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Bundesliga

Das ist Marie-Louise Eta: Union Berlins erste Cheftrainerin schreibt heute Bundesliga-Geschichte

Aktualisiert:

von Franziska Wendler

ran Fußball

DFB-Frauen: Hass im Netz! Klara Bühl verteidigt Marie-Louise Eta

Videoclip • 01:07 Min


Als erster Klub in der Bundesliga-Geschichte installiert Union Berlin eine Frau als Cheftrainerin. Wer aber ist Marie-Louise Eta?

Zu ungewöhnlicher Stunde hatte Union Berlin in der Nacht von Samstag auf Sonntag eine wichtige Mitteilung zu machen. Um Mitternacht verkündeten die Eisernen, dass die Zeit von Cheftrainer Steffen Baumgart vorbei ist.

Zu enttäuschend waren die Leistungen in der Rückrunde, zu gering die Punkteausbeute im Kampf um den Klassenerhalt.

Was aber noch viel bemerkenswerter war: Für die letzten fünf Spiele bis zum Saisonende übernimmt nicht etwa einer der klassischen Retter, kein Abstiegskampf-erprobter Feuerwehrmann in Not.

Es übernimmt stattdessen die 34 Jahre alte Trainerin der U19-Junioren. Ihr Name: Marie-Louise Eta.

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Eta schreibt heute doppelt Geschichte

Ein Name, der in die Geschichte der Fußball-Bundesliga eingehen wird - als erste Cheftrainerin der Historie. Mit dem Thema Geschichte schreiben kennt sich Eta ohnehin bestens aus.

Rund zweieinhalb Jahre ist es her, es war im November 2023, da wurde Eta bei Union zur ersten Co-Trainerin überhaupt im deutschen Oberhaus befördert.

Urs Fischer musste seinerzeit sein Traineramt räumen, als Interims-Coach wurde U19-Trainer Marco Grote installiert, seine Assistentin Eta als Co-Trainerin.

Auf dem Schirm hatten die damals 32-Jährige zu dieser Zeit nur wenige. Ihre größten Erfolge als Spielerin hatte sie schließlich unter ihrem Geburtsnamen Bagehorn gefeiert.

Die gebürtige Dresdnerin gewann mit Turbine Potsdam drei deutsche Meisterschaften und 2010 die Champions League. Mit der U20-Nationalmannschaft feierte sie bereits zwei Jahre zuvor den WM-Titel.

Frühes Karriereende als Spielerin

Nach vier Jahren bei Werder Bremen beendete sie schließlich 2018 ihre Karriere – nach 255 Spielen und im Alter von nur 26 Jahren. "Früher habe ich immer gesagt, dass ich spiele, bis ich nicht mehr gehen kann. Aber der Zeitpunkt war genau richtig - auch wenn es eine extrem schwierige Entscheidung war", erzählte sie seinerzeit im "kicker"-Interview.

Ein Knorpelschaden und ein Sehnenriss im Fuß hatten ihre Spuren hinterlassen.

Doch statt sich zu ärgern, visierte die einstige defensive Mittelfeldspielerin eine Trainerkarriere an und verlieb bei Werder, um im Nachwuchsleistungszentrum zu coachen.

2019 folgte zudem ein Engagement für den DFB, wo sie zunächst als Co-Trainerin der U19-Juniorinnen, später dann als Cheftrainerin der U15-Juniorinnen tätig war.

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Eta übernimmt ab Sommer die Union-Frauen

Und auch ihren Trainerschein hat Eta bereits gemacht. Im Frühjahr 2023 schloss sie als einzige Frau im Lehrgang ihre Pro-Lizenz als Fußballlehrerin beim DFB ab und wechselte nur wenige Monate später zu den Eisernen in die Hauptstadt.

Zweimal wurde sie in der Folge als Co-Trainerin berufen, bei der Installation von neuen Cheftrainern ging es aber wieder zur U19, für die sie zuletzt arbeitete.

Mit der Berufung als Baumgart-Nachfolgerin beginnt für Eta nun ein neues Kapitel, wenn auch ein kurzes. So erklärte Geschäftsführer Horst Heldt, sie solle die Aufgabe "interimistisch übernehmen". Bei einer späteren Pressekonferenz wollte Heldt allerdings nicht ausschließen, dass Eta über die Saison hinaus Trainerin der Männermannschaft bleiben könnte.

Dies hat Union-Präsident Dirk Zingler aber kategorisch ausgeschlossen. "Marie-Louise Eta wird für fünf Spiele hier verantwortlich sein und danach wird sie die Frauen übernehmen“, sagte er bei "Sky". "Marie-Louise Eta hat vor zwei Wochen mit ganz großer Überzeugung, wir beide haben mit ganz großer Überzeugung einen Vertrag für die Frauen-Bundesliga unterschrieben", stellte Zingler klar.

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Union Berlin: Eta hat keine Zeit um Hass-Kommentare zu lesen

Eta selbst freut sich auf ihre kurzes aber bedeutendes Engagement. "Der Verbleib in der Bundesliga ist angesichts der Punkteabstände in der unteren Tabellenhälfte noch nicht gesichert. Ich freue mich, dass mir der Verein diese anspruchsvolle Aufgabe anvertraut.“

Und weiter: "Eine Stärke von Union war und ist es, in solchen Situationen gemeinsam alle Kräfte zu bündeln. Und natürlich habe ich die Überzeugung, dass wir mit dem Team die entscheidenden Punkte holen."

Im Netz wurde die Nachricht gemischt aufgenommen. Viele Fußball-Fans freuten sich zwar über diesen historischen Schritt, doch gleichzeitigt kam es auch zu zahlreichen sexistischen Kommentaren. "Grundsätzlich beschäftigt mich das nicht, weil ich finde, dass das eigentlich viel, viel mehr aussagt über diejenigen, die das ins Netz stellen als über diejenige, über die da was losgelassen wird", sagte Eta bei der Spieltags-Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen Wolfsburg.

Sie selbst habe gar keine Zeit Hass-Kommentare zu lesen, habe aber durchaus davon mitbekommen. "Ich weiß aber auch, dass sehr viel Positives kam, und ich finde, dass ist schön und das sollte auch überwiegen", freute sie sich.

"Die, die sich da im Internet und in den Social-Media-Accounts auslassen: IQ gleich null", sagte Wolfsburg-Trainer Dieter Hecking dazu.

Union Berlin rangiert aktuell mit 32 Punkten auf Rang elf in der Tabelle. Der Vorsprung auf Abstiegsplatz 17 beträgt elf Zähler.

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