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NBA Finals: Victor Wembanyamas Schonfrist ist vorbei - das Alien als Reizfigur
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von Ole Frerksran Mehr Sport
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Victor Wembanyama durchläuft die meisten Entwicklungsschritte schneller als der gewöhnliche NBA-Superstar – und hört damit auch in seinen ersten Finals nicht auf. Schon jetzt ist der 22-Jährige auf dem besten Wege, zur Reizfigur zu werden. Das scheint ihn allerdings kaum zu stören.
Die allermeisten Karrieren in der NBA beginnen mit einer Art Schonfrist. Kommt ein künftiger Star in die Liga, wird für eine Weile deutlich mehr auf das geachtet, was gut und besonders ist, ehe die Stimmung irgendwann unweigerlich kippt. Dann überwiegt erst einmal die Kritik, zum Teil die Abneigung.
Wenn es sich um wirklich besondere Spieler handelt, dreht sich das zu einem späteren Zeitpunkt erneut … der Punkt aber ist, dass kein Superstar der Historie von Anfang bis Ende universell geliebt wurde. Kein Stephen Curry, kein LeBron James. Erst recht kein Kobe Bryant. Und auch kein Michael Jordan.
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Bei Victor Wembanyama läuft bisher nahezu die gesamte Karriere im Schnelldurchlauf ab – entsprechend nimmt der Franzose mit seinen gigantischen Schritten auch diese Stufen schnell, vielleicht schneller als jeder andere. Es ist nicht lange her, dass er so etwas wie jedermanns Liebling war, das künftige, freundliche (extraterrestrische) Gesicht der Liga.
Niemand kann diesen Status jedoch lange behalten. Es wäre auch kaum erstrebenswert für jemanden, der so offensichtlich der Beste seiner Zunft sein will. Weshalb es Wemby kaum stören dürfte, dass seine universelle Beliebtheit gerade auf die Probe gestellt wird; er wird wissen, dass dieser Wandel zu der Aufstiegsgeschichte jedes Superstars schlichtweg dazugehört. Zumal Hass ein Zeichen des Respekts ist, gewissermaßen.
Victor Wembanyama: Er steckt nicht nur ein
Nicht, dass Wemby nun auf einmal fast überall Feinde hätte wie, nun, Oklahoma City. Es sind aber definitiv auch nicht mehr überall Freunde. Nicht in New York, aber auch an vielen anderen Orten nicht (mehr), die Liste dürfte mit jedem Playoff-Sieg der Spurs ein kleines bisschen größer geworden sein. Was nicht nur an den guten Leistungen gelegen hat.
Wembanyama ist, simpel gesagt, kratzbürstig. Er hat (spätestens) im Zuge dieser Postseason gelernt, dass er aufgrund seiner Maße vielleicht mehr einstecken muss als jeder andere NBA-Spieler, dass für ihn etwas andere Regeln gelten. Wenn es ihm vorher nicht bewusst war, haben es ihm vor allem Minnesota und OKC klar aufgezeigt.
Er hat nicht lange damit gewartet, sich zu wehren – offensichtlich soll niemand auf die Idee kommen, ihn für einen der stereotypischen "soften Europäer" zu halten, über die sich der gemeine US-Spieler früher gern lustig machte.
In der zweiten Runde packte er gegen Naz Reid einen Ellbogenschlag aus, für den er ein Flagrant-2 bekam, aber keine darüberhinausgehende Sperre (oder Geldstrafe). Gegen OKC soll er zum Start der Garbage Time Backups dazu angestachelt haben, gegnerische Spieler hart zu foulen und womöglich zu verletzen.
NBA, Basketball Herren, USA Finals Game 3 - San Antonio Spurs at New York Knicks Victor Wembanyama (C) of the San Antonio Spurs and Karl-Anthony Towns (3-R) of the New York Knicks jump for the opening tip-off of Game 3 of the NBA Finals at Madison Square Garden in New York, New York, USA, 08 June 2026. NEW YORK NEW YORK UNITED STATES PUBLICATIONxINxGERxAUTxINDxONLY Copyright: xSARAHxYENESELx
Bild: EPA
Wembanyama: Der nächste Antagonist
In Spiel 3 der Finals kam nun ein offensichtlicher ziemlich unsportlicher Schubser gegen Jalen Brunson hinzu, nach einer ähnlich kritischen Aktion gegen Jose Alvarado in Spiel 2. Bei beiden Aktionen wurden nicht einmal normale Fouls abgepfiffen – zum Teil scheint es, als würden für Wemby auch in dieser Hinsicht andere Regeln gelten. Auch bei der Untersuchung nach dem Spiel wurde die Aktion nicht als Flagrant bewertet; kein Wunder, ein weiterer Flagrant-Punkt hätte ihm automatisch ein Spiel der Finals gekostet, und das kann die NBA kaum wollen.
Es häufen sich solche Aktionen, die ihm außerhalb San Antonios wenig Freunde machen dürften. Erst recht nicht natürlich in New York, wo er bereits im zweiten Viertel von Spiel 3 "Fuck You, Wemby!"- und "Overrated!"-Rufe hören durfte; diese Stadt liebt es bekanntermaßen, zu hassen. Sie hasste Brady, Jordan, Reggie Miller …
Ist Wemby nun der nächste große Antagonist? "Ich schätze ja", antwortete der 22-Jährige nach Spiel 3 selbst auf diese Frage. "Ich bin aber längst nicht auf Trae Youngs Level." Was sich jedoch in naher Zukunft ändern könnte, sollte es den Spurs und Wemby gelingen, die Knicks tatsächlich in Bedrängnis zu bringen. Young und die Hawks haben die Knicks 2021 eliminiert und dabei verhöhnt; die Spurs liegen noch immer mit 1-2 hinten.
Es ist ja eine Sache für gegnerische Fans, den Kampf des Superstars anzuerkennen, wenn dieser wie in Spiel 2 in der zweiten Hälfte alles versucht, am Ende aber scheitert und dabei auch noch den größten individuellen Fehler seiner bisherigen Karriere produziert, den Horror-Pass auf Stephon Castle. Wenn er die Knicks aber noch öfter schlägt, was geschieht dann?
NBA Finals: Spurs-Star ist das volle Paket
Spiel 3 folgte in gewisser Hinsicht den ersten beiden Spielen der Serie, da erneut San Antonio besser startete, das Spiel am Ende trotzdem richtig knapp wurde, kaum ein Blatt zwischen beide Teams passte. Das Spiel markierte womöglich dennoch einen Wendepunkt, da diesmal die Spurs am Ende gewannen. Und da Wemby erstmals in der Serie so richtig aussah wie Wemby.
Häufiger als zuvor schafften es die Spurs, ihren besten Spieler in Korbnähe abschließen zu lassen. Häufiger als zuvor sorgte er auch selbst dafür, mit deutlich physischeren Screens, die echte Lücken in die Defensive rissen. Er verschaffte den Guards und auch sich selbst dadurch Räume, die vorher nicht da waren.
16 seiner 32 Punkte markierte Wembanyama in der Zone. Der Dreier war auch ein Faktor, aber nicht im Übermaß. Fast immer fand Wemby entweder selbst einen guten Abschluss (11/18 FG) oder spielte den Ball sauber weiter, vermied die Fehler aus den vorigen Spielen. Turnover (1) spielten diesmal fast gar keine Rolle, genau wie bei den restlichen Spurs.
Defensiv war sein Impact ebenso spürbar, wobei das eigentlich ohnehin immer der Fall ist – die Ursachen für die zwei Spurs-Niederlagen lagen eher vorn als am eigenen Korb. Obwohl die Knicks deutlich besser darin sind als etwa OKC, Wemby hier zwischendurch auch mal wie einen fast normalen Spieler aussehen zu lassen.
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New York vs. San Antonio: Ein schwieriges Matchup
Die Spiele in San Antonio wurden ja nicht nur aufgrund der mangelnden Erfahrung verloren. Das Matchup spielte und spielt eine Rolle, ist schwierig für die Spurs. New York ist besser geeignet dafür als derzeit wohl jedes andere NBA-Team, um Wembanyamas defensiven Impact wenigstens ein Stück weit zu beschränken.
Die Knicks können ihn gezielter attackieren, von jeder Position aus. Sie haben echte Five-Out-Lineups, die keine gute Option zum Absinken bieten, Wemby so aus der Zone herausziehen können. Sie haben Karl-Anthony Towns, den wohl besten Shooting Big der Liga, der gleichzeitig auch physisch dominieren kann, wenn er von einem kleineren Spieler verteidigt wird.
Oft patrouilliert Wemby trotzdem in der Zone, auch das hat aber bisweilen seinen Preis, wenn die Knicks ihre Schützen in den Ecken finden. Rennt Wemby dann raus, kostet das Kraft – und die Knicks wissen gerade in Person von OG Anunoby genau, wann sie sein Momentum gegen ihn verwenden und an ihm vorbeiziehen können, zum Korb, wo dann niemand mehr wartet.
Kein Team im Westen schaffte es, Wemby defensiv so viel zu bewegen. Das war auch in Spiel 3 wieder zu sehen, und es ist ein Trumpf, den sie kaum hergeben werden. Er wird in Spiel 4 vielleicht sogar wieder größer sein, wenn nicht zwei, sondern nur ein Tag zwischen den Spielen liegt und es weniger Erholungszeit für den größten und wichtigsten Spieler dieser Serie gibt.
Wemby zeigt die richtige Reaktion
Es könnte trotzdem sein, dass sich der Wind in Spiel 3 ein Stück weit gedreht hat. Eben weil Wemby, ausgerechnet nach diesem riesigen Fehler, ausgerechnet in dieser feindseligen Atmosphäre, so fokussiert geblieben ist und sein bestes Spiel der Serie gezeigt hat. Was sein Team übrigens keineswegs überrascht hat.
"Ich würde sagen, das ist die Art von Reaktion, die jeder von einem großartigen Spieler erwartet", sagte De’Aaron Fox. "Er war offensichtlich wütend über sich selbst. Er hat sich wegen diesem Ballverlust Vorwürfe gemacht. Aber solche Dinge passieren. Es war für mich definitiv keine Frage, dass er sich heute mit so einer Reaktion zurückmelden würde."
Vielleicht ist Wemby jetzt so richtig angekommen in dieser Serie. Vielleicht ermöglicht das Tempo seiner Entwicklung es ihm, Rückschläge im Zeitraffer zu verarbeiten, nicht in Form von ganzen Serien, sondern von Spielen. Vielleicht hat er seine Schlüsse gezogen und weiß jetzt genau, wie er den Knicks wehtun kann. Vielleicht ist auch er einer dieser Typen, die den maximalen Gegenwind brauchen, um das Maximum aus sich herauszuholen.
Vielleicht auch nicht; es kann durchaus passieren, dass die Knicks die nächsten beiden Spiele und den Titel holen werden. Am Gegenwind für Wemby wird es so oder so nicht mangeln, die Halle dürfte in Spiel 4 sogar noch lauter, noch wilder werden. Seine Schonfrist ist abgelaufen.
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