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Weltmeisterschaft 2026

WM 2026: Ticket-Chaos um 14.000 kostenlose Zugänge beim Eröffnungsspiel - es geht um 54 Millionen Euro und es droht Gewalt

Aktualisiert:

von Mike Stiefelhagen

:newstime

DFB-Team vor Abflug zur Fußball-WM

Videoclip • 01:51 Min • Ab 12


Beim Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft 2026 im Aztekenstadion zahlen 14.000 Zuschauer keinen Cent. Möglich macht das ein Versprechen aus den 1960er-Jahren. Kurz vor dem Anpfiff eskaliert der Streit mit der FIFA. Ein Funktionär wählt deutliche Worte.

Am 11. Juni 2026 eröffnen Mexiko und Südafrika die Weltmeisterschaft. Gespielt wird im legendären Aztekenstadion in Mexiko-Stadt. Für 14.000 Zuschauer ist der Eintritt dabei kostenlos. Sie müssen für ihren Platz nichts bezahlen - so ist es zumindest gerichtlich entschieden.

Der Grund liegt rund 60 Jahre zurück. Mitte der 1960er-Jahre baute Mexiko ein neues Nationalstadion. Anlass waren die Olympischen Sommerspiele 1968 und die WM 1970. Mehr als 100.000 Zuschauer sollte die Arena fassen.

Während des Baus ging dem Land das Geld aus. Die Lösung war für ein Stadion dieser Größe einmalig. Schon vor der Fertigstellung verkaufte man feste Plätze an wohlhabende Anhänger. Es waren 600 Logen mit je rund zehn Sitzen und dazu 8.000 Tribünenplätze.

Die Käufer erhielten ein außergewöhnliches Versprechen. Sie dürfen 99 Jahre lang jede Veranstaltung im Stadion besuchen. Das gilt bis zum Jahr 2065, und das ohne Zusatzkosten. Zusammen sind das rund 14.000 Plätze.

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Ob Papst, Michael Jackson oder WM – die Plätze bleiben ihnen

Die Eigentümer nennen sich "Titulares de Palcos y Plateas". Übersetzt heißt das Logen- und Tribünenbesitzer. Ihr Recht gilt bei jedem Ereignis. Es spielt keine Rolle, wer im Stadion auftritt.

Ob Club América spielt oder die Nationalmannschaft, ob der Papst eine Messe hält oder Michael Jackson ein Konzert gibt: Die 14.000 Plätze gehören immer ihnen. Auch die NFL und die WM ändern daran nichts.

Bei der WM 1970 war das für die FIFA noch kein Problem. Beim zweiten Turnier im Land verlangte der Verband 1986 dann die volle Kontrolle über alle Tickets. Er scheiterte vor Gericht.

So sahen die Besitzer auch 1986 alles gratis. Sie erlebten Diego Maradonas "Hand Gottes" gegen England. Sie bejubelten sein "Tor des Jahrhunderts". Und sie feierten den Finalsieg Argentiniens gegen Deutschland.

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54 Millionen Euro – und ein Sieg vor Gericht

2026 schreibt das Aztekenstadion erneut Geschichte. Es ist die erste Arena der Welt, die zum dritten Mal WM-Spiele austrägt. Schon jetzt hält sie mit 19 Partien den WM-Rekord. Fünf weitere kommen hinzu, darunter das Eröffnungsspiel und ein Achtelfinale.

Der alte Streit um die 14.000 Plätze flammte deshalb wieder auf. Diesmal war der Druck der FIFA und des Stadionbetreibers Ollamani größer. Die Eigentümer gründeten daraufhin einen Verband. Er heißt Asociación Mexicana de Titulares de Palcos y Plateas, kurz AMTPP.

Der Verband zog vor Gericht und bekam recht. "Unser Verband ist gegen die Pläne der FIFA und des Aztekenstadions vor Gericht gezogen und hat gewonnen", sagte Generalsekretär Roberto Ruano Ortega dem österreichischen Fußballmagazin "ballesterer". "Unsere Logen- und Tribünenplätze werden respektiert. Wir zahlen nichts."

Der Betreiber hatte der FIFA diese Plätze aber zuvor fest zugesagt. Nach dem Urteil konnte er sie nicht mehr liefern. Laut übereinstimmenden mexikanischen Medienberichten musste er dem Weltverband deshalb rund 54 Millionen Euro Entschädigung zahlen. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es nicht.

Die Drohung kurz vor dem Anpfiff

Mit dem Urteil endete der Konflikt nicht. FIFA und Betreiber setzten die Besitzer auf anderen Wegen unter Druck. Erst durften sie keine eigenen Speisen und Getränke mitbringen, obwohl das sonst erlaubt ist. Als Alternative gab es nur Catering-Pakete für 123.000 bis 262.000 Pesos, also rund 6.100 bis 13.000 Euro. Wer einzelne Plätze weiterverkaufte, dem drohte ein Bann für das ganze Turnier. Mexikanische Gerichte kippten beide Maßnahmen im Mai.

Gut eine Woche vor dem Eröffnungsspiel fehlte den 14.000 Besitzern aber noch etwas Entscheidendes. Ihre elektronischen Tickets waren bis dahin nicht angekommen. Betroffen war nach Angaben des Verbandes die gesamte Gruppe, nicht nur ein Teil. Laut Ruano Ortega hätte die Zustellung spätestens am vergangenen Freitag erfolgen müssen.

Der Funktionär wählte danach drastische Worte. "Sollten sie uns den Zutritt verweigern, reichen wir Beschwerde ein und beantragen die gerichtliche Genehmigung zum Einsatz von Gewalt", sagte er. "Die Situation könnte eskalieren."

Ruano Ortega zeigte sich trotzdem siegessicher. Die 14.000 Fans würden den WM-Auftakt am Ende gratis im Stadion verfolgen. Davon ist er überzeugt.

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Während die Welt über WM-Preise streitet

Der Fall in Mexiko trifft einen empfindlichen Nerv. Weltweit wächst der Ärger über die Ticketpreise zur WM 2026. Die FIFA setzt erstmals auf dynamische Preise. Die Kosten steigen damit je nach Nachfrage.

Bei den Topspielen sind die Folgen drastisch. Die teuersten Finaltickets kosteten zunächst rund 6.730 Dollar. Im April lag derselbe Preis schon bei 10.990 Dollar. Bei der WM 2022 in Katar kostete die teuerste Kategorie noch etwa 1.600 Dollar.

Der Protest ist entsprechend laut. In den USA prüfen die Generalstaatsanwälte von New York und New Jersey die Verkaufspraktiken rund um das MetLife Stadium. Nach der Kritik senkte die FIFA einige Preise und stellte für jedes Spiel 60-Dollar-Tickets bereit. Selbst US-Präsident Donald Trump sagte, er würde rund 1.000 Dollar für schlechte Plätze nicht zahlen.

In Mexiko-Stadt ist all das vielen Fans egal. 14.000 Zuschauer zahlen beim Auftakt keinen Cent. Ihr Recht ist älter als jede dynamische Preisgestaltung. Es wurde vor 60 Jahren gesichert.

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