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NFL - Paris Game 2026: Die Liga geht voll ins Risiko - und wird belohnt

Aktualisiert:

von Tom Offinger

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NFL: "Terrible Towels" - Steelers-Fans feiern vor dem Eiffelturm

Videoclip • 01:02 Min


Mit Paris erobert die NFL die nächste Weltmetropole jenseits der USA. Trotz drohender Ausschreitungen, Programm-Absagen und jeder Menge Kritik hielt die Liga an ihrem Plan fest - und sieht sich einmal mehr bestätigt.

Aus Paris berichtet Tom Offinger

Offenheit sieht anders aus.

Wer in den vergangenen Tagen die berühmte Pariser Prachtstraße Champs-Elysées entlang bummelte, dem stach vor allem eins ins Auge: Jede Menge Holz.

Aus Angst vor weiteren Eskalationen im Zuge der Demonstrationen für bessere Bildung hatten nahezu alle großen Läden ihre Schaufenster hinter dicken Holz-Barrikaden versteckt. Einzig zwei Filialen weltbekannter Fast-Food-Ketten empfingen ihre Kunden mit "offenen Fenstern". In Kombination mit auffällig viel Polizei- und Armeepräsenz, unangenehm kaltem Herbstwetter und dem Sturm "Austen" zeigte sich die "Stadt der Liebe" von ihrer düsteren Seite.

Eigentlich sind dies nicht die Bedingungen, mit denen Commissioner Roger Goodell den internationalen Siegeszug der größten American-Football-Liga der Welt fortführen möchte. Und trotzdem wird die NFL auf dieses Wochenende zurückblicken und sagen: Wir haben es mal wieder geschafft!

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Steelers gewinnen erstes Paris Game

Zugegeben, das erste Regular-Season-Spiel im legendären Stade de France war aus Fansicht kein Leckerbissen: Mit Ausnahme von jeweils einem Touchdown duellierten sich New Orleans Saints und Pittsburgh Steelers vornehmlich mit Field Goals, wobei Kicker Daniel Carlson für das Heimteam aus New Orleans sogar eines vergab.

Was vielen der 78.488 Anwesenden jedoch länger im Gedächtnis bleiben wird, sind die Geschehnisse abseits des Feldes. Im Olympiastadion von 2024 herrschte von Minute eins weg eine Gänsehautatmosphäre: Die Steelers-Anhänger schwenkten bei jeder sich bietenden Gelegenheit ihre "torchons terribles". Eine eigens entworfene, französische Abwandlung ihres weltbekannten gelben Handtuchs (im Englischen "terrible towel“).

Die Saints-Fans hingegen trieben bei jedem "Move the Chains"-Schlachtruf des Stadionsprechers - inklusive First-Down-Posen auf den Tribünen - ihre Stimmbänder zu Hochleistungen.

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NFL in Paris: Aaron Rodgers schwärmt von Atmosphäre

"Was für ein grandioses Stadion, in dem wir heute spielen dürften", schwärmte sogar Steelers-Quarterback Aaron Rodgers nach der Partie. "Das Gras, der Pomp, das ganze Drumherum vor dem Spiel."

Nein Aaron, das ist nicht das "Acrisure Stadium", der "Caesars Superdome" oder das legendäre "Lambeau Field" - das ist Paris!

Während das Spiel vor sich hinplätscherte, schwappte eine La-Ola-Welle nach der anderen durch das weite Rund. Massen-Karaoke-Versionen von "Alors on Danse", "Voyage, voyage" und des Klassikers "Sweet Caroline" rundeten das Bild eines perfekten Stadionerlebnisses ab.

Auch Stunden vor dem Spiel war von der eingangs beschriebenen Beklemmung nichts zu spüren: Schon beim Frühstück im Hotel begegnete man den Trikots von Star-Spielern wie Chris Olave oder TJ Watt, auf dem Weg durch das Viertel Saint-Denis gesellten sich die von NFL-Legenden wie Peyton Manning, Tom Brady und Bobby Boucher dazu. Egal, ob mit der Métro, dem Bus, dem Fahrrad oder zu Fuß: Überall herrschte gute Stimmung, statt die Angst vor Ausschreitungen.

Wer sein Geld eben nicht auf den zugenagelten Champs-Elysées oder im geschlossenen Louvre lassen konnte, stürmte stattdessen zu den NFL-Shops vor dem Stadion. Mehrere hundert Meter lang schlängelte sich die Menschenkette vor dem Spiel über den Vorplatz. Ein Stunde nach dem Schlusspfiff waren es dann nur noch knapp hundert Meter.

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Was für ein grandioses Stadion, in dem wir heute spielen dürften.

Steelers-Quarterback Aaron Rodgers über das Paris Game im Stade de France

NFL in Paris: Goodell bleibt hartnäckig - und gewinnt

Natürlich war in Paris auch nicht alles Gold, was glänzte. Zwar betonte die NFL frühzeitig, nicht mit einer Verlegung oder gar Absage des Spiels zu planen, in den Tagen vor dem 25. Oktober herrschte dennoch auf allen Seiten eine große Unsicherheit. "Kann mir jemand den Sinn dahinter erklären?", kommentierte Dani Watt, Frau von Steelers-Star TJ Watt, auf "Instagram" wütend die Engstirnigkeit der Liga, während die Bilder von Straßenschlachten in Paris um die Welt gingen.

Die französische Ligue 1 reagierte unmissverständlich auf die Geschehnisse und verlegte das Topspiel zwischen Paris Saint-Germain und Olympique Lyon von Sonntagabend auf Montag. Die NFL hielt an ihrem Vorhaben fest - während die Steelers einen Fanabend in einem Pub absagten, die NFL- und Saints-Houses am Samstag geschlossen blieben und der großzügige Fanshop aus der Innenstadt ans Stade de France umgesiedelt wurde.

Dennoch traf man am Samstag in der ganzen Stadt auf zahlreiche Fans, die voller Vorfreude die französische Hauptstadt erkundeten. Über den kompletten Nachmittag war weder an der NFL Experience am Eiffelturm noch an der "Hail Mary"-Challenge an der Cathédrale Notre-Dame etwas von den Protesten oder gewaltsamen Zusammenstößen zu spüren. Man arbeite mit allen lokalen Behörden beim Thema Sicherheit zusammen und werde wie geplant mit dem Spiel am Sonntag fortfahren, hieß es gebetsmühlenartig von Seiten der Liga - sie sollte Recht behalten.

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NFL in Paris: "Nullkommanull Zweifel" bei Commissioner Goodell

Wie man es auch dreht und wendet: Mit dem Paris Game schlägt die NFL ein weiteres Kapitel ihrer erfolgreichen internationalen Vermarktung auf. Das unterstreicht auch die Tatsache, dass bereits Pläne für das kommende Jahr geschmiedet werden: Er habe "nullkommanull Zweifel", dass seine Liga nach Paris zurückkehren werde, verkündete Commissioner Roger Goodell am Sonntagmorgen noch vor dem Kickoff.

Die Atmosphäre, das Fan-Interesse und letztlich auch die ausgebliebene Eskalation auf den Pariser Straßen geben der Liga recht. Kein Fan, kein Spieler, kein Angehöriger einer Franchise wurde attackiert oder gar verletzt. "Ich würde nicht unbedingt sagen, dass die Unruhen das Spiel für uns überschattet haben", gestand Steelers-Head-Coach Mike McCarthy mit einem verschmitzten Lächeln auf der Pressekonferenz.

Unter dem Strich wird der Spieltag als ein atmosphärisches Highlight in die Annalen eingehen. Die französischen NFL-Fans wurden glücklich beseelt und vor allem noch lange von diesem Tag erzählen. Die Steelers fliegen mit dem fünften Saisonsieg glücklich nach Hause. Und die NFL wird sich einmal mehr auf die Schultern klopfen - trotz aller Nebengeräusche im Vorfeld.

Auch interessant: Kicker-Drama entscheidet Lions gegen Packers, Rams zurück auf Erfolgsspur Und: Fernando Mendoza vor erstem NFL-Start für die Raiders?

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