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Aus vs. Paraguay

WM 2026 - Julian Nagelsmann und das Debakel des DFB-Teams: Die lange Fehlerliste des Bundestrainers

Veröffentlicht:

von Martin Volkmar

ran Fußball

DFB-Team: Nagelsmann denkt nicht ans Aufhören nach WM-Blamage

Videoclip • 06:26 Min


Nach dem dritten WM-Debakel in Folge fokussiert sich die Kritik auf Julian Nagelsmann. Daran hat der Bundestrainer mit zahlreichen Versäumnissen großen Anteil. Die ran-Analyse.

Von Martin Volkmar

Rudi Völler hat immer gut zugehört, wenn sein Lehrmeister Otto Rehhagel seine Fußball-Weisheiten unters Volk brachte.

Eine seiner liebsten Phrasen: "Wer gewinnt, hat Recht."

Ein Spruch, der bestens zum Ultra-Pragmatiker Völler passt – der den DFB-Sportdirektor und vor allem Julian Nagelsmann nach dem WM-Debakel der deutschen Nationalmannschaft nun aber einholt.

Denn der Bundestrainer hat bei der Endrunde alles verloren – und somit keine Argumente mehr für seine vielen mindestens umstrittenen Entscheidungen.

ran nennt die lange Fehlerliste

WM 2026: Manuel Neuers unnötiges Comeback

Mit der fragwürdigen und schlecht kommunizierten Rückkehr des letzten Weltmeisters von 2014 ging Nagelsmann ein unnötiges Risiko ein, schließlich gab es nach Oliver Baumanns souveränen Leistungen in der WM-Qualifikation überhaupt keinen Grund für den Last-Minute-Wechsel im Tor.

Und trotz Neuers ordentlicher Leistung gegen Paraguay bestätigte die WM die Erkenntnisse der Bundesliga-Saison, dass der 40-Jährige lange nicht mehr in einstiger Weltklasseform ist und die Gegner schon gar nicht mehr vor ihm erblassen.

Im Gegenteil: In den ersten drei Spielen war jeweils der erste Schuss ein Treffer, von der von Nagelsmann gefeierten "Aura" war nichts zu spüren.

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DFB-Team: Joshua Kimmichs Entwertung als Rechtsverteidiger

Die vermutlich am meisten diskutierte Personalentscheidung, Joshua Kimmich statt auf seiner Stammposition im Mittelfeld-Zentrum nach rechts hinten zu setzen, war gleich aus mehrfacher Hinsicht die vermutlich größte Fehlentscheidung.

Vor allem, weil sich schon im zweiten Spiel gegen den Elfenbeinküste-Flügelflitzer Yan Diomande bestätigte, dass dem 31-Jährigen Schnelligkeit und defensive Stärken für diese Rolle fehlen - was danach nicht besser, sondern eher schlechter wurde.

Gleichzeitig beraubte der Bundestrainer so Kimmich seiner größten Stärke als Antreiber, Ballverteiler und Spielmacher, obwohl er damit die ganze Saison über beim FC Bayern geglänzt hatte.

Somit fehlte sowohl hinten als auch im Zentrum, wo Felix Nmecha und vor allem Aleks Pavlovic weit von der Bestform entfernt waren, Stabilität und Sicherheit. Gleichzeitig verlor Kimmich Einfluss aufs deutsche Spiel und damit zunehmend an Selbstvertrauen.

Dass Nagelsmann ihn dann gegen Paraguay nach 80 Minuten und der Einwechslung von Waldemar Anton für Nmecha doch wieder in die Mitte stellte, als es eigentlich schon zu spät war, sprach Bände über den Schlingerkurs des Bundestrainers.

Nagelsmanns komplett unrunde Kaderzusammenstellung

Bei Kimmich hatte man zudem den Eindruck, dass Nagelsmann auch mit dem Verzicht auf einen echten Rechtsverteidiger wie Ridle Baku im WM-Aufgebot Fakten schaffen wollte. So mussten letztlich Anton und zuvor Malick Thiaw als Kimmich-Ersatz auf einer Position spielen, die sie im Verein seit Jahren nicht mehr in einer Viererkette ausgeübt hatten – und zeigten entsprechende Schwächen.

Auf links gab es mit Shootingstar Nathaniel Brown und David Raum zwar zwei Spezialisten, die aber ungeachtet ihrer offensiven Stärken beide auf Topniveau erhebliche defensive Defizite haben.

Auf den Außenbahnen sind die Alternativen in Deutschland ebenso rar wie in der Sturmspitze, trotzdem hätte ein kopfballstarker echter "Neuner" dem Team gerade bei Rückstand extrem geholfen. Oder ein "Knipser" wie U21-Torjäger Nicolo Tresoldi.

Am auffälligsten war allerdings die Fehlbesetzung im Mittelfeld, wo sich die zentralen Spieler knubbelten, so dass die meisten keine realistischen Chancen auf die Startelf hatten.

Als Außenstürmer standen nach Lennart Karls Verletzung aber nur für die rechte Seite Jamie Leweling und Leroy Sane im Kader (und linksaußen niemand), so dass die DFB-Elf nicht erst gegen Paraguay kaum in der Lage war, das Spiel über die Flügel breit zu machen.

Diese von Nagelsmann verursachte fehlende Balance wurde der Mannschaft letztlich zum Verhängnis.

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DFB-Nominierung nach potenzieller Klasse statt nach Form

Eine weitere Coaching-"Sünde" des Bundestrainers war die Ignoranz des Fußballgesetzes "Form schlägt Klasse". Denn Nagelsmann verzichtete bewusst auf zahlreiche Akteure in Topverfassung.

Die statistisch besten deutschen Abwehrspieler, Matthias Ginter vom SC Freiburg und Jeff Chabot vom VfB Stuttgart, hatten ebenso wenig eine echte Chance wie der in Italien überragende und auch links und rechts hinten einsetzbare Yann-Aurel Bisseck von Double-Sieger Inter Mailand. Gleiches galt in der Offensive für den in der Rückrunde glänzenden Chris Führich und Kölns Toptalent Said El Mala.

Stattdessen vertraute Nagelsmann auf die potenzielle Klasse von ehemaligen Leistungsträgern wie Sane, Pascal Groß und Toni Rüdiger, obwohl diese in der abgelaufenen Spielzeit ebenso wenig überzeugen konnten wie Thiaw, Nick Woltemade, Florian Wirtz oder Leon Goretzka, der in fast allen wichtigen Bayern-Spielen nur zweite Wahl war.

Erschwerend hinzu kam, dass Nmecha, Jamal Musiala, Kai Havertz und Assan Ouedraogo allesamt nach längeren Verletzungspausen noch nicht wieder in Bestform waren – insgesamt viel zu viele Ausfälle, um bei einer WM weit kommen zu können.

Nagelsmann setzt Leistungsprinzip außer Kraft

Darüber hinaus machte sich Nagelsmann auch mit seinen Personalentscheidungen an den Spieltagen angreifbar, als er trotz wenig überzeugenden Vorstellungen bis zuletzt an seiner Startelf festhielt.

Die formschwachen Sane und Pavlovic wurden ebenso wenig in Frage gestellt wie die offensiv meist ideen- und harmlosen Havertz und Wirtz. Gleichzeitig erhielt Superjoker Deniz Undav erst gegen Paraguay die Chance in der Startelf und der gegen die Elfenbeinküste nach Einwechslung überzeugende Nadiem Amiri kam sogar erst in der 110. Minute.

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DFB-Team bei der WM: Fünf Wochen tägliches Training ohne Wirkung

Nagelsmann hat sich wie die meisten Nationaltrainer in den vergangenen Jahren immer wieder beschwert, dass er in den kurzen Länderspielphasen viel zu wenig Zeit hätte, seine Mannschaft einzuspielen.

Bei der WM galt das aber nicht – doch der DFB-Chefcoach machte offensichtlich nichts daraus. Insgesamt fünf Wochen konnte er defensive wie offensive Automatismen einüben.

Zumal der Druck mindestens bis zur Pleite gegen Ecuador überschaubar war, da der Spielplan dem DFB-Team sehr entgegen kam: Start gegen den überforderten Außenseiter aus Curacao (7:1), dann der emotionale Höhepunkt mit dem Last-Minute-Erfolg über die Elfenbeinküste (2:1) inklusive vorzeitigem Gruppensieg.

Und doch musste man spätestens bei dem spielerischen Offenbarungseid gegen Paraguay das Gefühl bekommen, die Mannschaft habe selten bis nie vorher zusammengespielt. Fehlpässe, falsche Laufwege und Missverständnisse im Zusammenspiel waren die Regel, nicht die Ausnahme.

Mit wenigen Ausnahmen stimmten die Abläufe hinten wie vorne nicht, so dass der Gegner wie beim 0:1 zum Toreschießen eingeladen wurde und vorne nahezu null Torgefahr entstand.

So segelten insgesamt einschließlich der mit Ausnahme von Jonathan Tahs aberkanntem Kopfballtreffer erneut schwachen Standards 55 Hereingaben in den Strafraum des Gegners - so viele hatte noch kein WM-Teilnehmer seit Beginn der Statistikerhebung 1966 geschlagen. Doch nur zehn kamen beim Mitspieler an. Und gerade mal sechs Abschlüsse gingen aufs gegnerische Tor. Viel zu wenig.

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Nagelsmann: Wutausbrüche statt In-Game-Coaching

Mangelndes Engagement kann man Nagelsmann nicht vorwerfen, im Gegenteil. Teilweise wütete der 38-Jährige am Spielfeldrand wie ein HB-Männchen, vor allem Schiedsrichterentscheidungen brachten ihn regelmäßig auf die Palme.

Sein von Kritikern schon länger bemängeltes In-Game-Coaching brachte hingegen kaum etwas, außer nach der ersten Trinkpause gegen Curacao.

Zudem blieben viele seiner Wechsel fragwürdig oder verpufften, vor allem in den letzten beiden Spielen. Hinzu kam das vogelwilde Elfmeterschießen, bei dem der zuvor lange ignorierte und offensichtlich verunsicherte Nick Woltemade schießen sollte oder musste (und vergab) und nach dem fünften Elfmeter Kimmich die folgenden Schützen aussuchen und festlegen musste. Tah vergab einen spielentscheidenden Elfmeter - aber warum haben seine Teamkollegen den Innenverteidiger in die Position gebracht, dass er diesen schießen musste?

Besserwisserisches Auftreten von Nagelsmann

Man muss nicht jedes Wort eines Bundestrainers auf die Goldwaage legen, schon gar nicht unter dem Druck der Öffentlichkeit bei einer WM.

Trotzdem musste man sich spätestens bei der Endrunde bei Nagelsmann an eine Mischung aus Besserwisserei, Dünnhäutigkeit und Kritikresistenz einstellen.

Auffällig war das vor allem nach dem WM-Aus, was Ex-Nationalspieler Per Mertesacker nach dessen schroffem und gereizten "ZDF"-Interview deutlich kritisierte: "Das zeigt, dass wir verdient ausgeschieden sind, finde ich."

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Fazit: DFB-Team ist international nur zweitklassig

Unterm Strich hat Nagelsmann die DFB-Auswahl wieder dahin geführt, wo er sie Ende 2023 übernommen hat: In die internationale Zweitklassigkeit.

Erfolgreich war er nur in dem einen Jahr zwischen dem Umbau nach der Rückholaktion von Toni Kroos im März 2024 mit anschließender hoffnungsvoller Heim-EM sowie einer starken Nations League bis zur 3:0-Führung gegen Italien im Viertelfinal-Rückspiel im März 2025.

Es war im Nachhinein bezeichnend, dass Nagelsmann mit einem sinnlosen Dreifach-Wechsel damals seiner Mannschaft den Stecker zog und die Partie fast noch verloren gegangen wäre (3:3).

Seitdem war das kurze Momentum, in dem es die Nationalmannschaft wieder zum großen Sympathieträger geschafft hatte, dahin.

Mit Ausnahme der 6:0-Gala gegen die überforderten Slowaken zum Ende der WM-Qualifikation gab es danach keine durchweg überzeugende Leistung mehr. Und diese Negativspirale konnte auch bei der WM nicht aufgehalten werden.

Nun steht der einst so stolze deutsche Fußball nach dem dritten frühen Aus bei einer Weltmeisterschaft in Folge vor einem kompletten Scherbenhaufen.

Und Nagelsmann hat aufgrund seiner zahlreichen Fehler keinen Kredit mehr in der Öffentlichkeit für den dringend nötigen Neuanfang.

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