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Eishockey-WM: Empörung, Unsicherheit und eine Boykott-Forderung - die Folgen des brisanten CAS-Urteils zur Teilnahme Russlands
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von Tobias Wiltschekran Mehr Sport
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Russland darf an der WM 2027 in Deutschland teilnehmen. Das Urteil des CAS sorgt für Schockwellen und stellt die Organisatoren vor große Herausforderungen. Fragen und Antworten zum brisanten Urteil.
Dieses Urteil war ein Schock! Russland darf trotz des anhaltenden Angriffskrieges gegen die Ukraine an der Eishockey-WM im Mai 2027 in Deutschland teilnehmen.
Die Entscheidung des CAS sorgte nicht nur für großes Unverständnis, es bringt auch die bereits abgeschlossenen Planungen für die in gut sechs Monaten beginnenden Partien in Gelsenkirchen, Düsseldorf und Mannheim völlig durcheinander.
ran beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die Auswirkungen des Urteils.
Was ist passiert?
Das Schiedsgericht des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS) hat einstimmig entschieden, dass Russland wieder an internationalen Eishockey-Wettbewerben teilnehmen darf. Damit wären auch die Männer bei der WM im Mai 2027 in Deutschland spielberechtigt.
Das Schiedsgericht gab einer Berufung des Russischen Eishockey-Verbandes RIHF gegen den Weltverband IIHF statt und hob dessen Entscheidung, russische Teams auch in der Saison 2026/27 nicht zuzulassen, mit sofortiger Wirkung auf. Auch Belarus darf demnach wieder an internationalen Turnieren teilnehmen.
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Warum hat der CAS so entschieden?
Der CAS sah in seinem Urteil die vom Weltverband angeführten Bedenken hinsichtlich Sicherheit, Schutz und sportlicher Integrität der Wettbewerbe als nicht ausreichend belegt an. Nur nachweislich begründete Sicherheitsrisiken könnten gemäß der geltenden Verbandsregeln einen Ausschluss von Athleten aufgrund ihrer Nationalität rechtfertigen.
Dass Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine derzeit unvermindert fortsetzt, war für den CAS nicht relevant. Denn damit hatte der Weltverband ja auch den Ausschluss von Russland und Belarus nicht begründet.
Warum darf Russland sofort wieder bei einer WM mitspielen?
Zum Zeitpunkt des russischen Angriffs auf die Ukraine, woraufhin der Verband ausgeschlossen wurde, war Russland Zweiter der Weltrangliste. Diese berechnet sich aus den Ergebnissen der jüngsten vier WM-Turniere und der jeweils letzten Olympischen Winterspiele.
Demnach wäre der Verband auch weiterhin von der WM ausgeschlossen, weil Russland seit 2022 keine Punkte erringen konnte. Der 27-malige Weltmeister ist dennoch für die WM der A-Gruppe qualifiziert, weil die IIHF Russlands damalige Weltranglistenposition eingefroren hat.
Wie reagiert die Eishockey-Welt auf das Urteil?
Nicht nur der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) sieht das Urteil sehr kritisch. Auch in den anderen großen Eishockey-Nationen Europas hat die Entscheidung für großes Unverständnis gesorgt. Der Schwede Niklas Wikegard, derzeit im Management von Djurgaden Stockholm tätig, sagte dem privaten Fernsehsender "TV4": "Ich denke, wenn die Russen an der Eishockey-WM teilnehmen dürfen, dann sollte Schweden auf keinen Fall teilnehmen, Punkt."
Anders Larsson, Vorsitzender des schwedischen Eishockey-Verbandes, schloss einen Boykott der "Tre Kronor" jedoch aus. "Wir sollten unsere Meinung klar äußern, entsprechend abstimmen und uns dafür einsetzen", sagte er dem "Expressen". Man müsse aber demokratische und legale Entscheidungen respektieren, so der Funktionär, der sich in Sachen russischer WM-Teilnahme dennoch kämpferisch gab: "Unsere Athleten sollen dabei sein, die anderen sollen zu Hause bleiben. Das ist unsere Position." Ähnlich ablehnend äußerten sich auch die Verbände aus Finnland, Tschechien und Österreich.
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Was sagt der ukrainische Verband zu dem Urteil?
Die pure Empörung herrscht in der Ukraine angesichts dieses Urteils. "Der ukrainische Eishockey-Verband respektiert die Autorität und den Status des CAS", heißt es in einem offiziellen Statement: "Gleichzeitig äußern wir tiefe Empörung über eine solche Entscheidung, die unter den Bedingungen eines umfassenden Krieges getroffen wurde. Die Bedrohungen, die der Suspendierung russischer Teams im Jahr 2022 zugrunde lagen, sind nicht verschwunden, sondern haben sich im Gegenteil noch verschärft."
Angesichts dessen, dass in der Nacht auf den 19. Oktober eine weitere Eissporthalle in der Ukraine durch einen russischen Raketenangriff beschädigt worden sei, "ist die Entscheidung, russischen Mannschaften die Teilnahme an internationalen Eishockey-Wettbewerben zu gestatten, besonders empörend", heißt es weiter.
Wie kann eine WM mit Russland überhaupt durchgeführt werden?
Das ist eine Frage, die sich vor allem die deutschen Organisatoren der WM 2027 stellen müssen. "Für uns als Veranstalter der Heim-WM ist das natürlich eine doppelte Katastrophe, weil man weiß ja gar nicht, was denn jetzt passiert", sagte Stefan Ustorf, Ex-Nationalspieler und Mitglied der DEB-Sportkommission, bei ran.
Völlig unklar ist derzeit noch, ob die Teilnehmerzahl bei 16 Teams bleibt oder ob sie zugunsten von Russland und Belarus, das zum Zeitpunkt der Suspendierung auf Platz 14 der Weltrangliste lag, auf 18 Mannschaften angehoben wird.
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Vor welchen Herausforderungen stehen die WM-Organisatoren?
Die Entscheidung über die Anzahl der teilnehmenden Nationen hat unmittelbar Einfluss darauf, ob und inwieweit die Einteilung der Gruppen und die Gestaltung des Spielplans geändert werden müssen. Beides steht schon lange fest, erste Tickets sind bereits verkauft worden. Zu diesem Zeitpunkt kann man allerdings noch nicht einmal ausschließen, dass Russland und Belarus andere schon qualifizierte Teams aus der WM verdrängen könnten.
Das hätte ausgerechnet für die Ukraine fatale Konsequenzen. Denn die ist zusammen mit Kasachstan in die A-Gruppe der WM aufgestiegen und müsste wohl ihren Platz für Russland wieder räumen. Eines gilt jedoch als ausgeschlossen, sollten sowohl Russland als auch die Ukraine in Deutschland spielen. "Wenn sich Russland und die Ukraine auf dem Eis gegenüberstehen würden, das geht nicht. Das kannst du nicht machen", sagte Ustorf.
Die Probleme hören aber bei der Organisation nicht auf. Nach Worten des DEB-Vorstandsvorsitzenden Frank H. Lutz hätte "eine Zulassung Russlands für uns als Gastgeber erhebliche sicherheitsrelevante, politische und wirtschaftliche Folgen". Damit widerspricht er indirekt der Urteilsbegründung des CAS, wonach die von der IIHF angeführten Bedenken hinsichtlich der Sicherheit nicht ausreichend belegt seien.
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