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Fabian Klos exklusiv zur 3. Liga: "Die Leistungsdichte ist enorm"

Veröffentlicht:

von Kai Esser

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Videoclip • 01:27 Min


Die 3. Liga startet am Freitag in ihre 19. Saison. Mit 138 Spielen und 62 Toren gehört Fabian Klos zu den erfolgreichsten Spielern der Drittligahistorie. ran hat exklusiv vor dem 1. Spieltag mit ihm gesprochen.

Die 3. Liga genießt in Deutschland einen besonderen Ruf. Volle Stadien, Tradition und große Namen an jeder Ecke und - für viele ein Genuss - der beste Fußball in Deutschland ohne Video Assistant Referee oder andere "moderne Neuerungen".

Mit Fortuna Düsseldorf, Preußen Münster, Rot-Weiss Essen, Alemannia Aachen, dem MSV Duisburg, Fortuna Köln, Hansa Rostock, Waldhof Mannheim und vielen weiteren namhaften und traditionsreichen Klubs lockt die Liga Jahr für Jahr etliche Fans in die Stadien.

Vor dem Saisonstart hat Fabian Klos, der 138 Drittligaspiele für Arminia Bielefeld absolvierte und dabei 62 Tore erzielte, exklusiv mit ran über die Ausgangslage der Liga gesprochen.

Klos schwärmt von 3. Liga: "Darauf kann man sich nur freuen"

ran: Herr Klos, die 3. Liga war in der letzten Saison unglaublich eng, vor allem oben. Was macht diese Liga aus Ihrer Sicht aus?

Fabian Klos: Ich glaube, dass wir dieses Jahr oben wieder viel Spannung haben werden, genauso wie in der letzten Saison. Wir könnten an der Spitze vielleicht sogar eine noch breitere Dichte haben und ein bisschen weniger Mittelfeld, wobei wir durch die vergangene Spielzeit ja schon ein bisschen verwöhnt sind. Allerdings werden wir dieses Jahr einen noch engeren Abstiegskampf sehen. Wenn man ehrlich ist, war es letzte Saison unten nicht so richtig spannend, weil die vier Absteiger einfach zu schlecht waren, um die anderen Teams unten überhaupt unter Druck zu setzen.

Die Ausgeglichenheit in dieser Liga ist darüber hinaus noch ein bisschen größer geworden, darauf kann man sich nur freuen. Zudem brauchen wir gar nicht darüber zu sprechen, dass mit Vereinen wie der SV Meppen wieder eine Menge Tradition von unten nachgekommen ist. Auch wenn mit dem TSV 1860 München jetzt natürlich ein Big Player aus bekannten Gründen raus ist, ist Fortuna Düsseldorf mit einem herausragenden Stadion neu in dieser Liga dabei.

ran: Sie haben bereits in der Spielzeit 2012/13 mit Arminia Bielefeld in der 3. Liga gespielt. Damals war sie jedoch weder so attraktiv noch finanziell lohnenswert, und viele Vereine steckten in finanziellen Schwierigkeiten. Was hat sich seitdem gewandelt?

Klos: Ich würde schon sagen, dass die Aufmerksamkeit, die die 3. Liga heute bekommt, eine ganz andere ist als zu meiner Anfangszeit damals. Das ist schließlich auch schon 13 oder 14 Jahre her. Ein großes Alleinstellungsmerkmal ist heute die enorme mediale Präsenz von der TV-Seite. Mit "Magenta Sport" ist ein großer Player dabei, der den Fans die Möglichkeit bietet, jedes einzelne Spiel der 3. Liga live zu verfolgen. Das war damals überhaupt nicht gegeben. Dementsprechend wird heute auch viel mehr über Social Media ausgestrahlt. Die Aufmerksamkeit für die Spiele, die einzelnen Akteure, die Protagonisten und vor allem für die jungen Spieler ist extrem gestiegen.

Die 3. Liga ist schließlich immer auch ein riesiger Talentepool. Dadurch ist es absolut gewährleistet, dass junge Spieler, die gut performen, sehr schnell im Fokus stehen. Zudem kommen jedes Jahr neue, große Traditionsmannschaften in diese Liga, die für die Attraktivität eine enorme Rolle spielen. Ich glaube, der Zuschauerrekord wird fast jedes Jahr aufs Neue geknackt. Das zeigt einfach, wie viel Lust die Menschen auf diese Liga haben.

Darüber hinaus ist auch das sportliche Niveau insgesamt besser geworden. Um das im Detail auszuführen, müsste ich jetzt wirklich sehr weit ausholen, aber der Fußball hat sich im Großen und Ganzen in allen Ligen massiv weiterentwickelt. Das Spiel ist schneller und dynamischer geworden. Man braucht auch in der 3. Liga ein sehr gutes Spielverständnis, um vernünftig Fußball spielen zu können. Am Ende des Tages ist es eben die dritthöchste Profiliga und das zeigt sich im positiven Sinne jedes Mal wieder.

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Ich glaube, der Zuschauerrekord wird fast jedes Jahr aufs Neue geknackt. Das zeigt einfach, wie viel Lust die Menschen auf diese Liga haben.

Fabian Klos über die 3. Liga

"Düsseldorf? Einen Fehlstart dürfen sie sich nicht erlauben"

ran: Was Sie aus Ihrer eigenen Karriere leider aus erster Hand wissen: Absteiger haben es traditionell schwer in der 3. Liga. Woran liegt das?

Klos: Wenn ich das damals so genau hätte benennen können, hätte ich es nach dem Abstieg mit der Arminia natürlich sofort verhindert. Dann hätte ich gewusst, wo man ansetzen muss. Meistens schleppt man nach einem Abstieg eine sehr negative Saison und viele frustrierende Momente mit sich herum. Klar heißt es immer, das müsse man abschütteln und befreit in die neue Liga starten, aber das ist mental einfach nicht so leicht. Es kommt extrem darauf an, dass man gut in die Saison reinkommt. Das gilt jetzt für Münster und Düsseldorf gleichermaßen.

ran: Wer wird es schwerer haben, Preußen Münster oder Fortuna Düsseldorf?

Klos: Einen Fehlstart sollten sich beide nicht erlauben, die ersten Spiele sind extrem wichtig. Für Düsseldorf, um die eigenen Aufstiegsambitionen schnellstmöglich zu untermauern, und für Münster definitiv auch, um gut in der Liga anzukommen und nicht direkt in eine Negativspirale zu geraten. So ist der Mensch nun mal: Wenn man negativ in ein neues Kapitel startet, kommen sofort die alten, negativen Gedanken wieder hoch.

Wobei man sagen muss, dass bei Münster durch den Abstieg jetzt ein kleiner Umbruch stattfindet. Einige Spieler sind gegangen und ein neuer Trainer ist da. Ich glaube, das ist ein guter Weg für einen echten Neustart. Aber es gibt eben keine Garantien dafür, dass man als Zweitliga-Absteiger automatisch zu den Top-Teams dieser Liga gehört. Man muss schon selbst von Tag eins an für einen guten Start sorgen.

ran: Bei vielen Experten gilt Hansa Rostock mal wieder als der Top-Favorit. Wieso hat es bei Hansa bisher nicht geklappt, und was ist dieses Jahr vielleicht anders?

Klos: Es ist relativ einfach: Hansa hat vor allem in der Amtszeit von Daniel Brinkmann die Konstanz gefehlt. Sie hatten in den vergangenen zwei Jahren immer wieder richtig gute Phasen in der Saison, aber eben auch Phasen, in denen sie überhaupt nicht gepunktet haben. Da sind sie nicht an ihre Leistungsgrenze gekommen und haben das Potenzial, das dieser Kader eigentlich hergibt, nicht ausgeschöpft. Die große Kunst wird es sein, diese Konstanz zu finden. Das klingt einfach, ist es aber nicht. Aber genau dort müssen sie ansetzen: konstant punkten und ein stabiles Jahr hinlegen.

Der Kader gibt fußballerisch alles her. "Brinki" ist ein guter Trainer, der hervorragend nach Rostock passt. Vor allem besitzt er den totalen Rückhalt vom Verein, von der Mannschaft, von den Fans und dem gesamten Umfeld. Nichtsdestotrotz muss er jetzt liefern. Ich glaube, er weiß selbst am besten, dass das in dieser Konstellation seine letzte große Chance ist, mit Hansa den Aufstieg zu packen.

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Rot-Weiss Essen nach Relegationstrauma: "Werden aus dem Windschatten kommen"

ran: Rot-Weiss Essen wird von einigen ebenfalls als Top-Favorit genannt. Das Team hat in der letzten Saison die Relegation verloren. Glauben Sie, dass dieser Rückschlag die Mannschaft umwerfen wird?

Klos: Ich hoffe es nicht und ich glaube es ehrlich gesagt auch nicht. Ich sehe sie definitiv oben mit dabei, allerdings eher in der Verfolgerposition und nicht zwingend auf den ersten drei Plätzen. Das heißt natürlich nicht, dass sie diese am Ende nicht doch belegen können. Aber ich vermute, dass sie eher aus dem Windschatten kommen werden. Auch für Essen gilt: Ein guter Saisonstart ist vielleicht sogar noch ein Stück wichtiger als für andere Teams da oben, weil sie dieses krasse Negativerlebnis der verpassten Relegation noch in den Knochen stecken haben.

Die Gefahr ist nach so einem Nackenschlag immer gegeben, dass man sich bei einem schlechten Start plötzlich in einer Tabellenregion wiederfindet, in der man sich im Vorfeld überhaupt nicht gesehen hat. Das gilt aber nicht exklusiv für Essen, das kann jeder Mannschaft passieren. Ich schätze Essen in dieser Saison als ambitionierten Verfolger ein, auch wenn sie nach dem Relegationsplatz im Vorjahr selbst natürlich den berechtigten Anspruch haben, dieses Mal den Aufstieg direkt zu schaffen. Der Vierte der letzten Saison und der große Leidtragende war am Ende ja der MSV Duisburg.

ran: Wie schätzen Sie die "Zebras" ein?

Klos: Im Großen und Ganzen ist die Duisburger Mannschaft zusammengeblieben. Das ist ähnlich zu vergleichen mit Energie Cottbus im Vorjahr. Nach der großen Enttäuschung mit dem vierten Platz in der letzten Saison müssen sie jetzt gucken, dass sie daraus Kraft und Energie ziehen - und vielleicht auch ein bisschen Trotz entwickeln. Dietmar Hirsch ist meiner Meinung nach der perfekte Mann für den MSV Duisburg. Ich kann mir im Moment keinen besseren Trainer für diesen Posten vorstellen, vor allem auch als Typ. Die Verantwortlichen haben ja auch öffentlich kommuniziert, dass sie dieses Jahr unbedingt hoch wollen. Den Druck haben sie sich jetzt selbst auferlegt und dem müssen sie nun standhalten. Sie haben sich gut verstärkt und den Kern des Kaders zusammengehalten. In der vergangenen Saison hat ja nicht viel gefehlt - das waren am Ende beim Pfostenschuss von Rasim Bulic nur ein paar Zentimeter. Sonst hätte es zumindest für den Relegationsplatz gereicht.

ran: Und wer wird diesmal bester Aufsteiger?

Klos: Ich glaube, dass es für alle vier Neulinge sehr schwer mit dem Klassenerhalt wird. Ich sehe da vielleicht Meppen einen Ticken vor den anderen dreien, aber das ist auch nur ein reines Bauchgefühl.

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Unruhe bei Alemannia Aachen? "Da steckt meistens Kalkül dahinter"

ran: In der letzten Rückrunde war - mal abgesehen vom Meister VfL Osnabrück, der hochgegangen ist - Alemannia Aachen die dominante Mannschaft. Jetzt haben sie allerdings mit Lars Gindorf eine wichtige Stütze verloren. Welche Rolle kann die Alemannia spielen? Können sie vielleicht sogar in den Aufstiegskampf eingreifen oder wird es eher eine reine Mittelfeldsaison?

Klos: Gindorf ist weg und ein Abgang von Mika Schroers zeichnet sich ja ebenfalls ab. Stand heute kann ich mir schwer vorstellen, dass er die gesamte Saison über dort bleibt. Solche Abgänge eins zu eins zu ersetzen, ist schlicht unmöglich. Das bietet natürlich die Möglichkeit für andere Spieler, sich zu präsentieren. Aber man muss realistisch sein: An das, was die beiden vor allem in der Rückrunde gezeigt haben, wird so schnell kein neues Sturmduo herankommen. Das war außergewöhnlich gut.

Deshalb glaube ich, dass das primäre Ziel sein muss, diese Verluste erst einmal kollektiv aufzufangen. Natürlich kann man versuchen, die Euphorie mitzunehmen. Zudem haben sie mit Mersad Selimbegovic einen guten Trainer, der bewiesen hat, dass er in schwierigen Phasen sehr viel aus der Truppe herausholen kann. Meiner Meinung nach wird sich Aachen am Ende aber vermutlich im gesicherten Mittelfeld einpendeln.

ran: Da Sie Schroers ansprechen: Der hat vor Kurzem in der "Aachener Zeitung" eine kleine öffentliche Rüge von Sportgeschäftsführer Rachid Azzouzi bekommen. Azzouzi sagte "Es gibt zwei Möglichkeiten, mit der Situation umzugehen. Man macht das so überragend wie Faton Ademi oder man lässt sich seinen Frust anmerken. Das Verhalten ändert aber nichts an der Ausgangslage. Er hat einen guten Charakter und muss erst mal mit so einer Situation umgehen. Das ist nicht leicht. Aber es gibt auch Grenzen." Wie kommt so etwas in einer Kabine an?

Klos: Wenn ein Sportdirektor den Weg über die Öffentlichkeit wählt, steckt da immer ein Kalkül dahinter. Solche Dinge sind im Profifußball völlig normal. Darüber wird in den Medien jetzt ein oder zwei Tage gesprochen, bei den Jungs in der Kabine ist das kurz Thema und dann ist die Sache auch wieder erledigt. Ich bin mir zudem ziemlich sicher, dass Rachid Azzouzi im Nachgang noch einmal ein persönliches Vieraugengespräch mit Mika Schroers geführt hat, um die Dinge richtig einzuordnen.

Rachid verfügt über sehr, sehr viel Erfahrung im Geschäft. Er wird diesen Weg in die Medien bewusst gewählt haben, um ein klares Zeichen zu setzen - vielleicht gar nicht mal nur an Mika persönlich, sondern auch an andere Spieler im Kader, die derzeit eventuell unzufrieden sind. Normalerweise machen Verantwortliche das nur, wenn sie genau wissen, dass der betroffene Spieler mental stark genug ist und das aushält. Ich glaube schon, dass Mika das richtig einzuschätzen weiß. Womöglich wird er sein Verhalten dadurch noch einmal reflektieren. Aber wie gesagt: Solche Schlagzeilen sollte man nie zu hoch hängen. Intern ist das Thema nach ein bis zwei Tagen vom Tisch.

An das, was die beiden vor allem in der Rückrunde gezeigt haben, wird so schnell kein neues Sturmduo herankommen. Das war außergewöhnlich gut.

Fabian Klos über Lars Gindorf und Mika Schroers

ran: Zum Abschluss noch die große Fabian-Klos-Prognose: Wer belegt am Ende die ersten drei Plätze und welche Teams werden es besonders schwer haben, die Klasse zu halten?

Klos: Wer es schwer haben wird, habe ich ja schon angedeutet: Ich glaube, alle vier Aufsteiger müssen extrem kämpfen. Dazu kommt noch der TSV Havelse. In der vergangenen Rückrunde haben sie im Tabellenkeller richtig gut gefightet. Die zweite Chance, die sie bekommen haben, haben sie zurecht bekommen. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass es unten wieder extrem eng zugehen wird. Und es erwischt ja eigentlich jedes Jahr auch eine Mannschaft, die vor der Saison noch gar nicht weiß, dass sie überhaupt etwas mit dem Abstiegskampf zu tun haben wird. Im Vorjahr hat es beispielsweise den 1. FC Saarbrücken zeitweise unten reingezogen. In dieser Liga kann es aufgrund der enormen Leistungsdichte wirklich jeden treffen.

Und mein Tipp für ganz vorne: Da sehe ich Hansa Rostock, Fortuna Düsseldorf und den MSV Duisburg. Vielleicht einen kleinen Ticken vor Rot-Weiss Essen. Dahinter lauern dann Mannschaften wie der SSV Jahn Regensburg oder der FC Ingolstadt. Wenn Aachen wieder so einen brutalen Lauf erwischt wie in der Rückrunde, belehren sie mich vielleicht eines Besseren. Aber im Großen und Ganzen bleibt mein Gefühl für diese Saison: Wir werden ganz wenig klassisches Mittelfeld sehen, dafür aber ein extrem dichtes Gedränge im Aufstiegs- und im Abstiegskampf.

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