Fußball-WM 2026
WM 2026: Türkei nach Blamage gegen Australien unter Druck - Die Last der "Mond-Sterne"
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von Leopold Grünwald:newstime
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Videoclip • 01:27 Min • Ab 12
Die Türkei steht nach der Auftakt-Niederlage bei der Fußball-Weltmeisterschaft sowohl medial als auch sportlich unter Druck. Hält das Team Stand?
Das 0:0 zwischen Spanien und Kap Verde bei der Fußball-WM 2026 dürfte die türkische Nationalmannschaft mit einem gewissen Maß an Dankbarkeit zur Kenntnis genommen haben. Denn rund 36 Stunden nach dem eigenen Auftakt gehörte der Titel für die größte Blamage des Turniers nicht mehr den Türken, sondern der Furia Roja.
Selbstverständlich war die heimische Presse zu diesem Zeitpunkt auch so schon hart mit Arda Güler und Co. ins Gericht gegangen. "Wir haben Montella (Nationaltrainer Vincenzo Montella, Anm d. Red.) und die Spieler dieser Nationalmannschaft zu sehr aufgeblasen. Wir haben ihnen den Rücken gestärkt. Wir haben sie verwöhnt. 'Unsere Jungs, die Löwenjungs ...' Was haben unsere Jungs getan?", hatte etwa das Medium "Sabah" geschrieben.
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Türkei blamiert sich gegen Australien
Tatsächlich hatten die "Jungs" in der Nacht zum deutschen Sonntag einen ziemlich uninspirierten Auftritt gegen Australien hingelegt. Statt Güler, Kenan Yildiz oder Hakan Calhanoglu glänzten Bayern-Flop Nestory Irankunda und Connor Metcalfe vom Bundesliga-Absteiger FC St. Pauli mit sehenswerten Toren.
Am Ende stand so eine 0:2-Niederlage für die Türken, deren Kader mit 473,7 Millionen Euro den sechsfachen Marktwert des australischen Teams hat (Quelle: transfermarkt.de).
Die Pleite war aber nicht nur aus emotionaler Sicht enttäuschend, sondern könnte auch sportlich zum Problem für das Land vom Bosporus werden. Denn durch das Ergebnis gegen die "Socceroos" könnte das zweite Gruppenspiel gegen Paraguay (Samstag, 5:00 Uhr MESZ) schon zum Endspiel werden.
Holen die USA gegen Australien am Freitagabend (21:00 Uhr MESZ) mindestens einen Punkt, heißt es für die Türkei gegen Paraguay: Verlieren verboten. Der Grund ist einfach. Da bei der WM bei Punktgleichheit nicht das Torverhältnis, sondern der direkte Vergleich zählt, würden die "Mond-Sterne" bei diesem Szenario schon vor dem dritten Spieltag als Gruppenletzter feststehen, da die USA zuvor Paraguay bezwungen hatten (4:1).
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Türkei-Coach: "Verdienen mehr Respekt"
Dessen ist man sich auch in der türkischen Nationalmannschaft bewusst. Nationalcoach Montella versuchte vor dem Duell mit Paraguay eine Wagenburgmentalität herzustellen und griff die Kritiker an.
"Diese Mannschaft hat in den letzten drei Jahren großartige Ergebnisse erzielt, und ich finde, wir verdienen ein wenig mehr Respekt nach dem ersten Spiel, auch wenn wir es besser hätten machen können“, ärgerte sich der Italiener.
Zudem zeigte er sich vom Ausmaß des Unmuts in den Medien überrascht: "Wir haben dieses Spiel mit klarem Kopf vorbereitet, obwohl um uns herum so viel Chaos war. Ich beziehe mich nicht auf alle Medien, aber es gibt ein paar Individuen, die für Wirbel sorgen."
Damit dürfte er auch auf seinen Amtsvorgänger Fatih Terim angespielt haben, der zwar zur Unterstützung für das Nationalteam aufgerufen hatte, dem aber hinterhergeschoben hatte, dass man "nach dem Turnier jeden zur Rechenschaft ziehen" könne.
Große Hoffnungen in der Türkei
Was (wohl) beruhigend gemeint war, wurde prompt zum Bumerang für Terim. Verbandspräsident Ibrahim Haciosmanoglu antwortete auf die Aussagen mit kaum verhohlener Schärfe: "Wer jetzt über Schuldige spricht oder Andeutungen macht, trägt nicht zur Beruhigung der Situation bei."
Ruhe hin oder her: Die türkische Öffentlichkeit dürfte ihrer Nationalmannschaft nicht so schnell verzeihen, sollte schon in der Gruppenphase Schluss sein. Einerseits, weil das Weiterkommen bei einer Weltmeisterschaft durch den neuen Modus vermeintlich noch nie so einfach war, wie in diesem Jahr.
Andererseits, weil die Hoffnungen, die in die Mannschaft gesetzt werden, gewaltig sind. Neben den üblichen Blöcken von verschiedenen Istanbuler Klubs sind neun Spieler dabei, die bei Vereinen aus den fünf großen europäischen Ligen unter Vertrag stehen und dort teilweise wichtige Rollen einnehmen.
Star-gespickte Türken zum Siegen verdammt
Nach Yildiz oder Güler leckt sich im Grunde genommen der ganze Kontinent die Finger. Dazu kommen Calhanoglu, der im Mittelfeld die Erfahrung von zwei Champions-League-Endspielen mitbringt, und Shooting Star Can Uzun, der bei Eintracht Frankfurt ein Fabelsaison hingelegt hat.
Entsprechend groß waren die Erwartungen an die Türken bei der erst zweiten WM-Teilnahme seit 1954. Insofern sind die "Mond-Sterne" gegen Paraguay noch mehr als ohnehin schon zum Siegen verdammt. Zumal nicht zu erwarten ist, dass Spanien dem Team noch einmal den Gefallen tut und auch gegen Saudi-Arabien stolpert.
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