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Tennis

Alexander Zverev ist nun auf Augenhöhe mit Boris Becker - ein Kommentar

Veröffentlicht:

von Oliver Jensen

SAT.1-Frühstücksfernsehen

Ist Zverev unsere Nummer eins?

Videoclip • 03:51 Min • Ab 12


Boris Becker ist eine Legende und hat die Menschen mehr fasziniert als Alexander Zverev es jemals könnte, sportlich allerdings sind beide auf Augenhöhe einzuordnen. Ein Kommentar.

Es ist offiziell: Alexander Zverev ist der beste Tennisspieler der Welt.

Am kommenden Montag wird der Hamburger erstmals in seiner Karriere als Nummer eins der Tennis-Weltrangliste geführt. Der 29-Jährige ist erst der zweite Deutsche, der im Herren-Tennis Platz 1 erklimmt. Boris Becker gelang dies vor gut 35 Jahren - im Januar 1991.

Boris Becker machte Tennis in Deutschland populär

Becker ist und bleibt eine Ikone dieses Sports. Gemeinsam mit Steffi Graf machte er Tennis in Deutschland so populär, dass zeitweise sogar "König Fußball" um den Status als Sportart Nummer 1 fürchten musste. Er hat die Menschen begeistert und fasziniert.

Er selber hat es nie gemocht, als "Bobbele" bezeichnet zu werden. Doch die Deutschen taten es, weil sie sich ihm so verbunden fühlten. "Ganz Deutschland hat ihn adoptiert", sagte sein früherer Manager Ion Tiriac einmal.

Diese tiefe innere Verbundenheit wird Zverev vermutlich nie erreichen. Er kommt in Interviews etwas kühler und distanzierter rüber. Zudem saß bei Becker die gesamte Nation vor dem Fernseher. Die Alternativangebote waren auch begrenzt. Es gab nur wenig Fernsehsender und noch längst keine Streamer wie heute.

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Zverev spielte bessere Saison als Becker

Der Prominenten-Status von Zverev und Becker lässt sich nicht vergleichen, weil sie in komplett unterschiedlichen Zeiten gespielt haben. Sportlich allerdings ist ein Vergleich legitim. Zieht man das aktuelle Jahr heran, ist Zverev teilweise sogar höher als Becker einzustufen.

Die Fakten: Zverev hat 2026 mit den French Open und den US Open zwei Grand-Slam-Turniere gewonnen, stand zudem im Finale von Wimbledon und Anfang des Jahres im Halbfinale der Australian Open.

Eine solche Saison hat Becker nie gespielt. Sein bestes Jahr hatte er 1989, als er mit Wimbledon und US Open ebenfalls zwei Grand-Slam-Turniere gewann, zudem im Halbfinale der French Open und im Achtelfinale der Australian Open stand.

In der langen Karriere von Becker gab es kein Jahr, in dem er drei Mal ein Grand-Slam-Finale erreichte. Zverev hat das in diesem Jahr vollbracht.

Boris Becker und Alexander Zverev sind die einzigen deutschen Männer, die Platz 1 der Weltrangliste erreichten

Bild: picture-alliance/dpa/SID/Harald Tittel


Alexander Zverev: Vergleich mit Boris Becker legitim

Natürlich gibt es andere Statistiken, die für Becker sprechen: Er war zwölf Wochen die Nummer 1 und gewann sechs Grand-Slam-Turniere.

Allerdings ist es sehr wahrscheinlich, dass Zverev die zwölf Wochen erreichen oder sogar übertreffen wird. Er müsste dafür bis zum 25. Januar 2027 seinen Platz verteidigen. Die Australian Open enden erst am 31. Januar 2027.

Die Konkurrenz schwächelt: Jannik Sinner leidet unter einer Knieverletzung und dürfte frühestens Ende des Jahres wieder auf den Tennisplatz zurückkehren. Carlos Alcaraz muss nach seiner langwierigen Verletzung erst noch seine Form finden.

Der Weg zu sechs Grand-Slam-Titeln wäre für Zverev noch lang, ist aber nicht unmöglich.

Zverev bringt möglicherweise nicht die gleiche Konstanz wie teilweise Sinner oder Alcaraz mit. Das tat Becker allerdings auch nicht. Seine Konkurrenten wie Ivan Lendl (270 Wochen) oder Stefan Edberg (72 Wochen) waren daher deutlich länger als die Nummer 1.

Kurzum: Es gibt viele Parallelen, einige Unterschiede, aber vor allem eine Erkenntnis - sportlich bewegt sich Zverev mit Becker auf Augenhöhe. Spätestens seit seinem neuen Nummer-1-Status.

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