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Neuer NFL-Trend? Warum immer mehr Franchises riesige Dead Caps in Kauf nehmen

Veröffentlicht:

von Luis Woppmann

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Videoclip • 01:22 Min


Die Denver Broncos haben nach der Entlassung von Russell Wilson eine Rekordsumme an Dead Cap in Kauf nehmen müssen. Zwei Jahre später tun es ihnen die Miami Dolphins gleich - doch was steckt hinter der neuen Taktik?

Die Broncos trennten sich nach zwei enttäuschenden Jahren von Quarterback Russell Wilson - und nahmen dadurch eine Rekordsumme an Dead Cap in Kauf. Zwei Jahre später sind sie eines der Top-Teams in der NFL.

Denver scheint damit ein Modell geliefert zu haben, an dem sich einige Franchises bereits jetzt im Rebuild orientieren.

Wird es in Zukunft immer mehr Teams geben, die sich trotz hoher Dead-Money-Summen von gescheiterten Starspielern trennen - und wie funktioniert ein solcher Rebuild?

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Nach Entlassung von Russell Wilson - Denver Broncos schaffen Turnaround

Nachdem die Broncos 2015 den Super Bowl gewonnen hatten, folgte eine lange Durststrecke. Acht Jahre lang konnte die Franchise nicht mehr in die Playoffs einziehen.

2022 sicherte sich Denver mit einem Blockbuster-Trade die Dienste von Russell Wilson, der zu diesem Zeitpunkt seit zehn Jahren auf absolutem Top-Niveau in Seattle gespielt hatte.

Doch der Einfluss des Superstars blieb hinter den Erwartungen zurück, auch mit ihm konnte die Franchise das Ruder nicht herumreißen.

Also entschieden sie sich für eine spektakuläre Vertragsauflösung des Quarterbacks. Dadurch mussten die Broncos Dead Money in Höhe von 85 Millionen US-Dollar hinnehmen - doppelt so viel wie die damalige Rekordsumme.

Doch genau diese Entscheidung zahlte sich voll aus: Mit Bo Nix fand Denver im Draft seinen Franchise-Quarterback, seitdem standen die Broncos in beiden Jahren in den Playoffs.

In der abgelaufenen Saison wäre das Team ohne die Verletzung des 25-Jährigen im AFC Championship Game gegen die New England Patriots wohl der Favorit gewesen und hätte gute Chancen auf den Einzug in den Super Bowl gehabt.

In der kommenden Saison hat die Franchise mit rund 3,4 Millionen Dollar den zweitniedrigsten Dead Cap der NFL, nur der amtierende Super-Bowl-Sieger aus Seattle hat weniger.

Ein Personalverantwortlicher der AFC sagte gegenüber dem US-amerikanischen Fernsehsender "ESPN": "Diese Summe (85 Millionen Dollar Dead Money, Anm. d. Red) war mehr als doppelt so hoch wie alles, was ein anderes Team jemals für einen anderen Spieler ausgegeben hatte, und sie haben es in die Playoffs geschafft."

Und weiter: "Das wird nicht bei jedem funktionieren, und niemand möchte solche Entscheidungen über 'Dead Money' treffen müssen, aber es hat funktioniert – und alles, was in dieser Liga funktioniert, wird unter die Lupe genommen."

Broncos profitieren von wohlhabender Eigentümergruppe

Aber nicht nur die Quarterback-Position ist in einem solchen Rebuild wichtig. Denver hat in zwei Saisons auch die Verteidigung generalüberholt und zu einer der stärksten in der NFL gemacht.

So hat das Team zuletzt dem All-Pro-Cornerback Pat Surtain II eine Gehaltserhöhung von 5 Millionen Dollar gewährt, mit der Aussicht auf eine weitere Gehaltssteigerung um 5 Millionen Dollar in der nächsten Saison.

Zudem haben sie einen Kern von fast zwei Dutzend Spielern durch langfristige Vertragsverlängerungen an sich gebunden und dafür mehr als 325 Millionen Dollar garantiert gezahlt.

Dabei muss man aber bedenken: Die Broncos verfügen über eine Eigentümergruppe - die Walton-Penner Family Ownership Group -, die sowohl innerhalb als auch außerhalb der Franchise über reichlich Bargeld und Eigenkapital verfügt, das viele andere Teams nicht haben.

Abgesehen davon hat Denver aber ein Modell geliefert, an dem sich einige Franchises bereits jetzt im Rebuild orientieren.

Miami Dolphins folgen dem Beispiel der Denver Broncos

Die Miami Dolphins verfolgen allem Anschein nach derzeit ein ähnliches Konzept. Nach einer weiteren enttäuschenden Saison mit Tua Tagovailoa setzte das Team ihren ehemaligen Hoffnungsträger zunächst auf die Bank und entließ ihn in der Offseason - dafür nahm Miami eine neue Rekordsumme an Dead Money hin: rund 99 Millionen Dollar.

Und damit nicht genug: Auch Tyreek Hill (28,25 Millionen Dollar Dead Money) und Bradley Chubb (23,86 Millionen Dollar Dead Money) mussten ihre Koffer packen. Dazu tradete Miami Jaylen Waddle zu den Broncos, wodurch weitere 26,3 Millionen Dollar dazukamen.

Dadurch zahlt die Franchise in der kommenden Saison mehr Geld an Spieler, die nicht mehr in Miami spielen (179,2 Millionen Dollar), als an eigene Spieler (116,3 Millionen Dollar).

In einer informellen Umfrage, die "ESPN" in den letzten Wochen unter elf Trainern und Personalverantwortlichen der Liga durchgeführt hat, waren viele Befragte der Meinung, dass Miamis Strategie in der Offseason eine Weiterentwicklung dessen sei, was die Broncos vor zwei Jahren getan haben.

"Teams hatten Probleme mit 'Dead Money', haben Spieler entlassen, um im Draft oder auf dem freien Markt aktiv werden zu können, und man musste Spieler mit hohen Verträgen entlassen", sagte beispielsweise ein General Manager der NFC.

Und weiter: "Aber ich glaube, (die Denver Broncos, Anm. d. Red) haben allen irgendwie das Gefühl vermittelt, dass man, wenn es wirklich sein muss, den Reißverschluss aufreißen und sich durchkämpfen kann – und dass es nicht immer dieser lange Weg zurück sein muss."

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Quarterback-Jahrgang im Draft wichtig

Die Strategie der Dolphins ist dabei nicht schwer zu durchschauen: In der kommenden Saison versucht man erst gar nicht, konkurrenzfähig zu sein - stattdessen will man sich eine möglichst gute Draft-Position sichern. Der Grund: Vor allem die Quarterback-Klasse im nächsten Jahr ist äußerst vielversprechend.

Mit Spielern wie Arch Manning (Texas), Julian Sayin (Ohio State), Dante Moore (Oregon), CJ Carr (Notre Dame), Drew Mestemaker (Oklahoma State), Darian Mensah (Miami) und LaNorris Sellers (South Carolina) gibt es eine große Anzahl an potenziellen Erstrundenpicks.

Diese Bedeutung ging auch aus Gesprächen von "ESPN" mit Trainern und Personalverantwortlichen hervor: Sie waren der Meinung, dass entweder ein erfahrener, langfristig unter Vertrag stehender Quarterback oder ein Draft-Jahrgang voller potenzieller Stammspieler vorhanden sein müsse, bevor man einen massiven Verlust durch Dead Money in Kauf nehmen könne.

"Man kann mutig sein, und ich glaube, das werden auch mehr Leute tun, wenn die Obergrenze weiter angehoben wird … aber wenn man das tut, wird die Quarterback-Frage gewissermaßen bestimmen, wie viele Leute so etwas noch einmal wagen", sagte der General Manager der NFC.

Und weiter: "(Die Denver Broncos, Anm. d. Red) hatten einige Spieler auf Pro-Bowl-Niveau im Kader, vor allem in der Verteidigung, eine wirklich gute Offensive Line und einen Draft mit einigen Quarterbacks."

Die Quarterbacks Caleb Williams (Chicago Bears), Jayden Daniels (Washington Commanders) und Drake Maye (New England Patriots) belegten im Draft 2024 die Plätze 1, 2 und 3.

Da früh klar war, dass sie unter den ersten fünf Picks landen würden und sie für die Broncos praktisch unerreichbar sein würden, hatte das Team sein Augenmerk auf Bo Nix gerichtet und wählte ihn an Position 12 aus, da auch Michael Penix Jr. (Position 8) und J.J. McCarthy (Position 10) bereits ausgewählt wurden.

"Es geht immer um den Quarterback", sagte der Personalverantwortliche der AFC gegenüber "ESPN". "Jedes Team, auch die Broncos, braucht einen ausreichend guten Quarterback und ein ausreichend gutes Team um ihn herum, wenn man so schnell wie sie in die Playoffs kommen will - vor allem, wenn man sich vom bisherigen Quarterback getrennt hat. Und ein Rookie-Vertrag für einen Quarterback in einem Playoff-fähigen Team schadet nie."

Auch Atlanta Falcons und Arizona Cardinals schließen sich dem Trend an

Bei dem Liga-Treffen Anfang dieses Jahres erklärte Jon-Eric Sullivan, General Manager der Dolphins, dass solche kurzfristigen Gehaltskürzungen notwendig seien, um die Probleme im Kader des Teams anzugehen.

"Wenn man das Problem immer wieder vor sich herschiebt, wird man nie wieder auf die Beine kommen", sagte Sullivan. "Ich meine, in der National Football League gibt es zwei Philosophien, denen man folgt. Entweder man zahlt sofort oder man lebt auf Kredit. … Wir wollen die Flexibilität, die eine sofortige Bezahlung bietet, und das können wir nur erreichen, wenn wir dieses Jahr die Konsequenzen in Kauf nehmen."

Und das sieht nicht nur Miami so: Die Falcons entließen in dieser Offseason Kirk Cousins und schluckten dafür 35,4 Millionen Dollar an Dead Cap. Im Gegenzug holten sie Tagovailoa für kleines Geld nach Atlanta, welcher den Saisonstart für einen noch nicht hundertprozentig fitten Michael Penix Jr. übernehmen könnte.

Und auch die Arizona Cardinals schlossen sich diesem Trend an, als sie mit der Entlassung von Quarterback Kyler Murray nach sieben Saisons Dead-Money-Kosten in Höhe von 46,57 Millionen Dollar in Kauf nahmen.

Ähnlich wie die Dolphins gelten die Cardinals als eines der Teams, denen in dieser Saison kaum etwas zugetraut wird. Ganz im Gegenteil: Einige gehen sogar davon aus, dass die beiden Franchises kein einziges Spiel gewinnen könnten.

Im kommenden Draft wollen auch sie sich einen künftigen Franchise-Quarterback im Draft sichern und durch den frei werdenden Cap Space in den nächsten Jahren Sofortverstärkungen in der Free Agency oder per Trade verpflichten.

Nicht alle Teams gehen riesige Dead-Cap-Mengen ein

Aber nicht alle Teams verfolgen die Strategie der Broncos. So halten die Cleveland Browns beispielsweise weiterhin an Deshaun Watson fest, nachdem sie den Quarterback 2022 mit einem vollständig garantierten Vertrag über 230 Millionen Dollar ausstatteten.

Und das, obwohl der Passgeber wegen des Vorwurfs der sexuellen Belästigung für die ersten elf Partien der Saison 2022 gesperrt wurde und nie an seine Leistungen in Houston anknüpfen konnte. Von 2022 bis 2024 gelangen ihm jeweils nur knapp 1.000 Passing Yards und insgesamt 19 Touchdowns bei zwölf Interceptions.

Hätten sie den Quarterback in dieser Saison entlassen, hätten sie Dead Money in Höhe von 131 Millionen Dollar schlucken müssen und werden dennoch eine Dead Money von mehr als 86 Millionen Dollar verbuchen müssen, wenn sein Vertrag nach der Saison ausläuft.

Generell gilt der Trade, den Cleveland für Watson mit den Houston Texans einging, als einer der schlechtesten der NFL-Geschichte.

Ob sich die Entscheidung, weiter an ihm festzuhalten, in der kommenden Saison auszahlt, scheint äußerst unwahrscheinlich. Immerhin gilt er aber derzeit als Favorit auf die Starting-Rolle gegenüber Shedeur Sanders.

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