WM 2026
WM 2026: Ausgerechnet Kap Verde zeigt, dass sich nicht alles um Europa dreht - Kommentar
Veröffentlicht:
von Justin Kraftran Fußball
WM 2026: Nächster Gegner für DFB-Team? Amiri angriffslustig
Videoclip • 02:01 Min
Viel wurde über die Aufblähung der WM 2026 auf 48 Teams diskutiert. Nach ein paar Tagen zeichnet sich ab, dass die Kritik einen wichtigen Aspekt heruntergespielt hat. Ein Kommentar.
Christoph Kramer sorgte im vergangenen Jahr für Aufsehen. "Nur 16 aus Europa? Das ist ja eigentlich nix, oder?", fragte der TV-Experte im "ZDF" am Rande des 6:0-Siegs des DFB-Teams gegen die Slowakei.
Als "Fußballhauptstadtkontinent" bezeichnete er Europa: "Ich finde es krass, dass wir in Europa nur 16 Teilnehmer haben. Jetzt ist Italien vielleicht nicht dabei und Kap Verde ist dabei, oder was?"
Ein Rant, der nicht allzu gut gealtert ist. Ebenso wie manche Kritik, die vor allem aus Europa geäußert wurde, als bekannt wurde, dass die FIFA die WM 2026 erstmals auf 48 Teams erweitert.
Um das gleich vorwegzunehmen: Belastung, Kommerzialisierung und die Entwertung der Gruppenphase durch zu viele Gruppendritte, die trotz überschaubarer Leistungen weiterkommen, sind valide Kritikpunkte.
Und trotzdem wurde die Debatte auf unserem Kontinent mindestens ein bisschen zu einseitig und auch ein bisschen zu arrogant geführt.
Eurozentrische Perspektive nennt man das. Alles dreht sich um uns. Ausgerechnet Kap Verde hat nun als herausragendes Beispiel von sehr vielen gezeigt, dass sich eben nicht alles um Europa dreht.
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WM 2026: Die kleinen Nationen schreiben die besten Geschichten
Mit dem heroischen 0:0 gegen Spanien sorgten sie bereits für Aufsehen – und für besondere Geschichten. Sei es durch Torhüter Vozinha, der auf Instagram mittlerweile mehr Followerinnen und Follower hat als Manuel Neuer oder durch Sidney Cabral, der einst in der 3. Liga bei Viktoria Köln kickte, um in wenigen Jahren auf diese Bühne zu kommen.
Wer in die Augen der Fans geschaut hat, die über die beiden Tore gegen Uruguay jubelten, als das kleine Land die Leistung aus dem ersten Spiel bestätigte und sogar noch die berühmte Schippe drauflegen konnte, kann kaum unberührt davon gewesen sein. Diese Emotionen, die in solchen Momenten entstehen, können viele europäische Fans gar nicht nachempfinden.
Und es ist ja nicht nur Kap Verde. Die DR Kongo holt mit dem ersten Treffer der eigenen WM-Geschichte ein 1:1 gegen Mitfavorit Portugal. Usbekistan, Jordanien und Curacao sind wie Kap Verde erstmals bei einer Weltmeisterschaft dabei. Und sie alle zeigen, dass sie dort nicht zu Unrecht sind.
Curacao kam nach der hohen Niederlage gegen Deutschland eindrucksvoll mit einem 0:0 gegen Ecuador zurück. Kantersiege gegen kleine Nationen sind ohnehin bei dieser WM eher die Ausnahme als die Regel. Das sportliche Niveau hat im Vergleich zu vorherigen Turnieren sicher nicht gelitten.
Und manch kleine Nation wie Haiti rennt sogar gegen Brasilien offensiv an – wenngleich etwas naiv und am Ende mit einem 0:3 als Resultat.
Diese Weltmeisterschaft lebt von den vielen Geschichten, die durch jene Nationen geschrieben werden, die Menschen wie Kramer gern nicht dabeigehabt hätten, um eine große Fußball-Nation wie Italien zu hofieren.
Dann lieber Kap Verde.
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