 verabschiedet sich nach dem Großen Preis von Ungarn in die Sommerpause. ran zeigt die Gewinner und Verlierer der ersten Saisonhälfte.

Ein Teenager an der WM-Spitze, zwei Rennausfälle und ein zurückgetretener Teamchef, der seit einem Vierteljahr auf einen Nachfolger wartet. Dazu kommt ein neues Reglement, das für Chaos sorgt und unerwartete Akteure zurück auf die Bühne bringt.

Die erste Hälfte der Formel-1-Saison hat einige interessante Geschichten hervorgebracht. ran zeigt die Gewinner und verliere der ersten elf Rennen nach dem neuen Regelwerk.

Gewinner: Kimi Antonelli

Jüngster WM-Leader, jüngster Pole-Sitter, jüngster Sieger von einer Poleposition, jüngster Hattrick-Halter und so weiter und so fort. Kimi Antonelli fährt zweifelslos eine sensationelle Saison. Nach seinen sechs Siegen, fünf davon in Folge, ist es kaum zu glauben, dass es erst die zweite Formel-1-Saison des Italieners ist.

Natürlich ist der Mercedes das schnellste Auto auf der Strecke, aber seinen eindeutig erfahreneren Teamkollegen George Russell lässt der 19-Jährige regelmäßig alt aussehen. Über lange Strecken fuhr Antonelli dieses Jahr in seiner eigenen Liga.

Und selbst als er in Silverstone mit technischen Problemen zu kämpfen hatte, bewies er eine Kämpfer-Mentalität und fuhr das Rennen in einem defekten Wagen zu Ende, nur weil er noch um einen Punkt kämpfen konnte. "Egal, ob eine Session gut oder schlecht läuft: Bei Kimi sieht man da keinen Unterschied im Briefing. Es ist völlig kalkuliert. Was ist das Problem? Wie können wir es lösen?", lobte auch Teamchef Toto Wolff den Teenager. Nach der Hälfte der Saison führt er die WM-Tabelle mit 50 Punkten Vorsprung an.

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Gewinner: Scuderia Ferrari

Während die Scuderia sich letzte Saison mit dem vierten Rang in der Konstrukteurswertung zufriedengeben musste, ist das Team von Fred Vasseur dieses Jahr auf dem Vormarsch. Schon bei Tests vor Saisonbeginn begeisterte der italienische Rennstall mit dem neuentwickelten "Macarena"-Heckflügel. Und der Bau des SF-26 scheint insgesamt gut verlaufen zu sein: Lewis Hamilton und Charles Leclerc konnten beide je einen Sieg einfahren und Hamilton befindet sich dazu auf Rang zwei der WM-Wertung.

Die Strategie-Fehltritte, für die Ferrari in den letzten Jahren regelrecht bekannt war, konnten zwar noch nicht ganz ausgemerzt werden, aber das Problem ist eindeutig besser geworden.

"Ich bin extrem stolz auf jeden im Team. Ich bin sehr dankbar für das, was wir als Team entwickelt haben, wie sich die Puzzleteile bewegt und gefügt haben", lobte Lewis Hamilton noch vor dem Ungarn-GP. Dort zeigte sich die Scuderia zwar nicht von ihrer besten Seite, doch insgesamt hat das Team definitiv von dem neuen Reglement profitiert.

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Gewinner: Isack Hadjar

Zwar befand sich Red Bull vor allem zu Beginn der Saison in einem Leistungstief, doch Isack Hadjar konnte konstant mit guten Leistungen in seinem ersten Jahr überzeugen.

Dabei wird in der Formel-1-Welt gerne gescherzt, dass der zweite Red-Bull-Sitz verflucht sei. Vergangenes Jahr war Liam Lawson nach nur zwei Rennen aus dem Team geflogen und durch Yuki Tsunoda ersetzt worden, der das Team ebenfalls am Ende der Saison verlassen musste. Damit wurde Hadjar zu Verstappens achtem Teamkollegen befördert.
Die Wahrheit wird zwar eher sein, dass die Boliden von Red Bull einfach auf Max Verstappens speziellen Fahrstil eingestellt sind, trotzdem zeigt sich Hadjar bis dato resistent gegen den angeblichen Fluch.

Seit seinem Aus in Miami fährt der Franzose immer in den Top Ten mit und legte in Belgien eine unglaubliche Aufholjagd nach einer 30-Platz-Startstrafe hin. Der 21-Jährige kämpfte sich von Platz 21 auf Platz sechs vor. Er hat jetzt schon mehr Punkte auf dem Konto als Vorgänger Tsunoda am Ende der 2025er-Saison hatte.

Gewinner: Racing Bulls

Das Nachwuchsteam von Red Bull ging dieses Jahr mit dem Rookie Arvid Lindblad und dem demontierten Liam Lawson an den Start. Dieses Lineup hätte durchaus ein Rezept für Chaos sein können.

Doch die Racing Bulls überzeugen konstant. Nach elf Rennen sind sie mit 66 Punkten auf Platz fünf der WM-Wertung definitiv "the best of the rest". Beide Fahrer kämpfen konstant um Platzierungen in den Top Ten und zwischenzeitlich war das Team von Alan Permane, der erst Mitte letzten Jahres den beförderten Laurent Mekies ersetzte, nur zwei Punkte hinter dem Schwester-Team Red Bull Racing.

Das Team hat schon nach der Hälfte der Rennen die zweithöchste Punktzahl seit der Red-Bull-Übernahme in 2005 und ist auf Kurs, den Rekord von 92 Punkten, der vergangenes Jahr aufgestellt wurde, zu brechen.

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Verlierer: Aston Martin

Es wirkt mittlerweile fast redundant, noch weiter auf Aston Martin rumzuhacken. Aber diese Saison ist bei dem englischen Rennstall einfach so gut wie alles schiefgegangen.

Bei den ersten Tests in Bahrain wurde klar, dass der neue Honda-Motor zu so starken Vibrationen führte, dass der AMR26 praktisch unfahrbar war. In Australien und China sah kein Rennwagen die Ziellinie. Erst beim dritten Saisonrennen konnte Fernando Alonso überhaupt ein Rennen beenden. Darauf folgen bis zur Sommerpause sechs weitere DNFs und nur ein einziger Punkt, den Alonso im Fürstentum eher aus Rennglück heraus einfahren konnte.
Dazu trat Adrian Newey bereits früh in der Saison von seiner Position als Teamchef zurück, doch seit März wurde kein Nachfolger gefunden und Newey verbleibt dementsprechend weiter der de-facto Teamchef.

Anscheinend war der ehemalige Audi-Boss Jonathan Wheatley, der kurz nach Neweys Rücktritt ebenfalls sein Amt niederlegte, als Nachfolger vorgesehen, doch wie lange sein "Gardening leave" noch andauert, ist ungewiss. Die in der Formel 1 übliche Sperrzeit, in der Teamverantwortliche in keinem neuen Rennstall arbeiten dürfen, soll verhindern, dass sensiblen Daten des früheren Teams weitergeben werden können.

Aston Martin ist dieses Jahr wahrhaft eine Chronik des Scheiterns.

Verlierer: Williams Racing

Das Momentum aus der guten 2025er-Saison scheint bei Williams endgültig verloren zu sein. Das Traditionsteam hat nach elf Rennen nur elf Punkte auf dem Konto.

"Ehrlich gesagt ist es frustrierend, weil ich das Auto kaum richtig fahren kann", erklärte Williams-Pilot Alex Albon nach dem Großen Preis von Ungarn. Er bezweifelt zudem, dass die Probleme des FW48 bis Baku gelöst sein werden. "Ein großer Teil unserer Arbeit fließt inzwischen bereits in das Auto für das nächste Jahr", fügte der Thailänder hinzu. Das macht nicht wirklich Hoffnung für den Rest der Saison.

Es scheint, als könnte sich das Team von James Vowles immer noch nicht von dem schlechten Saisonstart rehabilitieren. Der Williams fiel durch den verpflichtenden Crash-Test und die kurzfristigen Nachbesserungen führten dazu, dass die Boliden mit über 50 Kilogramm zu viel auf die Strecke gingen.

Verlierer: George Russell

Ähnlich wie sein ehemaliges Team kann auch George Russell nicht an den Erfolg des Vorjahres anknüpfen. Als erfahrener Pilot im besten Auto sollte er zumindest um die WM mitkämpfen. Doch eine Mischung aus technischen Fehlern des Autos und schlechten Leistungen des Briten führt dazu, dass er zur Sommerpause 59 Punkte Rückstand auf WM-Leader und Teamkollegen Antonelli hat.

"Ich bin inzwischen über den Punkt der Enttäuschung hinaus", erklärte der 28-Jährige nach dem Grand Prix am Hungaroring: "Es fühlt sich einfach so an, als würde es mich deutlich häufiger treffen als andere."
Und während Russell Punkte liegen ließ, fuhren sich andere Piloten warm. Sollte der WM-Kampf zwischen Antonelli und Hamilton eng werden, könnte Russell bald der Gefahr ausgesetzt sein, dass sein Teenager-Teamkollege ihm bei wichtigen Entscheidungen vorgezogen wird.

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Verlierer: Die FIA

Das neue Regelwerk, das ein ungefähres 50:50-Verhältnis von Verbrennungsmotor und elektronischem Antrieb vorsieht, ist der FIA ordentlich um die Ohren geflogen. Kritik gab es von den Fans an fast jeder Stelle: Die Fahrer hätten nicht mehr genug Autonomie im Rennwagen, die Boliden seien insgesamt langsamer, durch den Battery-Power-Modus würde es ständig zum Jo-Jo-Racing kommen und natürlich das Schlimmste: Die Autos klingen nicht mehr so gut wie früher.

Dazu kamen die Rennausfälle im Nahen Osten. Aufgrund der anhaltenden bewaffneten Spannungen auf der Arabischen Halbinsel mussten zwei Rennen abgesagt werden. Hier kassiert die FIA die Quittung für die Vergabe von Rennen in Regionen, in denen seit langer Zeit ein politisch instabiles Klima herrscht und im Falle Saudi-Arabiens auch selbst bewaffnete Konflikte gestartet werden.

Und es geht noch weiter: Mit der nachträglichen Rücknahme der Gasly-Strafe in Monaco hat die FIA dazu noch einen Präzedenzfall geschaffen, dass Strafen einfach ignoriert werden können und später in monatelangen Gerichtsprozessen einfach angefochten werden können.

Darüber hinaus wurde nebenbei die Begrenzung für die Amtszeit des FIA-Präsidenten abgeschafft. Als Nächstes steht dann wohl die Altersbegrenzung an, damit der 64-jährige Mohammed bin Sulayem auch weiter seine Machtposition innerhalb des Verbandes wahren kann. Die Aufzählung könnte noch weitergehen, aber es hierbei zu belassen, reicht auch, um darzustellen, dass die FIA und damit früher oder später auch die Fans wohl die größten Verlierer sind.

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