Fußball
DFB-Team - "Mia san mia"-Erfinder und Co-Trainer: Wer ist Klopp-Berater Marc Kosicke?
Veröffentlicht:
von Gianluca Fraccalvieri, Justin Kraftran Fußball
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Jürgen Klopp hat in Person von Marc Kosicke seinen langjährigen Berater mit zum DFB gebracht, dem in Zukunft viele Privilegien eingeräumt werden. Doch wer ist der Schattenmann des neuen Bundestrainers?
Die Vorstellungs-PK am vergangenen Freitag machte umgehend deutlich, welchen Stellenwert Marc Kosicke für Jürgen Klopp besitzt. DFB-Präsident Bernd Neuendorf erklärte, dass Kosicke "eng angebunden in den Verband" sei und Zugang "bis hoch in mein Büro" habe. Was genau seine Aufgaben dabei sein werden, ist aktuell noch sehr unklar.
Neuendorf bezeichnete ihn als einen "externen Mitarbeiter", bei dem alle "organisatorischen Dinge für das gesamte Trainerteam" in Zukunft zusammenlaufen werden. Klopp sprach vage vom "Co-Trainer für Strategie, Entwicklung und Innovation".
Sicher ist zunächst lediglich, dass der ehemalige Marketing-Direktor von Nike zum ganz engen Kreis des neuen Bundestrainers gehört. "Es war ganz klar, dass die beiden so eng miteinander verwoben sind, dass sie nur im Paket zu haben sind“, machte auch Neuendorf klar.
Wie Kosicke zu Jürgen Klopp kam
Marketing-Direktor ist Kosicke dabei schon lange nicht mehr. Jahrelang verhandelte er für die Sportartikelriesen adidas und Nike Werbedeals mit Stars wie Roger Federer oder Dirk Nowitzki, ehe er 2007 seine Berateragentur "Projekt B" gründete, die heute "Project Five" heißt.
Seine Vision: "Die Idee war, sich um Führungspersönlichkeiten im Sport zu kümmern", erklärte Kosicke, der erkannte, dass nur Spieler von Beratern vertreten wurden. Eins kam dann zum anderen und die Symbiose mit dem heutigen Bundestrainer war geboren. "Ich hatte Glück, dass Jürgen Klopp dachte, das sei eine gute Idee", erinnerte er sich.
Seither scheinen die beiden unzertrennlich und arbeiteten über Klopps Stationen beim BVB und in Liverpool zusammen. Auch bei den Verhandlungen um den Job als Bundestrainer in New York saß Kosicke natürlich mit am Tisch.
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Eine der erfolgreichsten Berater-Agenturen des Landes
Bekannt ist über ihn jedoch nur wenig. Interviews gibt er selten, zudem scheut er auch die meisten öffentlichen Auftritte. Er arbeitet im Hintergrund, versteht sich offenbar mehr als Strippenzieher denn als Mann der großen Worte.
Im Stillen baute er so eine der erfolgreichsten Berater-Agenturen des Landes auf, die mittlerweile unzählige Athletinnen und Athleten vertritt. Dazu gehören Sandro Schwarz, David Wagner oder Heiko Vogel, interessanterweise beriet die Agentur bis 2021 auch Klopps Vorgänger Julian Nagelsmann. Hinzu kommen Top-Sportler wie Handballer Juri Knorr, Zehnkämpfer Niklas Kaul oder auch TV-Moderator Sven Voss.
Marc Kosicke brachte dem FC Bayern das "Mia san mia"
Aber auch andere Größen des Fußballs kennt Kosicke gut, unter anderem Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß, den er 2008 auf einem Flug kennenlernte. Auch zwischen den beiden schien die Chemie sofort zu stimmen, im selben Jahr beauftragte er Kosicke nämlich damit, einen neuen Slogan für das Verbundenheitsgefühl der Münchner zu entwickeln.
Das Ergebnis der vierwöchigen Zusammenarbeit einer etwa achtköpfigen Arbeitsgruppe: Der Slogan "Mia san mia", der seither unzertrennlich mit dem FC Bayern verbunden ist.
"Sie haben das Selbstverständnis jeden Tag gelebt, aber wussten nicht, wie es heißt", erklärte Kosicke später. "Es war schon da, ich habe es aufgeweckt."
Wohl volle Konzentration auf den DFB
Nun soll er also beim DFB eine wichtige Rolle einnehmen. Bei besagter PK saß der Klopp-Berater in der ersten Reihe neben Rudi Völler und DFB-Generalsekretär Holger Blask.
Symbolwirkung? Viel ist über seine neue Rolle noch nicht bekannt. Einige Medien, darunter das "ZDF", berichten, dass Kosicke seine Tätigkeit in seiner Berateragentur beenden wird.
Bekannt ist aus der Vergangenheit derweil, dass Klopp sich gern mit vielen Experten aus unterschiedlichen Bereichen umgibt. Die Zusammenarbeit zwischen Klopp und Kosicke habe bisher vor allem deshalb so gut funktioniert, weil jeder den anderen in seiner Kompetenz schätze, erklärte der Berater mal.
Klopp kündigte an, dass er jeden Stein umdrehen wolle, um zu sehen, was sich darunter befindet. Mit Kosicke hat er jemanden an seiner Seite, dem er zutraut, die richtigen Dinge zu hinterfragen und anzupacken.
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Kosicke als Indiz für die überfällige DFB-Reformation?
Kosicke gilt selbst als gut vernetzt und er weiß, welche Strukturen es braucht, um eine Organisation erfolgreich zu führen. Und er kennt den DFB bereits sehr gut.
Von 2004 bis 2022 hatte er nämlich auch Oliver Bierhoff beraten, der zunächst als Teammanager und später als Direktor für das DFB-Team arbeitete. Mit Bierhoff gründete er 2007 auch die Agentur "Projekt B".
Als externer Mitarbeiter wird es spannend zu sehen, wie explizit sein Einfluss auf den Verband tatsächlich sein wird. Dass er auf Klopp großen Einfluss hat, ist offensichtlich – und der wiederum wird sich in den Verhandlungen viele Freiheiten für Veränderungspotenziale im Verband gesichert haben.
Kosicke ist ein weiteres Indiz dafür, dass die überfällige Reformation des DFB jetzt beginnen könnte. Wenngleich die Vergangenheit gezeigt hat, dass schon einige mit diesem Versuch gescheitert sind.
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