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Trainer Nenad Bjelica hat bei Union Berlin keine Zukunft - ein Kommentar

Aktualisiert:

von Martin Volkmar

ran Fußball Bundesliga

Bjelica erklärt Tätlichkeit gegen Sane: „Wollte mich wehren“

Videoclip • 02:39 Min


Der Trainer von Union Berlin ist nach seiner Tätlichkeit gegen Bayern-Profi Leroy Sane eigentlich nicht mehr tragbar. Trotz des milden Urteils des DFB-Sportgerichts gegen Nenad Bjelica müssen die Eisernen handeln. Ein Kommentar.

Von Martin Volkmar

Vor dem Spiel beim FC Bayern hatte sich Nenad Bjelica in einem großen Interview noch beklagt, dass ihn deutsche Experten wie Lothar Matthäus bei seiner Vorstellung als Trainer von Union Berlin als "Nobody" bezeichnet hatten.

Seine Konsequenz daraus: "Ich arbeite daran, dass man mich besser kennenlernt."

Dies ist dem Kroaten am Mittwochabend in München schlagartig gelungen, allerdings nicht so wie von ihm erhofft.

Denn nach seiner Handgreiflichkeit gegen Bayern-Profi Leroy Sane, dem er bei einer Rangelei an der Seitenlinie zweimal ins Gesicht griff, kennt Bjelica hierzulande jeder Fußball-Fan.

Es ist allerdings eine äußerst unrühmliche Popularität. Tätlichkeiten von Trainern gab es in den mehr als 60 Jahren Bundesliga äußerst selten, und wenn, dann wurden sie hart bestraft.

Der Vergleich zum damaligen Duisburger Norbert Meier drängt sich auf, der nach seinem Kopfstoß gegen den Kölner Albert Streit Ende 2005 mit einer Zwangspause von drei Monaten plus Geldstrafe belegt wurde.

Das Wichtigste in Kürze

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Nenad Bjelica: Nur drei Spiele Sperre

Bjelica kommt allerdings bei der Strafe mit einem blauen Auge davon. Lediglich drei Spiele verhängte das DFB-Sportgericht schon am Donnerstagnachmittag, was angesichts der laut Regelwerk möglichen Maximalsanktion von einem halben Jahr äußerst glimpflich ist.

Schließlich hat Bjelica seine Vorbildfunktion als Chefcoach in der höchsten Spielklasse aufs Gröbste verletzt.

Erschwerend kommt noch die fehlende Reue hinzu, denn der 52-Jährige entschuldigte sich hinterher zwar bei seiner Mannschaft, explizit aber nicht bei seinem Opfer.

Bjelica sendet verheerendes Signal

Auch wenn er tatsächlich von Sane provoziert worden sein sollte, darf jemand in seinem Alter und seiner Funktion nicht dermaßen die Nerven verlieren.

Weil diese Form der Selbstjustiz ein verheerendes Signal an alle anderen Übungsleiter bis hinunter zur Kreisliga aussendet.

Die Union-Bosse, die sich nach dem Spiel in München im Gegensatz zu den gestandenen Spielern wie Robin Gosens und Kevin Vogt vor einem Kommentar drückten, bringt die relativ kurze Sperre nun in Erklärungsnot.

FC Bayern München vs. Union Berlin: Die Noten der Stars des Rekordmeisters

  • FC Bayern vs. Union Berlin: Einzelkritiken der FCB-Stars
    Der FC Bayern München schlägt Union Berlin mit 1:0 in einem hart umkämpften Spiel. Die Einzelkritiken der Profis des FCB.

    ULMER Pressebildagentur

  • Manuel Neuer
    Mal wieder kaum beschäftigt, da die Berliner wie so viele Gästemannschaften vorrangig Beton anrühren. Kann Hollerbachs Flanke kurz nach dem 1:0 nicht festhalten, klärt aber dann mit seiner zweiten Aktion. Auch bei der größten Union-Chance durch Roussilon (71.) mit einer ganz wichtigen Rettungstat. ran-Note: 2

    Michaela Merk

  • Konrad Laimer
    Der Österreicher spielt wie gewohnt wieder hinten rechts. Versucht nach vorne anzukurbeln. Zeigt aber in der Rückwärtsbewegung bei einigen Unsicherheiten, dass er eigentlich eben kein Verteidiger ist. Geht nach 86 Minuten für Pavlovic vom Feld, weil laut Tuchel "die Wade zugemacht" hat. ran-Note: 4

    Jan Huebner

  • Matthijs de Ligt
    Der Niederländer hat hinten insgesamt wenig zu tun und bringt sich daher immer wieder vorne mit ein, scheitert aber bei seiner besten Chance per Kopf an Rönnow (6.). ran-Note: 3

    ULMER Pressebildagentur

  • Dayot Upamecano
    In der ersten Hälfte wieder auffälligster Münchner Verteidiger, der fast alle Zweikämpfe gewinnt. Verletzt sich aber kurz vor der Pause am Oberschenkel und bleibt in der Kabine. Ein Einsatz am Wochenende gegen Augsburg scheint ausgeschlossen. ran-Note: 3

    Eibner

  • Raphael Guerreiro
    Trotz seiner zuletzt schwachen Leistung bleibt er in der Anfangsformation, weil er den formschwachen Alphonso Davies links hinten ersetzt. Viel in Bewegung, auch wenn ihm nicht alles gelingt. Erzielt dann nur 30 Sekunden nach Wiederanpfiff herrlich per Außenrist den erlösenden Führungstreffer. Gewinnt zudem alle seine Zweikämpfe und hat den meisten Ballbesitz. ran-Note: 2

    Eibner

  • Joshua Kimmich
    Der Nationalspieler versucht vor allem keine Räume in der Rückwärtsbewegung entstehen zu lassen. Nach vorne aber fast keine Impulse. ran-Note: 4

    ULMER Pressebildagentur

  • Leon Goretzka
    Nach seiner guten Vorstellung nach Einwechslung gegen Bremen kehrt der Ex-Schalker wie erwartet in die Startelf zurück. Gute Schusschance in der Nachspielzeit der ersten Hälfte, scheitert zudem mit Kopfball am guten FCU-Keeper Rönnow (81.). Vor allem defensiv solide, aber ohne zu glänzen. ran-Note: 3

    ULMER Pressebildagentur

  • Leroy Sane
    Der Nationalspieler rochiert mit Coman und kommt meist über die von ihm weniger geschätzte rechte Seite. Hat die erste Chance, zielt aber drüber (3.). Auch danach nicht immer zielsicher, so segelt eine Ecke ins Niemandsland (37.). In der 45. Minute verfehlt er haarscharf das Tor. Provoziert nach Gerangel mit Bjelica Rot für den Union-Coach (75.), kommt selber mit Gelb davon. ran-Note: 3

    MIS

  • Jamal Musiala
    Wirkt in der zerfahrenen ersten Halbzeit etwas überfordert damit, das lahmende Offensivspiel der Bayern im Alleingang auf Touren zu bringen. Nach der schnellen Führung etwas befreiter, aber weit entfernt von Galaform. Macht nach 76 Minuten Platz für Müller. ran-Note: 3

    Matthias Koch

  • Kingsley Coman
    Der Rechtsfuß agiert auf dem ungewohnten linken Flügel und hat viele Aktionen, unter anderem zwei gute Torabschlüsse (11., 23.). Allerdings misslingt ihm auch einiges, zahlreiche Flanken gehen an Freund und Feind vorbei. Nach 75 Minuten gegen Tel ausgewechselt. ran-Note: 4

    kolbert-press

  • Harry Kane
    Beißt sich an der rustikalen Union-Abwehr um Voigt und Knoche lange die Zähne aus. Nach dem Wechsel sofort hellwach, aber mit Pech, auch wenn Guerrero seinen Lattenkracher zum 1:0 vollendet (46.). Neun Minuten später wird das vermeintliche 2:0 wegen Abseits vom VAR revidiert, kurz vor Schluss trifft er den Ball aus bester Position nicht richtig (85.). ran-Note: 4

    Jan Huebner

  • Eric Dier
    Der Winter-Neuzugang aus Tottenham ersetzt Upamecano nach der Pause in der Innenverteidigung und führt sich wenig später mit einem erfolgreichen Tackling ein (53.). Danach sicherer Auftritt bei seinem Debüt, da ihn die Gäste-Offensive auch selten fordert. ran-Note: 3

    kolbert-press

  • Mathys Tel
    Der Routinier kommt nach 76 Minuten für Musiala in die Partie und verpasst aus kurzer Distanz das 2:0 (85.). Ansonsten unauffällig. Ohne Bewertung

    Eibner

  • Thomas Müller
    Der Franzose ersetzt ebenfalls nach 76 Minuten seinen Landsmann Coman, hat diesmal aber keine nennenswerten Szenen mehr. Ohne Bewertung

    2024 Getty Images

  • Aleksandar Pavlovic
    Der gebürtige Münchner kommt nach 86 Minuten für Laimer und hilft mit, den wichtigen Dreier über die Zeit zu bringen. Ohne Bewertung

    Eibner


Union-Führung muss handeln

Denn sie müssen entscheiden, ob Bjelicas Abwesenheit an der Seitenlinie noch zu verkraften oder eine entscheidende Schwächung im Abstiegskampf ist.

Bei einer längeren Sperre wären die Eisernen hingegen zum Handeln gezwungen gewesen, auch wenn der Nachfolger von Urs Fischer erst seit zwei Monaten an der Alten Försterei im Amt ist.

Doch selbst wenn die Berliner an ihrem Coach festhalten, hat er keine große Zukunft mehr in Köpenick, denn jeder weitere Rückschlag könnte das Aus bedeuten - zumal es schon jetzt Kritik aus der Mannschaft an Bjelicas Führungsstil geben soll.

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Union-Legende Baumgart steht parat

Was auch gegen Bjelica spricht und den Verantwortlichen in Köpenick in die Hände spielt: Union-Legende Steffen Baumgart steht parat und würde von den Fans mit Begeisterungsstürmen empfangen werden.

Nach seinem Aus in Köln hatte Baumgart, der derzeit auf Kuba Urlaub macht, erklärt, er könne sich ab Ende Januar eine Rückkehr auf den Trainerstuhl vorstellen.

Sollte es tatsächlich so kommen, wäre das extrem bitter für Bjelica. Er hätte sich das schnelle Aus als Bundesliga-Trainer nach nur sieben Spielen aber komplett selbst zuzuschreiben.

Denn sein Verhalten in München war eines Bundesliga-Trainers unwürdig. Die Tage Bjelicas in Berlin sollten daher gezählt sein.

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