Bundesliga
Manuel Neuer und der FC Bayern: Warum beide Seiten mit einer Verlängerung viel riskieren würden
Aktualisiert:
von Justin Kraftran Fußball
Bayern-Fans mit Lärm-Attacke gegen Real Madrid?
Videoclip • 01:03 Min
Manuel Neuer will seine Entscheidung bezüglich seiner Karriere bald verkünden. Aber was wäre das Beste für ihn? Und was für den FC Bayern?
Vielleicht ist er gerade so entspannt wie nie. Manuel Neuer galt nie als Lautsprecher oder emotionaler Leader. Nur selten gab er sich genervt oder gar wütend in Interviews.
Es ist einfacher, das Level an Entspanntheit zu bewerten, wenn jemand seine Emotionen klar nach außen trägt. Und doch ist es bemerkenswert, wie ruhig der einstige Welttorhüter durch die womöglich letzten Monate seiner Karriere gleitet.
Oder sind es gar die letzten Jahre? Ende März wurde er 40. Es ist nicht so, dass er der erste Torwart wäre, der in hohem Alter noch auf hohem Niveau zwischen den Pfosten steht. Gianluigi Buffon beendete seine Laufbahn erst mit 45.
Und doch muss die Antwort auf die Frage nach seiner weiteren Karriere für Neuer gut durchdacht sein. Auf beiden Seiten gibt es gute Argumente. Doch nicht nur für ihn ist die Entscheidung eine von bedeutendem Ausmaß.
Der FC Bayern gibt sich derzeit als passiver Begleiter der Geschichte. Bloß keinen Druck ausüben, bloß nicht wieder in eine unangenehme Situation kommen wie zuletzt bei Thomas Müller, dem man unterschiedliche Signale sendete. Aber auch die Verantwortlichen des FCB müssen ihre passive Rolle intern womöglich in eine aktive wandeln.
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Der FC Bayern hat gute Gründe für einen sauberen Schnitt
Denn der Rekordmeister hat eigentlich gute Gründe, im Sommer einen sauberen Schnitt zu wagen. Die Frage, wann der Zeitpunkt gekommen ist, um im Tor einen Generationenwechsel zu vollziehen, begleitet den FC Bayern schon länger.
Von Alexander Nübel bis Jonas Urbig gab es zahlreiche potenzielle Nachfolger. Kaum einer überzeugte wirklich und so gab es nie den mutigen Schritt, einen Neuanfang zu wagen. Jetzt aber gibt es mit Urbig jemanden, der zu überzeugen weiß.
Wann immer der 22-Jährige für den FC Bayern im Tor stand, strahlte er eine Sicherheit aus, die es so schon lange nicht mehr von einem Ersatzkeeper gab. Urbig parierte stark, entwickelte sich aber auch schnell in den für Neuer typischen Bereichen des Spiels: Die aggressive Verteidigung beim Herauslaufen und das Aufbauspiel.
Besonders beeindruckend war aber, wie Urbig nach Fehlern oder schwächeren Auftritten zurückschlug. Immer wieder hatte er die passende Antwort auf dem Platz parat. Er wirkt mental stabil und scheint das Potenzial mitzubringen, ein würdiger Neuer-Nachfolger zu sein.
Jonas Urbig braucht jetzt Spielzeit auf höchstem Niveau
Dafür muss er aber irgendwann auch die Chance bekommen, sich dauerhaft als Nummer eins zu beweisen. Bisher war seine Entwicklung gut und richtig. Er bekam Spielzeit, wenn es gepasst hat oder Neuer ausfiel. Diese Chancen wusste er zu nutzen.
Jetzt geht es darum, dass er dauerhaft Spielzeit bekommt. Wenn Neuer bleibt, kommt er aus seiner aktuellen Situation aber nicht heraus. Und wenn der FC Bayern in den letzten Jahren eines gelernt hat, dann, dass Leihen von Torhütern kompliziert sind. Vereine setzen auf dieser Position lieber auf Spieler, die mittel- bis langfristig da sind und Planungssicherheit geben. Eine gute Leihstation zu finden, ist schwer.
Urbig ist 22 und braucht genau jetzt den nächsten Schritt in seiner Entwicklung, um nicht zu stagnieren. In der Theorie gibt es auch die Option, dass beide die Rollen tauschen. Dass Neuer die Rolle einnimmt, die Thomas Müller zuletzt hatte: Als Mentor für den jungen Nachfolger, der sich bedingungslos mit der Rolle als Ersatzspieler zufriedengibt.
Bisher akzeptierte Neuer diese Rolle nicht. Bisher wurde es schnell unruhig in München, wenn an seinem Thron gerüttelt wurde. Julian Nagelsmann konnte nach der Entmachtung von Neuer-Kumpel Toni Tapalovic damals ein Lied davon singen, welche Macht der Torwart beim FCB hat. Der Ehrgeiz des Weltmeisters von 2014 ist enorm. Könnte er seine Ambition wirklich zurückhalten und Urbig noch ein Jahr in neuer Rolle begleiten?
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Neuer riskiert bei Verlängerung einen unschönen Abschied
Vieles deutet darauf hin, dass Neuer viel eher evaluiert, ob er noch ein weiteres Jahr als Stammtorhüter packt. Doch auch für ihn gibt es klare Risiken. Schon jetzt sind sich viele Bayern-Fans nicht mehr einig darüber, was das Beste für die Zukunft ist. Manch einer wurde ungeduldig, als sich die Patzer häuften.
Je länger er die Position für seinen Nachfolger blockiert und je häufiger er Angriffsfläche für sportliche Kritik bietet, desto genervter werden Fans sein. Das war bei nahezu jeder Legende so. Selbst Franck Ribery und Arjen Robben mussten es ganz am Ende ihrer Karriere hinnehmen, dass nicht jeder FCB-Fan glücklich damit war, wenn sie noch ein Jahr blieben.
Neuer hatte eine derart herausragende Karriere, dass bei ihm ebenso wenig nachhaltig etwas hängenbleiben wird, wie es bei "Robbery" der Fall war. Und trotzdem sind letzte Eindrücke in der Erinnerung immer wichtig für das Gesamtbild und sein Abschied droht unschöner zu werden, je länger er ihn hinauszögert. Der Bayern-Keeper hat das Torwartspiel über viele Jahre geprägt und revolutioniert, das steht ebenso außer Frage wie seine Verdienste für den FCB, seine Titel und seine Leistungen.
Dennoch werden immer mehr Fans mit jedem Tag mehr raunen, dass auch irgendwann mal gut ist. Besonders dann, wenn man mit Urbig sportlich ebenbürtigen Ersatz sieht.
Manuel Neuer in Topform: Kann er loslassen?
Für ein weiteres Jahr spricht hingegen, dass Neuer ganz offenkundig immer noch Spaß an seinem Job hat und so gut drauf ist, wie schon länger nicht mehr. Seine Leistung gegen Real Madrid erinnerte im Hinspiel an seine besten Jahre (Rückspiel am Mittwoch ab 21 Uhr im Liveticker). Nur wenige Tage zuvor hatte er jedoch einen weniger guten Auftritt gegen Freiburg.
Doch man kann es auch andersherum sehen: Neuer hat die Chance, sich mit einer Saison zu verabschieden, in der es insgesamt für den FC Bayern läuft und in der er noch aktiv dazu beitragen konnte, erfolgreich zu sein. Solche Phasen sind endlich. Bleibt er, geht er das Risiko ein, den FCB in einem schwächeren Moment zu verlassen und entsprechend Kritik dafür zu ernten, nicht loslassen zu können.
Auf der anderen Seite der Medaille steht eben der Leistungssportler. Mit all seinem Selbstvertrauen und Ambition. Von außen betrachtet ist es deutlich einfacher gefordert, dass er sich von diesem Niveau verabschieden soll, als es für ihn tatsächlich ist. Allein die Leistung in Madrid war ein Beleg dafür, dass er immer noch leistungsfähig ist.
Und die Gelassenheit, mit der er trotz des einen oder anderen Fehlers aktuell durch die Saison fliegt, spricht Bände. Neuer wirkt freier und zufriedener denn je. Hindeuten kann das auf beide Szenarien: Entweder genießt er seine letzten Momente auf der größten Bühne. Oder er zieht aus seiner Erfahrung und seinem Selbstbewusstsein das Vertrauen, dem FC Bayern weiter helfen zu können.
So oder so: Neuers Karriere ist so riesig und legendär, dass sie jede Entscheidung, die er jetzt trifft, überstrahlen wird. Wenngleich eine weitere Verlängerung diesen Moment des bedingungsloses Respekts deutlich nach hinten schieben könnte.
Auch interessant: FC Bayern: Die drei größten Stolperfallen vor dem Real-Rückspiel
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