Weltmeisterschaft
WM 2026 - Spaniens Mikel Merino vor Frankreich-Halbfinale: Vom BVB-Bankdrücker zum "Heiligen"
Veröffentlicht:
von Tobias Wiltschekran Fußball
WM 2026: Matchwinner Merino jetzt "beliebtester Mann Spaniens"?
Videoclip • 01:37 Min
Mikel Merino ist dank seiner Joker-Tore Spaniens gefeierter Held. Beim Einzug ins WM-Finale könnte ihn aber eine bittere Episode seiner Karriere wieder einholen.
Das Gesicht des spanischen Erfolgs bei dieser WM ist nicht Lamine Yamal – zumindest noch nicht.
Der Spieler, dem die ganze Fußball-Nation bislang zu Füßen liegt, heißt Mikel Merino.
Dabei hat der 30-Jährige in Nordamerika bis zum Viertelfinale insgesamt gerade einmal 140 Spielminuten auf seinem Konto. Pro Partie macht das nur etwas mehr als 20 Minuten. Tendenz: sinkend.
Dass er im Halbfinale gegen Frankreich von seinem Trainer Luis de la Fuente wesentlich mehr Einsatzzeit bekommt, ist demnach nicht zu erwarten. Schließlich ging die Anzahl seiner Spielminuten zuletzt wieder steil nach unten: 19 gegen Österreich, fünf gegen Portugal und vier gegen Belgien.
Doch im Fußball kommt es im Endeffekt ja gar nicht darauf an, wie lange man spielt, sondern wie häufig man trifft. Und da hat im Moment bei dieser WM keiner eine so starke Quote wie der Peofi des FC Arsenal.
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Mikel Merino beendet wohl Ronaldos Länderspielkarriere
Gegen Portugal im Achtelfinale reichten ihm fünf Minuten, um die Länderspielkarriere des großen Cristiano Ronaldo mit seinem Tor zum 1:0 in der Nachspielzeit mutmaßlich zu beenden.
CR7 war allerdings nicht der erste große Name, den der gebürtige Baske ins Unglück stürzte. Wer wüsste das besser als die Deutschen?
Vor zwei Jahren war es der eingewechselte Merino, der die bis dato so euphorische Heim-EM 2024 durch sein Kopfballtor kurz vor Schluss der Verlängerung im Viertelfinale jäh beendete. Toni Kroos, Thomas Müller und Ilkay Gündogan spielten seitdem nie wieder für Deutschland.
In Spanien erinnerte die Sportzeitung "Marca" nach dem Sieg gegen Portugal auch an das deutsche Drama und kürte Merino martialisch zum "Henker der Legenden".
Gegen Belgien im WM-Viertelfinale ein paar Tage später brauchte Merino sogar nur zwei Minuten, um nach seiner Einwechslung mit dem Tor zum 2:1 wieder zum umjubelten Matchwinner zu werden.
Diesmal huldigte ihm die "Mundo Deportivo" bildgewaltig: "Spanien hat wieder einmal Glück, dass der Heilige Merino auftaucht, um ins Halbfinale zu kommen."
Das Kuriose an Merinos Erfolgsstory
Das Kuriose an dieser Erfolgsgeschichte ist, dass Merino keineswegs ein gelernter Stümer wäre, dessen Aufgabe es nun mal ist, Tore zu schießen. Ganz im Gegenteil. Er ist eigentlich als Defensivspieler ausgebildet worden. Sein erstes Länderspiel bestritt er gegen das DFB-Team im Herbst 2020 als defensiver Mittelfeldspieler.
In Deutschland machte er auch seine ersten Erfahrungen als Vereinsspieler im Ausland. Zur Saison 2016/17 wechselte er von seinem Heimatverein CA Osasuna zu Borussia Dortmund.
Unter dem damaligen Trainer Thomas Tuchel kam er jedoch überhaupt nicht zurecht. Nach nur neun Pflichtspielen, von denen er lediglich zwei über die komplette Spielzeit bestritt, kehrte er dem BVB wieder den Rücken.
Merino über Tuchel: "Weiß bis heute nicht genau, was er von mir wollte"
Dem Coach gab er damals eine Mitschuld daran, dass er über die Rolle als Bankdrücker nicht hinauskam.
"Ehrlich gesagt weiß ich bis heute nicht genau, was er von mir wollte und erwartet hat. Wir haben auch nicht oft darüber gesprochen. Das ist irgendwie ein seltsames Thema", sagte Merino nach dem Ende seiner Zeit in Dortmund der baskischen Tageszeitung "Noticias de Gipuzkoa".
Außerdem erlebte er seine Vielseitigkeit damals als Nachteil. Er habe "immer als Innenverteidiger trainiert und gespielt. Später haben sie gemerkt, dass ich auch weiter vorne spielen kann, auf der Sechs oder Acht. Dann wurde ich dort aufgestellt“, sagte er damals 20-Jährige.
Von Dortmund aus ging es später über Real Sociedad und Newcastle United zum FC Arsenal nach London, wo er in der abgelaufenen Saison den ersten Premier-League-Titel der Gunners seit 22 Jahren feierte.
Ob er auch mit den Spaniern wieder etwas zu feiern hat, entscheidet sich in dieser Woche. Sollte er sich mit der Furia Roja im Halbfinale gegen Frankreich durchsetzen, könnte es zum Finale gegen England und damit zu einem Wiedersehen mit Thomas Tuchel kommen.
Dem Trainer, der ihm diese märchenhafte Joker-Story wohl am allerwenigsten zugetraut hätte.
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