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Bundesliga - Lothar Matthäus wird 65: So gelang der erstaunliche Wandel zum führenden Experten
Aktualisiert:
von Andreas Reinersran Fußball
Lothar Matthäus kontert Hoeneß! Brisante Schiri-Debatte
Videoclip • 02:52 Min
Lothar Matthäus sorgte früher für Schlagzeilen abseits des Sports. Heute ist er ein wichtiger Fußball-Meinungsführer. Wie ist ihm der Wandel gelungen?
Von Andreas Reiners
Irgendwann hatte Lothar Matthäus genug. Es reichte ihm. Endgültig.
2010 war das, als gerade seine vierte Ehe mit Liliana in die Brüche gegangen war. Ausgetragen über den Boulevard, als Schmierentheater des Sommers. Mit Streit und vielen negativen Schlagzeilen.
Matthäus wollte etwas radikal ändern. "Ein Lothar Matthäus gehört in den Sportteil und nicht auf die Klatschseiten. Daran arbeite ich", sagte er vollmundig und wie üblich in der dritten Person.
Die Einsicht war richtig und wichtig, denn der deutsche Rekordnationalspieler und frühere Weltfußballer hatte es geschafft, sich seinen exzellenten Ruf als lebende Fußball-Legende mit vielen unüberlegten und flapsigen Sprüchen, mit Doku-Soaps oder VIP-Sendungen zu demolieren.
Und immer wieder spielte das Privatleben eine unschöne, öffentliche Rolle.
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Lothar Matthäus: Ein bemerkenswerter Wandel
In seiner damaligen, etwas schiefen Logik kündigte er seinen Wandel natürlich über den Boulevard an. Doch rückblickend muss man sagen: Matthäus hat Wort gehalten. Seine Veränderung von der manchmal peinlichen und auch belächelten Skandalnudel zum seriösen und wohl auch führenden Fußball-Experten Deutschlands ist beachtlich.
Denn Matthäus macht inzwischen das, was er am besten kann: über Fußball reden. Und klar ist heute, rund um seinen 65. Geburtstag: Ihm ist als Fußball-Fachmann längst eine Art Rehabilitation gelungen.
Ja klar, noch heute packt "Loddar" seinen fränkischen Akzent aus und die Konsonanten T und P verschwinden und werden durch D und B ersetzt. Sein Englisch ist weiter ausbaufähig, ist aber etabliert als überragender Unterhaltungsfaktor. Wenn er zum Beispiel meint: "I hope, we have a little bit lucky." Oder wenn er wie 2022 in der FIFA-Weltelf "A lot of offenders" sieht.
Was übersetzt keine Offensivspieler, sondern Straftäter sind.
Grammatikalische und stilistische Neu-Interpretationen sind inzwischen Kulturgut. Und zwar offiziell ausgezeichnet: Sein "Dann werden die Würfel neu gemischt", gesagt im vergangenen Oktober beim WM-Qualifikationsspiel gegen Nordirland zur Torhüter-Konstellation, brachte ihm Platz zwei bei der Wahl zum Fußballspruch des Jahres.
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Lothar Matthäus: Damit überzeugt er die Zuschauer
Aber darum geht es längst nicht mehr.
Seit 2012/13 ist er Experte beim Pay-TV-Sender "Sky", seit 2021 auch bei "RTL". Dort glänzt die Legende des FC Bayern München mit enormem Fachwissen und akribischer Vorbereitung.
Matthäus gelingt dabei etwas, das vielen Experten schwerfällt: Er kann komplexe taktische Zusammenhänge verständlich erklären. Zuschauer verstehen, was er meint, und genau das ist im Fernsehen entscheidend. Weil er Spiele klar analysiert, aber auch Position bezieht und sich dabei nicht scheut, auch unbequeme Wahrheiten auszusprechen.
Lothar Matthäus: Zoff mit Kahn und Tuchel
Dann kommt es auch vor, dass er sich in Live-Sendungen mit Fußball-Größen wie Oliver Kahn oder Thomas Tuchel zofft. Klar in der Meinung, aber immer höflich im Umgang.
Auf "Ehrlichkeit und Korrektheit" komme es an, sagte er im Interview mit der "Bild". "Ich nehme weder meine Ex-Vereine Bayern oder Mönchengladbach in Schutz noch Spieler, Trainer oder Bosse. Auch nicht, wenn ich sie persönlich kenne. Ich sage, was ich sehe und meine. Aber nie unter der Gürtellinie", betonte Matthäus.
Lothar Matthäus: Und wenn es mit Uli Hoeneß knallt?
Und wenn es mal mit Uli Hoeneß knallt? "Anfangs habe ich schon den Kopf geschüttelt, wenn er das über die Medien getan hat, statt mich selbst anzurufen – was er ja einfach tun könnte", sagte Matthäus, der aber kein Problem mehr damit habe, wie er betonte: "Jeder darf sagen, was er denkt. Zurückschießen werde ich jedenfalls nicht mit der gleichen Munition. Ich sage nichts, nur um Schlagzeilen zu produzieren."
Das honorieren die Zuschauer, die er mit Wissen, einem starken Netzwerk, Distanz und Unabhängigkeit sowie viel Inhalt und Glaubwürdigkeit überzeugt. Matthäus muss sich nicht anbiedern oder aus politischen Gründen auf die Granden des Geschäfts Rücksicht nehmen. Das alles ist nicht nur fachkundig, sondern auch authentisch.
Was manchmal die Frage aufwirft, warum seine Trainer-Karriere eigentlich nicht erfolgreicher verlief. Was aber letztendlich hypothetisch ist.
Oder wie Matthäus sagen würde: "Wäre, wäre Fahrradkette."
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