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French Open: "Bisschen betrunkener" Zverev enthüllt - Krämpfe verhalfen ihm zum Titel
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von Mike Stiefelhagenran Mehr Sport
French Open - Fans scherzen: "Oma Zverev als fehlendes Puzzlestück"
Videoclip • 02:07 Min
Er hat jahrelang gewartet, dreimal verloren, sich schwer verletzt. Nun liegt Alexander Zverev weinend auf dem roten Sand von Paris. Der Hamburger ist endlich Grand-Slam-Sieger. Und der erste Diabetiker, dem das je gelang.
Es war der Moment, auf den Deutschland 30 Jahre gewartet hatte. Als Flavio Cobolli einen Overhead ins Aus schlug, ließ sich Alexander Zverev einfach fallen.
Er landete auf dem roten Sand des Court Philippe-Chatrier, legte beide Hände vors Gesicht und weinte. Nicht ein bisschen, sondern so, wie man weint, wenn ein Druck nachlässt, der viel zu lange gedauert hat.
In einem dramatischen Finale der French Open 2026 hatte sich der Hamburger zuvor mit 6:1, 4:6, 6:4, 6:7 (5:7) und 6:1 gegen den Italiener durchgesetzt.
Vier Stunden und 16 Minuten dauerte die Partie. Es war Zverevs 41. Grand Slam. Und sein viertes Finale. "Als ich sah, wie mein Vater die Arme in die Höhe riss, wurde mir erst richtig klar: Okay, ich habe gewonnen", schilderte er den Moment auf der Pressekonferenz: "Als ich dann auf dem Boden lag, brachen sich all die Emotionen Bahn."
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Krämpfe, Pillen, befreiendes Loslassen und Thomalla
Fast hätte ihm sein Körper aber einen Streich gespielt. Am Ende des vierten Satzes, den er im Tiebreak verlor, musste Zverev kurz behandelt werden und bekam Pillen gegen Krämpfe im Oberschenkel. "Ich hatte Krämpfe und körperlich ein wenig zu kämpfen, auch wenn ich nicht glaube, dass die Krämpfe körperlicher Natur waren. Ich glaube, sie waren eher mentaler Art", erklärte er später.
Zwei Wochen lang hatte er seine Emotionen im Zaum gehalten, im Finale fiel ihm das merklich schwerer. "Ich war viel nervöser, hatte mehr Hochs und Tiefs, als die Tage davor."
Ausgerechnet die Krämpfe halfen ihm dann: "Ich glaube, dass sie mir in gewisser Weise geholfen haben. Ich habe dadurch losgelassen und meine Schläge etwas freier gespielt." Im fünften Satz gewann er mit 6:1 souverän.
Auch seine Freundin Sophia Thomalla machte sich laut "Bild" nach dem verlorenen vierten Satz per Zug von einem Dreh in Köln nach Paris auf. Am Ende des Abends stand dann endlich der große Triumph.
Vom Wimbledon-Tief zum Paris-Gipfel
Es war Zverevs vierter Anlauf in einem Grand-Slam-Finale. Die drei vorherigen endeten schmerzhaft. 2020 beim US Open führte er gegen Dominic Thiem mit zwei Sätzen, verlor noch. 2024 in Paris hielt er zwei Sätze gegen Carlos Alcaraz, verlor noch.
Anfang 2025 in Melbourne unterlag er Jannik Sinner in drei Sätzen. Bei Wimbledon 2025 schied er in der ersten Runde aus, stellte alles infrage, was sein Leben auf dem Platz anging. Von jenem Tiefpunkt ist er nicht mehr wiederzuerkennen.
"Das letzte Jahr war wohl eine der schwierigsten Phasen meiner Karriere. Dieses Jahr hingegen ist eines der glücklichsten meiner Laufbahn", sagte er. Er ist der erste deutsche Herren-Einzelspieler seit Boris Beckers Australian-Open-Sieg 1996, dem ein Grand Slam gelang. Der erste Deutsche bei Roland Garros seit Henner Henkel 1937.
"Egal, was jetzt passiert, ich werde immer ein Grand-Slam-Sieger sein, das kann mir niemand nehmen", sagte Zverev. "Wenn ich das nächste Mal ein Finale spiele, weiß ich: Auch wenn ich verliere, bin ich immer noch Grand-Slam-Champion."
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Zverev-Erfolg auch ein Sieg für alle Diabetiker
Ganz nebenbei schrieb Zverev weitere Geschichte. Der Olympiasieger von 2021 ist der erste Diabetiker, der einen Grand Slam gewonnen hat. Das ist medizinisch wie sportlich eine Premiere.
"Ich versuche, es nicht so hochzuhängen, weil ich keine Ausreden haben will, wenn was nicht so läuft", sagte er. "Es ist aber wichtig für viele Kinder und Eltern, damit sie sehen: Man kann sich auch mit dieser Krankheit Träume erfüllen, alles erreichen."
Nach dem Finale stürzte er sich in einen Partymarathon. Er gestand mit einem Lachen: "Um ehrlich zu sein, bin ich schon ein bisschen betrunken, deshalb wiederhole ich mich vielleicht etwas öfter als sonst. Ich bin einfach nur froh, neben dieser Trophäe zu sitzen."
Wimbledon beginnt Ende Juni. Auf Rasen ist Zverev bislang nie über das Achtelfinale hinausgekommen. Nach Paris klingt das alles anders. "Ich hoffe, dass mental bei mir irgendwas geplatzt ist. Natürlich möchte ich noch ein paar davon gewinnen."
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