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Borussia Mönchengladbachs Absturz: Das Problem sitzt längst nicht mehr auf der Trainerbank - ein Kommentar
Aktualisiert:
von Andreas Reinersran Fußball Bundesliga
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Videoclip • 01:49 Min
Sechs Spiele, sechs Niederlagen: Der Absturz der Gladbacher ist historisch. Und längst ein Problem, das tief im Verein verwurzelt ist. Ein Kommentar.
Von Andreas Reiners
Mehr als 10.000 freie Plätze waren es.
Tristesse auf den Rängen, riesige Lücken im Oberrang. Es ist der demonstrative visuelle Mittelfinger eines sonst treuen Publikums, das sich bei der Wahl zwischen Unterstützung und Verweigerung für Letzteres entschieden hat.
Vom masochistisch geprägten Rest gibt es immer wieder Unmutsbekundungen. Buhrufe. Pfiffe. Beschimpfungen. Dazwischen: Ungläubiges Staunen. Ratlosigkeit. Fassungslosigkeit. Gleichgültigkeit.
Was das eigentlich Alarmierende ist. Denn Wut bedeutet immer auch Leidenschaft. Wachsende Gleichgültigkeit hingegen ihr schleichendes Ende.
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Borussia Mönchengladbach: Tristesse als visueller Mittelfinger
Dazu kommt der Dauerregen. Es ist dieser penetrante, nieselige. Der besonders ungemütliche also, der sich in jede Jacke frisst und irgendwann unfassbar nervt.
Wie der Fußball von Borussia Mönchengladbach.
Ja, wer zu der sportlichen Situation der Gladbacher zur Untermalung noch die passende, von deprimierendem Herbstwetter untermalte Atmosphäre brauchte, bekam sie am Sonntagabend formschön in den Borussia-Park gemalt.
Der 18. Gladbach verlor 1:2 gegen den 17. Hoffenheim. Und das verdient. Es wirkte, als seien die letzten 90 Minuten von Trainer Alexander Blessin angebrochen, seine Amtszeit am Ende angelangt.
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Borussia Mönchengladbach: Ein neuer Tiefpunkt
Dabei ist er der Neue, es war erst sein zweites Spiel. Und der x-te Offenbarungseid. Wie auch seine verbale Auseinandersetzung mit der Situation. "Wo soll ich anfangen?", sagte er. Es sind mittlerweile so viele Baustellen, dass selbst ein frischer Trainer nach wenigen Wochen förmlich erschlagen wirkt.
Anschließend rechnete er mit einer Mannschaft ab, die "nicht den Arsch in der Hose" hatte, sich in einem Kellerduell mit allen Kräften gegen die nächste Niederlage zu stemmen. Kann man mit einer inzwischen antrainierten Gleichgültigkeit des Publikums noch irgendwie klarkommen, ist fehlendes Leben in der Kabine der Anfang vom Ende.
Das ist nicht immer nur der Kopf, es sind auch nicht die vielen Verletzten, sondern auch die Qualität, kombiniert mit Mentalität. So dass inzwischen auch Sportdirektor Rouven Schröder in die Schusslinie zu geraten droht. Schließlich ist es auch seine Mannschaft.
Das 1:2 ist fraglos ein weiterer sportlicher Tiefpunkt. Aber auch der deutliche Beweis, dass das essenzielle Problem des Traditionsklubs längst nicht mehr auf der Trainerbank sitzt.
Alexander Blessin hat den Turnaround auch nicht geschafft.
Bild: Laci Perenyi
Borussia Mönchengladbach: Keinerlei Trainereffekt
Den branchenüblichen Effekt nach dem Wechsel von Eugen Polanski zu Interimstrainer Jan-Moritz Lichte (für ein Spiel) hin zu Blessin gab es gar nicht. Stattdessen taumeln Mannschaft und Klub planlos in Richtung Abstieg, haben den schlechtesten Start in der Vereinshistorie hingelegt.
Am Freitag beim VfB Stuttgart winkt mit sieben Niederlagen in Serie ein Rekord für die Ewigkeit. So einen Katastrophenstart hat in der Geschichte der Liga noch gar kein Verein hinbekommen.
Vielmehr befindet sich der Klub in einem Abwärtsstrudel, der vor ein paar Jahren begann und bekannt ist. Allerdings haben es die Verantwortlichen in der ganzen Zeit nicht geschafft, den Trend zu stoppen oder zumindest mal zu verlangsamen. Geschweige denn umzukehren.
Viele Rückschläge waren absehbar, zahlreiche Folgen der Entscheidungen gingen mit Ansage schief. Und tun es immer noch. Der Polanski-Absturz und die erneute Reißleine nach dem dritten Spieltag wie im Vorjahr hat niemanden überrascht. Mangelnde Mentalität ist seit Jahren ein Problem, schwindende Qualität ebenfalls, genauso wie immer wieder Verletzungsprobleme, die auch nicht nur mit Pech zu erklären sind.
Und viele Durchhalteparolen kann man im Schlaf mitreden.
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Borussia Mönchengladbach: Konkurrenten zeigen, wie es geht
Stattdessen zeigen andere Klubs, dass es auch anders geht, wenn aus Fehlern gelernt wird, wenn aus der Not eine Tugend gemacht wird. Der SC Freiburg zum Beispiel, der sich mit einer starken Nachwuchsarbeit und klugen Transfers als regelmäßiger Europa-Kandidat etabliert hat.
Natürlich ist das oft einfacher gesagt als getan. Klubs wie der FC Schalke oder der Hamburger SV haben bereits bewiesen, dass man auch mit tollen Voraussetzungen verdammt viel falsch machen kann.
Doch wenn das passiert, ist normalerweise die Zeit gekommen, nicht den nächsten Trainer zu holen, sondern an der Spitze des Vereins Veränderungen vorzunehmen. Bei den Strukturen, den Personen, den Verantwortlichkeiten. Frisches Blut, frische Ideen, neue Ansätze, neue Perspektiven.
Auch als Verein mit jeder Menge Tradition muss man sich hin und wieder mal neu erfinden.
Borussia Mönchengladbach: Neuanfang verpasst
Die Verdienste von Präsident Rainer Bonhof sind unbestritten, nach dem Rücktritt von Rolf Königs 2024 verpassten die Gladbacher aber hier einen dringend benötigten Neuanfang ausgerechnet an der Spitze des Klubs. Das soll nicht bedeuten, dass eine Legende des Vereins zwingend abgesägt werden muss, aber es kann nie schaden, sich zusätzliche Expertise ins Boot zu holen.
Es gibt nicht wenige Publikumslieblinge aus der noch gar nicht fernen Europapokal-Ära, die in den vergangenen Jahren ihre Karriere beendet haben. Und es muss auch nicht immer der Stallgeruch sein, denn der hilft längst nicht bei jedem Problem. Nicht mal bei Fohlen.
Stattdessen ist eine unromantische Sicht von außen manchmal der bessere Weg. Wenn man denn wenigstens mal einen erkennen kann.
Denn der Vorwurf, man habe es sich in der eigenen Unzulänglichkeit gemütlich gemacht, manifestiert sich inzwischen immer deutlicher auf dem Platz. Und immer regelmäßiger. Die Fans haben ihre Konsequenzen längst gezogen. Mehr als 10.000 leere Plätze sind ein unübersehbares Zeichen.
Vielleicht sollten die Verantwortlichen endlich damit beginnen, ebenfalls Konsequenzen zu ziehen.
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