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Champions League - Diego Simeone hat sich neu erfunden: Das erwartet den FC Bayern gegen Atletico Madrid

Veröffentlicht:

von Gianluca Fraccalvieri

ran Fußball Bundesliga

Kane verrät: So hat Mourinho mir zur Weltklasse verholfen

Videoclip • 01:52 Min


In der Champions League tritt der FC Bayern am Dienstagabend im Estadio Metropolitano auf Atletico Madrid. Dort erwartet die verletzungsgebeutelten Münchner gegen das neuformierte Team von Trainer Diego Simeone eine echte Mammutaufgabe.

Seit fast 15 Jahren ist Diego Simeone Trainer von Atletico Madrid und hat die Madrilenen von einem Durchschnittsteam zur etablierten dritten Kraft in Spanien geführt.

Im Resümee des Welttrainers von 2016 stehen zwei spanische Meisterschaften, zwei Europa-League-Titel und mehrere Pokalsiege. Für den ganz großen Wurf in der "Königsklasse" hat es bisher aber nie gereicht - mit dem Finale im eigenen Stadion vor der Brust soll sich das nun aber ändern.

Der Argentinier ist für seine harte, defensivorientierte Spielweise bekannt, die jedem Gegner zusetzt und gerne am Rande der Legalität agiert. Entgegen dieses herrschenden Narrativs hat sich Simeones Fußball in den vergangenen Jahren aber stetig entwickelt und an den modernen Fußball angepasst.

Das soll auch der FC Bayern München im Kracher-Duell am Dienstagabend (21 Uhr im Liveticker) zu spüren bekommen.

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Atletico Madrid: Die Defensive bleibt das Herzstück

Die "Colchoneros" sind nach dem Umbruch im Sommer überragend in die neue Spielzeit gestartet und haben bis auf das knappe 1:2 gegen den FC Liverpool sowie zwei Unentschieden in Liga und "Königsklasse" sowie den Ausrutscher gegen Athletic Bilbao (0:3) alles gewonnen. Dazu gewannen sie auch das Stadtderby gegen Real Madrid und stehen in der Liga auf einem starken zweiten Platz.

Auch wenn der Simeone-Fußball sich seit dem letzten Sieg über die Bayern (1:0 in der Gruppenphase 2016/17) verändert hat, bleibt die Defensive weiterhin das Prunkstück des Teams. Es wird zwar deutlich weniger gemauert als früher, eines gilt aber weiterhin: Gegen Atletico in Rückstand zu gehen, sollte man dringend vermeiden!

Argentiniens Weltmeister Cristian Romero ist das Herzstück der Defensive und hat bereits bei der WM gezeigt, dass er weiß, wie man Harry Kane aus dem Spiel nimmt. Nicht umsonst bezeichnete die "Marca" ihn zuletzt als den "Anti-Kane", da er den Bayern-Star aus gemeinsamen Tottenham-Zeiten bestens kennt. Allerdings könnte ein Einsatz für ihn am Dienstagabend noch zu früh kommen, nach seiner Verletzung wartet er noch auf sein Comeback.

Aber auch ohne ihn bleibt die Viererkette der Spanier um Marcos Llorente, Marc Pubill, David Hancko und den Ex-Leverkusener Alejandro Grimaldo hart zu bespielen. Sie stehen eng, pressen mannorientiert und stellen so die beste Defensive ihrer Liga (acht Gegentore in elf Spielen). Dass dahinter mit Jan Oblak einer der besten Keeper der Welt wartet (sechsmal zu Null in La Liga), hilft sicherlich auch. Zumal dürfte er nach seinem gehalteten Elfmeter gegen Thomas Müller im CL-Halbfinale 2016 im Hinterkopf mit einem guten Gefühl in die Partie gehen.

Spannend ist auch, dass die Hauptstädter ihr Ruf als Raubeine mittlerweile tatsächlich vor allem aufgrund früherer Jahre anhaftet, in der Fair-Play-Tabelle landete Atletico in den vergangenen Jahren stets in der oberen Hälfte. Sie sind nicht mehr dieses knüppelharte Defensivteam, das gegen Topteams nach der frühen Führung nur mauert.

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Bayern-Gegner Atletico Madrid: Neuformierte Offensive

Mit den Abgängen der Vereinslegenden Antoine Griezmann und Jose Maria Gimenez haben sie sich im Sommer neu erfunden und holten mit Kang-in Lee und Jonathan David vor allem fertige Spieler für die Offensive. Dass Star-Spieler Julian Alvarez trotz Barcelona-Interesse blieb, war dazu der wichtigste Erfolg der Transferperiode.

Der Superstar des Teams, der nach seinem öffentlichen Wechselwunsch Richtung Barcelona zu Saisonbeginn immer wieder ausgepfiffen wurde und vor allem durch schlechte Leistungen auffiel, hat sich mittlerweile mit den Fans versöhnt und trifft nach einer langen Durststrecke auch endlich wieder. "Sie haben immer hinter mir gestanden. Sie waren sehr großzügig, und das weiß ich sehr zu schätzen", erklärte der Argentinier zuletzt nach seinem Siegtreffer gegen Deportivo La Coruna.

In der Zwischenzeit lieferte aber auch die neuformierte Offensive um Lee, David, Trainersohn Giuliano Simeone und dem zum Jahresbeginn aus Bergamo gekommenen Ademola Lookman, der in der Vergangenheit auch schon einige Male mit den Münchnern in Verbindung gebracht wurde.

Der beste Mann der bisherigen Saison ist aber ohne Frage Weltmeister Alex Baena, der in elf Ligaspielen bereits auf acht Torbeteiligungen kommt (Fünf Tore, drei Assists) und offensiv gefühlt jede Position spielen kann. Oftmals bildet er aber auf links ein hochgefährliches Duo mit Neuzugang Grimaldo.

FC Bayern vor schwerer Aufgaben in Madrid

Auch der Ballbesitz hat sich unter Simeone Stück für Stück gesteigert, die 35 Prozent aus dem CL-Spiel gegen die Bayern 2016 wird es dieses Mal nicht geben. "Ich würde gerne 80 Minuten lang angreifen und ihnen zehn Minuten überlassen, ein Tor nach 20 Ballberührungen zu erzielen", erklärte Simeone auf der Pressekonferenz vor dem Duell. Die Realität wird aber dennoch anders aussehen.

"Wir treffen auf eine kraftvolle Mannschaft und wir werden mit schwierigen, harten Momenten konfrontiert sein", meinte der Atleti-Coach weiter und hofft, seine Mannschaft könne sich immer wieder "aus dem Druck befreien, den sie (die Bayern, Anm. d. Red.) sehr gut aufbauen".

Atletico dürfte darauf setzen, die beeindruckende Kulisse im eigenen Stadion zu nutzen und früh für die eigene Führung zu sorgen, um anschließend ihre defensive Stärke auszuspielen. Das könnte gut und gerne auch per Standardsituation passieren, mit Baena und Grimaldo haben sie schließlich zwei der besten Freistoßschützen der Welt im Team.

Sollte stattdessen aber den Bayern zunächst die Führung gelingen, darf sich der Rekordmeister gegen dieses Team bis zum Schlusspfiff nie zu sicher fühlen: Drei Viertel ihrer Tore in der Liga erzielten die Madrilenen nach der Halbzeitpause, viele davon sogar erst in der Schlussviertelstunde.

Es wird also eine echte Mammutaufgabe für die dezimierten Münchner, ihren ersten Auswärtssieg gegen Atletico überhaupt einzufahren. Auf der anderen Seite wollen die Spanier mit viel Selbstvertrauen in ihre "Woche der Wahrheit" starten - am Sonntag steht schließlich das Topspiel gegen den FC Barcelona an.

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