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Bundesliga

Borussia Dortmund verlängert mit Niko Kovac: Verlässliche Langeweile schlägt unberechenbare Experimente - ein Kommentar

Veröffentlicht:

von Chris Lugert

ran Fußball

BVB verlängert mit Kovac: Die Meinungen der Fans sind gespalten

Videoclip • 01:28 Min


Borussia Dortmund verlängert vorzeitig den Vertrag mit Trainer Niko Kovac. So kritisch der Kroate bei Teilen der Fans auch gesehen wird: Manchmal ist verlässliche Langeweile besser als unberechenbares Spektakel. Ein Kommentar.

Emotionale Klubs wie Borussia Dortmund zeichnen sich meist dadurch aus, dass das Meinungsbild zu relevanten Personalentscheidungen innerhalb der Fanszene von einem Extrem zum anderen reicht. Doch die Vertragsverlängerung mit Trainer Niko Kovac bis 2029 stellt sogar hier eine Ausnahmeerscheinung dar.

Kaum ein Trainer der jüngeren Vergangenheit wurde bei den BVB-Anhängern so unterschiedlich bewertet. Es ist der klassische Spagat zwischen einerseits den nackten Ergebnissen und andererseits dem geforderten Spektakelfußball, an dem seit der Ära Jürgen Klopp jeder Trainer zwischen Brackel und Borsigplatz gemessen wird.

Kovac ist kein Trainer, der mit seinem Fußball für Begeisterung sorgt. Das weiß der 54-Jährige wohl auch selbst. Doch er lässt jenen Fußball spielen, der zu seiner Persönlichkeit passt. Diszipliniert, laufstark, auf eine stabile Defensive fokussiert. Erst die Arbeit, dann das fußballerische Vergnügen.

Beim verhassten Nachbarn Schalke 04 würde Kovac mit so einer Herangehensweise wohl schnell zum Messias erhoben werden. In Dortmund aber sind die Erwartungen inzwischen andere - nicht nur was die Platzierung angeht, sondern auch das fußballerische Selbstverständnis. Die Kritik an seiner Spielweise verliert beim Blick auf die reinen Ergebnisse jedoch schnell an Zugkraft.

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Jede Alternative wäre ein Experiment gewesen

Seit Gründung der Bundesliga hatte nur Thomas Tuchel einen besseren Punkteschnitt unter allen BVB-Trainern, die wenigstens sechs Monate im Amt waren. Selbst Jürgen Klopp reicht nicht an Kovacs Zahlen heran. Fußball ist ein Ergebnissport, Kovac liefert sie. Insofern ist die vorzeitige Vertragsverlängerung ein logischer Schritt, der Vernunft beweist.

Denn allen Kritikern an dieser Entscheidung sei die Frage gestellt: Was wäre denn die Alternative gewesen? Natürlich könnte der BVB den Trainermarkt nach einem jungen, unverbrauchten und dynamischen Coach durchforsten. Einer, der für eine offensive Identität steht. Aber ein solcher Trainer wäre ein Experiment. Und Experimente können ganz schnell auch nach hinten losgehen.

Bei Kovac weiß man nach anderthalb Jahren im Amt ganz genau, was man bekommt. Es mag eine langweilige Lösung sein, aber eine verlässliche. Sein Fußball mag bieder sein, aber er bringt Punkte. Ein Trainer X mit anderen Ideen wäre vielleicht spektakulärer gewesen. Aber welche Garantie für bessere Ergebnisse hätte es gegeben?

Natürlich ist es der Wunsch des BVB, dass sich die Ergebnisse irgendwann auch in Titeln niederschlagen. Und auch Kovac, der Eintracht Frankfurt einst zum DFB-Pokalsieg führte, muss sich an dieser Zielsetzung messen lassen. Doch wäre es schlicht vermessen, dies zu einer tatsächlichen Erwartungshaltung zu erheben.

FC Bayern steht Titeln im Weg

Denn national ist der FC Bayern einfach zu stark. Die individuelle Qualität der Münchner ist außergewöhnlich, abgesehen vielleicht von der Torwartposition sind die Dortmunder in jedem Mannschaftsteil schlechter aufgestellt. Das ist nicht die Schuld von Kovac, sondern die Realität, der sich alle Beteiligten stellen und mit der sie arbeiten müssen.

Über 34 Spieltage gesehen sind die Bayern realistisch betrachtet nicht zu knacken. Die 73 Punkte des BVB in der Vorsaison unter Kovac waren der beste Wert seit sieben Jahren - der Rückstand auf den Rivalen aus dem Süden betrug dennoch astronomische 16 Zähler. Es sind wichtige Zahlen, die verdeutlichen, dass in Dortmund das Wunschdenken die Realität nicht komplett verdecken darf.

Was nicht bedeutet, dass es sich Kovac auf Platz zwei der Bundesliga einfach bequem machen darf. Im DFB-Pokal bietet sich für Dortmund immer eine Chance auf den Titel. Selbst bei einem direkten Duell mit den Bayern gilt: In einem Spiel ist auch der Rekordmeister angreifbar. Insofern war das Aus im Achtelfinale in der Vorsaison eine herbe Enttäuschung. Hier muss mehr kommen.

Und in der Champions League war die Klatsche gegen Atalanta Bergamo und das damit verbundene Ausscheiden bereits in der Playoff-Runde ganz sicher auch kein Ruhmesblatt. Hier haben Kritiker durchaus Ansatzpunkte: Geht es um die Wurst, liefert der BVB auch unter Kovac (noch) nicht.

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Kovac hat eine große Chance

Doch hier nach nur einer kompletten Saison bereits ein endgültiges Fazit zu ziehen, wäre verfrüht und dem Coach gegenüber schlicht auch unfair. Kovac hat sich mit einer insgesamt sehr guten Arbeit in Dortmund diese Vertragsverlängerung verdient, muss jetzt aber beweisen, dass er mehr als nur Stabilisator sein kann.

Zumal unter Sportdirektor Ole Book der Schwerpunkt der Kaderplanung wieder auf jungen, talentierten Spielern liegt, die der BVB weiterentwickeln will und muss. Abgesehen von nackten Ergebnissen ist das die wohl wichtigste Aufgabe für Kovac in den kommenden Jahren.

Zugleich hat er damit aber die große Chance, sich als Trainer noch einmal neu zu erfinden - und seine Kritiker womöglich dauerhaft zum Schweigen zu bringen.

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