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NFL: Cleveland Browns sind das Überraschungsteam der Saison - die Gründe für den Erfolg
Veröffentlicht:
von Chris LugertNFL
NFL-Highlights: Browns at Titans
Videoclip • 04:57 Min
Die Cleveland Browns stehen bei fünf Siegen nach sieben Wochen und sind zweifellos das Überraschungsteam der Saison. Doch sind die Browns wirklich plötzlich gut? Oder gibt es Umstände, die das Team stärker erscheinen lassen, als es wirklich ist? Eine Analyse.
Eigentlich begann die NFL-Saison 2026 für die Cleveland Browns so, wie die meisten Fans und Experten es erwartet und befürchtet hatten.
In Woche eins gingen die Browns bei den Jacksonville Jaguars mit 10:34 unter. Die einhellige Meinung damals: Quarterback Deshaun Watson bekommt noch das Auswärtsspiel bei den Tampa Bay Buccaneers, danach übernimmt Shedeur Sanders.
Doch es sollte anders kommen. Völlig überraschend gewannen die Browns in Florida und surfen seither auf einer Welle des Erfolgs. Von den vergangenen sechs Spielen wurden fünf gewonnen, am Sonntag gab es ein 27:24 bei den Tennessee Titans. Cleveland liegt mit einer 5-2-Bilanz an der Spitze der AFC North. Statt um einen Top-5-Pick für den kommenden Draft mitzuspielen, scheinen sogar die Playoffs plötzlich denkbar.
Wie ist dieser Umschwung zu erklären? Welche Rolle spielt der eigentlich schon abgeschriebene Watson? Und sind die Browns tatsächlich bereit für die Postseason? ran blickt einmal genauer auf den Status quo in Ohio.
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Offseason der Browns: Erst Chaos, dann starker Draft
Zunächst ein Blick zurück in den Frühling und den Beginn der Offseason. Nach einer Saison mit fünf Siegen und zwölf Niederlagen trennten sich die Browns von Head Coach Kevin Stefanski, als Nachfolger wurde Todd Monken verpflichtet. Diese Wahl stieß allerdings nicht überall auf Zustimmung, auch nicht intern.
Defensive Coordinator Jim Schwartz hatte sich selbst Hoffnungen gemacht, zum Cheftrainer befördert zu werden, und trat - offenkundig in seinem Stolz gekränkt - zurück. Es war ein Schauspiel, das zu den Browns passte. Zumal Monken kein Kandidat war, der für Aufbruchstimmung sorgte. Der 60-Jährige war zuvor noch nie Head Coach in der NFL gewesen.
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Allerdings war er drei Jahre lang Offensive Coordinator und offensiver Playcaller der Baltimore Ravens und brachte dort mit Quarterback Lamar Jackson eine durchaus spektakuläre Unit aufs Feld. Und wenn sich die Browns-Fans nach etwas sehnten, dann nach offensivem Football. Die Voraussetzungen gerade auf der Quarterback-Position waren allerdings alles andere als rosig.
Die Besetzung der Quarterback-Position änderte sich auch durch den Draft im April nicht, sieht man einmal von Sechstrunden-Pick Taylen Green ab, der als reines Prospect geholt wurde. Stattdessen sorgten die Browns auf anderen Positionen für Verstärkung.
In KC Concepcion und Denzel Boston wurden zwei der vielversprechendsten Wide Receiver der gesamten Klasse gepickt. Zudem zogen die Browns gleich an neunter Stelle Tackle Spencer Fano, der die Offensive Line perspektivisch deutlich verbessern soll. Insgesamt flossen acht der zehn Browns-Picks in die Offense - ein klares Signal, wo die Schwächen ausgemacht wurden.
Die Draft-Strategie der Browns wurde weitestgehend positiv gesehen, Cleveland galt als einer der Gewinner der Talenteziehung. Zwar kochte General Manager Andrew Barry nicht wie Sonny Weaver Jr. in "Draft Day", die Browns-Fans waren aber dennoch happy.
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Defensive trägt die Browns - aber wohin?
Wenn da nicht die weiterhin ungelöste Quarterback-Frage gewesen wäre. Eigentlich schien es klar, dass Watsons Zeit in Cleveland vorbei ist und Sanders der Starter wird. Doch im Laufe des Training Camps kristallisierte sich immer deutlicher heraus, dass Watson für Monken die bessere Lösung ist. Als der Veteran schließlich in der Preseason von den eigenen Fans aus dem Stadion gebuht wurde, schien das Chaos perfekt.
Doch auch in der NFL gilt: Gute Ergebnisse sind das beste Gegenmittel für schlechte Laune. Und die Browns liefern. Dabei ist die Offense jedoch weiterhin keine Stärke, trotz Monken und der vielen Neuzugänge. Nach Expected Points Added pro Spielzug liegt Cleveland auf Platz 27 der Liga, nach Success Rate auf Platz 26. Die bislang 299,4 Yards pro Spiel bedeuten Platz 24 in der NFL. Dabei sind Lauf- und Passspiel in etwa gleich gut (bzw. schlecht).
Und auch Watson spielt individuell okay, aber keineswegs herausragend. Sein Passer Rating von 90,6 ist unteres Liga-Mittelfeld unter allen Startern, nach sieben Spielen steht er erst bei sieben Touchdown-Pässen. Sein Adjusted Quarterback Rating von 43,8 (maximal 100) führt ihn auf Platz 27 von 32 für die Liste qualifizierten Quarterbacks. Woher kommen also die fünf Siege aus sieben Spielen?
Es ist die Defense, die wie schon unter Schwartz die Browns trägt. Und das auch ohne Superstar Myles Garrett. Denn dessen Abgang war ein weiterer einschneidender Moment der Offseason. Der 30-Jährige wechselte im Rahmen eines Blockbuster-Trades zu den Los Angeles Rams, im Gegenzug kam - neben diversen Picks - auch Pass Rusher Jared Verse nach Ohio.
Nach Advanced Stats verfügen die Browns trotz dieses schwerwiegenden Verlusts auch in dieser Saison über eine Top-10-Defense. Mit 318,1 zugelassenen Yards pro Spiel liegt die Franchise auf dem zwölften Platz. Das Markenzeichen: Auch ohne Garrett schaffen es die Browns zuverlässig, den gegnerischen Quarterback unter Druck zu setzen. Die Pressure Rate von 36,2 Prozent wird nur von drei Teams übertroffen, 20 Sacks bedeuten Platz sechs in der NFL.
Deshaun Watson spielt okay, aber nicht herausragend.
Bild: ZUMA Press Wire
Der Schein bei den Browns trügt
Doch stellt sich auch immer die Frage, gegen welche Gegner - und in diesem Fall: Offenses - diese Werte zustande kamen. Gegen die Jaguars zum Saisonauftakt bekamen die Browns defensiv keinen Zugriff. Es war zugleich das einzige Spiel, das Cleveland bislang gegen eine Top-10-Offense bestreiten musste - nimmt man die Baltimore Ravens heraus, die ohne Jackson spielten.
Wie gut sind die Browns defensiv also wirklich? Der Spielplan meint es bisher weiterhin gut mit dem Team. Abgesehen von den beiden ausstehenden Spielen gegen die Cincinnati Bengals und dem Rückspiel gegen die Ravens, die dann wohl wieder auf Jackson zurückgreifen können, warten bis Saisonende nur Gegner, die offensiv - nett formuliert - nicht für Angst und Schrecken sorgen.
Gleichzeitig hatten die Browns in dieser Saison bislang auch das Spielglück auf ihrer Seite. Alle fünf Siege waren am Ende äußerst eng, der "deutlichste" Erfolg waren die vier Punkte Differenz beim Auswärtssieg gegen die Tampa Bay Buccaneers. Die vergangenen beiden Spiele gegen die Ravens und die Titans wurden jeweils durch ein Field Goal von Kicker Andre Szmyt mit auslaufender Uhr gewonnen.
Da das Spiel gegen die Jaguars so deutlich verloren ging, stellt sich aktuell die kuriose Situation dar, dass die Browns die AFC North mit einer klar negativen Punktedifferenz anführen. Und noch kurioser: Alle drei Division-Rivalen stehen bei einer positiven Punktedifferenz, aber einer entweder gleichen oder schlechteren Bilanz.
Auf einem stabilen Fundament steht der Erfolg der Browns derzeit also nicht. Es ist eine Mischung aus Spielplan, Spielglück, einer starken Defense und einer Offense, die aktuell immer die nötigen Mittel findet, um mehr Punkte zu erzielen als die Gegner.
Andre Szmyt kickte die Browns zweimal in Folge zum Sieg.
Bild: Icon Sportswire
Cleveland Browns: Titans-Sieg macht Hoffnung und Sorge zugleich
Wobei der Sieg gegen die Titans die offensiv bislang mit Abstand beste Saisonleistung war und womöglich ein Fingerzeig, wohin es gehen kann. Nicht nur knackte Watson erstmals in dieser Saison die Marke von 300 Passing Yards, auch das Laufspiel funktionierte besser als zuvor. Die Rückkehr der beiden Running Backs Quinshon Judkins und Dylan Sampson gab Monken neue Möglichkeiten.
Am Ende standen fast 500 Offensive Yards für die Browns zu Buche, Concepcion hatte mit 129 Yards sein Breakout Game. Im Gegenzug schwächelte jedoch die Defense ausgerechnet gegen eine der schwächsten Offenses der Liga. Vor allem gegen das Laufspiel von Tennessee mit Running Back Tony Pollard fanden die Browns kaum Antworten. Doch bislang gilt: Schwächelt die eine Unit, ist die andere zur Stelle.
Ob diese Mischung wirklich für die Playoffs reicht? Die Bengals und die Ravens dürften im Saisonverlauf noch an Cleveland vorbeiziehen, zu stark sind die beiden Teams in Bestbesetzung schlichtweg besetzt. Wenn, dann geht es wohl nur über eine Wildcard. Am nächsten Spieltag wartet bereits das Rückspiel bei den Steelers, das richtungsweisend für die weitere Saison sein könnte.
Gewinnen die Browns in Pittsburgh und "sweepen" den Division-Rivalen, kann sich der Blick endgültig nach oben richten. Dann ist Cleveland womöglich sogar ein Kandidat, um Richtung Trade Deadline noch etwas auf der Zugangsseite zu machen. Geht das Spiel aber verloren, ziehen die Steelers vorbei. Dann könnte die Herrlichkeit der Browns-Saison auch ganz schnell enden.
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