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Bayer Leverkusen vs. FC Bayern: Diese kniffligen Szenen lassen Uli Hoeneß toben

Aktualisiert:

von Christoph Gailer

ran Fußball Bundesliga

FC Bayern - Fans nach VAR-Chaos auf 180: "Das ist ein Skandal"

Videoclip • 02:04 Min


Das Bundesliga-Spiel zwischen Bayer Leverkusen und dem FC Bayern München war nicht nur für die Profis ein hartes Stück Arbeit, sondern auch für Schiedsrichter Christian Dingert.

Von Christoph Gailer

Zwei Tore zählten, drei wurden aberkannt. Dazu noch zwei Platzverweise und viele, viele Diskussionen hinterher.

Das Bundesliga-Spiel zwischen Bayer Leverkusen und dem FC Bayern München (1:1) sorgt für viel Gesprächsstoff und mittendrin ist der Schiedsrichter Christian Dingert mit seinem Team nach diversen Entscheidungen in einer hitzigen Begegnung. "Wir hatten viele knifflige Situationen", sagte Dingert nach dem Spielende in der BayArena bei "Sky".

"Das ist die schlechteste Leistung eines Schiedsrichter-Teams, die ich je bei einem Bundesligaspiel erlebt habe", tobte derweil Bayerns Ehrenpräsident Uli Hoeneß ob der Entscheidungen von Dingert und Co. bei der "Bild".

Doch was war überhaupt alles passiert in dieser Partie? ran klärt über die heiklen Entscheidungen für Dingert und sein Schiedsrichter-Team auf.

27. Minute: Tahs Tor wird aberkannt

Beim Stand von 1:0 für die Leverkusener glich ausgerechnet der frühere Bayer-Star Jonathan Tah in der 27. Minute vermeintlich für den Rekordmeister aus. Das Problem aus Sicht der Münchner allerdings: Tah bekam den Ball zunächst an den Ellenbogen, von dort ging das Leder an den Fuß des aufgerückten Abwehrspielers und erst anschließend ins Tor.

Entsprechend wurde der Treffer vom Unparteiischen nach VAR-Check einkassiert. "Der Ball trifft mich am Ellbogen, das war ganz klar. Mir war jetzt nicht ganz klar, ob der Ellbogen vor meinem Körper ist oder nicht, aber am Ende sieht so aus, als wenn es Hand war. Dann darf das Tor nicht zählen", gab der verhinderte Torschütze hinterher bei "Sky" fair zu.

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42. Minute: Rote Karte für Jackson alternativlos

Während sich Tah durchaus einsichtig ob seines irregulär erzielten Tores zeigte, schlug sein Trainer Vincent Kompany bei einer weiteren Schlüsselszene in dieselbe Kerbe und erwies sich als fairer Sportsmann. In der 42. Minute trat Bayern-Stürmer Nicolas Jackson im Mittelfeld Leverkusens Martin Terrier heftig auf das Sprunggelenk.

Zwar zeigte Dingert zunächst nur Gelb, aber spätestens bei der ersten Zeitlupe war jedem Zuschauer vor den TV-Schirmen klar: Dabei kann und wird es nicht bleiben. Dingert wurde ob der Heftigkeit des Tritts zum VAR-Bildschirm gebeten und änderte die Karte von Gelb auf Rot - eine letztlich alternativlose Entscheidung. "Keine Diskussion darüber", bestätigte Kompany bei "Sky" die Richtigkeit des Platzverweises gegen Jackson.

62. Minute: Aberkanntes Kane-Tor

Die heftigsten Diskussionen gab es um zwei Szenen in der zweiten Halbzeit. Nach gut einer Stunde kam Harry Kane nach überstandener Verletzung zu seinem Comeback und erzielte 48 Sekunden nach der Einwechslung das vermeintliche 1:1 für die Bayern.

Doch auch dieser Treffer blieb nicht lange bestehen, Dingert entschied nach einem erneuten VAR-Check auf ein Handspiel des Engländers in der Entstehung. "In die Schussbahn des Balles ging der Arm von Kane doch leicht raus. Diese Bewegung habe ich als strafbar eingeschätzt", erklärte Dingert bei "Sky". Doch zur Darstellung des Schiedsrichters gab es derweil einige gegenteilige Einschätzungen.

"Die Entscheidung verstehe ich auch nicht. Meiner Meinung nach ist das ganz klar ein Tor. Also was soll er da machen? Soll er seinen Arm über den Kopf geben oder was? Die Bewegung des Arms ist erst, nachdem es Kontakt mit dem Ball gab", argumentierte Bayern-Coach Vincent Kompany.

"Kane dreht sich ja eigentlich noch weg, er kann gar nichts anderes machen. Der Ball geht aber eben an den Arm und nicht an den Oberkörper", sagte Lothar Matthäus in seiner Rolle als "Sky"-Experte. Matthäus' Experten-Kollege Dietmar Hamann, der sich zuletzt immer wieder kritisch zum VAR äußerte, meinte: "Eine harte Entscheidung, so etwas kann oder sollte man laufen lassen."

74. Minute: Carro fordert Rot für Diaz

Ein hartes Einsteigen von Luis Diaz sorgte gut eine Viertelstunde vor dem Ende für riesige Proteste unter den Fans und Verantwortlichen der Werkself. Unter anderem Bayer-Boss Fernando Carro konnte man dabei beobachten, wie er vehement Rot für den Kolumbianer forderte.

Diaz ging mit sehr hohem Bein in einen Zweikampf mit Aleix Garcia, traf zuerst den Ball, dann aber den Spanier auch deutlich am Kopf. Letztlich aber beließ es Dingert in dieser Szene erst einmal bei Gelb für den früheren Liverpool-Star. Vorerst.

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84. Minute: Diaz sieht wegen Schwalbe Rot

Denn in der 84. Minute flog Luis Diaz nach angeblicher Schwalbe dann doch runter - eine weitere, kontroverse Situation in dieser für den Schiedsrichter so knifflig zu leitenden Begegnung.

"Also ich will hier nicht für einen Elfmeter plädieren, aber das ist im Leben keine Schwalbe", sagte FCB-Star Joshua Kimmich bei "Sky" über die Szene, die zur Gelb-Roten Karte des Kolumbianers führte.

Auch Kompany hatte kein Verständnis für die zweite Gelbe Karte gegen den Südamerikaner: "Er steht sofort wieder auf und hat nicht mal versucht, einen Elfmeter zu bekommen. Er ist hingefallen, dann gab es einen leichten Kontakt und er ist sofort wieder aufgestanden und bekommt dann dafür eine Gelbe Karte."

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Im Interview nach Schlusspfiff erklärte sich Dingert auch zu dieser Szene. "Aus dem Spiel heraus für mich so, dass der Spieler Diaz abhebt, das hab ich wahrgenommen. Den anschließenden Treffer am Fuß habe ich nicht so wahrgenommen in der Geschwindigkeit, in der Form", sagte der Unparteiische bei "Sky", "jetzt, wenn ich die Bilder sehe, kein Elfmeter. Das ist klar. Gelb-Rot sehr hart. Und wenn ich jetzt die Bilder sehe, würde ich das so nicht mehr geben."

Da von einigen Akteuren zugunsten von Diaz argumentiert wurde, er wäre sofort wieder aufgestanden nach der vermeintlichen Schwalbe, betrieb Dingert Aufklärungsarbeit. "Für uns ist es keine Bewertungsgrundlage, ob ein Spieler nach einer vermeintlichen Schwalbe sofort wieder aufsteht oder nicht", sagte der Unparteiische.

"Sonst hört das nie auf": Hamann befürwortet Diaz-Platzverweis

Zuspruch für seine Entscheidung zum Diaz-Platzverweis erhielt Dingert von Hamann. "Die Reaktion von Diaz zeigt mir, dass er versucht hat, den Schiedsrichter zu täuschen. Er hängt den Fuß raus und schmeißt sich zu Boden", erklärte der frühere Bayern-Profi, "deshalb hat der Schiedsrichter für mich auch richtig entschieden, weil das mit dem Fallen lassen zuletzt wieder zunahm. Wenn Spieler dafür belohnt werden, hört das nie auf.“

Nach dem Spiel gab es in den Katakomben der BayArena auch noch ein Gespräch zwischen Dingert und Bayerns Sportvorstand Max Eberl. "Ich habe gerade mit Herrn Dingert gesprochen. Es ist alles in Ordnung, es war ein guter Dialog. Er hat auch gesagt, dass es keine Gelb-Rote Karte war", erklärte Eberl, "für ihn war es im Spiel eine klare Schwalbe, aber er hat jetzt die Bilder gesehen und gesagt, dass es keine Gelb-Rote Karte war. Sehr ehrenvoll, aber es hat uns nichts genützt."

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90. Minute: Hofmann trifft - zählt aber nicht

Etwas einfacher zu entscheiden und nachzuvollziehen war das vermeintliche 2:1 für Leverkusen in der Nachspielzeit des zweiten Durchganges durch Jonas Hofmann. Dabei stand der Bayer-Profi minimal im Abseits, die Situation wurde durch die kalibrierte Linie aufgelöst, weshalb es beim Remis blieb.

Gräfe nimmt Dingert in Schutz

Übrigens: Der frühere Top-Schiedsrichter Manuel Gräfe stellte sich hinter seinen Referee-Kollegen. Die beiden aberkannten Handspiel-Treffer seinen korrekt entschieden worden, so der 52-Jährige bei "Bild". Auch der Platzverweis von Jackson sei "glasklar" gewesen.

Bayern habe sogar noch Glück gehabt. Laut Gräfe hätte Diaz nämlich schon in der 74. Minute wegen des hohen Beins vom Platz fliegen müssen. Hofmanns aberkannten Treffer zum späten 2:1 für Leverkusen hätte Gräfe zudem zählen lassen.

Die Abseitsstellung sei so minimal gewesen, dass Hofmann keinen Vorteil hatte. Die Entscheidung, das Tor nicht zählen zu lassen, sei nicht im Sinne des Sports.

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