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FC Bayern München: Zu viel Euphorie? Diese Debatte kann der FCB aktuell so gar nicht gebrauchen - ein Kommentar

Veröffentlicht:

von Chris Lugert

ran Fußball Bundesliga

FC Bayern: Fans feiern Kantersieg! "Wer sagt's Pauli?"

Videoclip • 02:00 Min


Der FC Bayern München reitet derzeit auf einer Euphoriewelle, die für Karl-Heinz Rummenigge aber bereits zu hohe Höhen erreicht hat. Doch allein die Debatte um dieses Thema kann am Ende viel größeren Schaden anrichten. Ein Kommentar.

Erstmals seit 25 Jahren im Bernabeu gewonnen und Real Madrid auswärts geschlagen, ein paar Tage später mit einer halben B-Elf den FC St. Pauli mit 5:0 deklassiert - alles gut also beim FC Bayern? Sollte man meinen. Doch ausgerechnet aus den eigenen Reihen wird nun Wasser in den Wein gegossen.

Denn Karl-Heinz Rummenigge gibt vor dem Champions-League-Rückspiel gegen Real am Mittwoch (21:00 Uhr im Liveticker) den Mahner. "Man darf jetzt nicht den Fehler machen, zu viel Euphorie aufkommen zu lassen. Ich nehme im Moment einen kleinen Hype wahr, und der gefällt mir ehrlich gesagt nicht", sagte er bei "DAZN".

Offenbar befürchtet Rummenigge, dass die Spieler durch die positiven Ergebnisse und die entsprechende Berichterstattung den Respekt vor der Aufgabe gegen Real verlieren könnten. Dass sie womöglich sogar abheben und in Arroganz oder zumindest Selbstsicherheit verfallen könnten.

Als langjähriger Vorstandschef des Rekordmeisters und immer noch aktives Aufsichtsratsmitglied hat das Wort des 70-Jährigen nach wie vor hohes Gewicht, entsprechend steht es ihm zu, warnende Worte zu äußern, falls seiner Meinung nach Dinge passieren, die den Erfolg gefährden könnten.

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Selbst die Mannschaft widerspricht öffentlich

Allerdings stellt sich die Frage, ob Rummenigge seine eigene Mannschaft und den eigenen Trainerstab überhaupt noch kennt. Denn wenn vor allem Trainer Vincent Kompany eine Sache besonders predigt, dann ist es Demut. Und auch die Spieler blasen in dasselbe Horn.

"Gewarnt werden müssen wir nicht. Das wissen wir schon ganz genau, gegen wen wir da spielen und was das für ein Spiel ist. Man hat im Hinspiel gesehen, wie schnell sie zu Torchancen kommen können. Dementsprechend braucht uns da niemand zu warnen. Das wissen wir selbst", sagte Leon Goretzka nach dem Sieg auf St. Pauli.

Damit ist eine unnötige Ablenkung perfekt, die die Bayern genau jetzt so gar nicht gebrauchen können. Statt seine Mannschaft und das Trainerteam einfach machen zu lassen, bringt Rummenigge selbst Unruhe in den Verein, die die Vorbereitung auf das Real-Spiel begleitet.

Zumal die Spieler allen Grund haben, Selbstvertrauen und Euphorie aus den vergangenen Spielen zu ziehen. Das Wissen um die eigene Stärke, das "Mia san mia", ist in der Bayern-DNA fest verankert. Rummenigge sollte das eigentlich wissen.

Rummenigge macht Phantomdebatte auf

Selbstredend ist es ein schmaler Grat zwischen Selbstvertrauen und Überheblichkeit, aber gaben die Bayern-Spieler bislang keinen Grund, irgendeine Form von Selbstgefälligkeit zu vermuten. Rummenigge macht zur Unzeit eine Phantomdebatte auf.

Sollen sich die Spieler seiner Meinung nach selbst verzwergen? Sollen sie vor Angst schlottern und mit weichen Knien in das Real-Spiel gehen? Hat er sich in der Triple-Saison 2012/13 ähnlich geäußert, als im Frühjahr reihenweise die Gegner aus den Stadien geschossen wurden?

Statt sich über den gegenwärtigen Lauf seines Klubs zu freuen und die Arbeit der Beteiligten zu loben, tritt Rummenigge mit Volldampf auf die Bremse, obwohl das Geschwindigkeitslimit noch längst nicht erreicht war. Euphorie ist etwas, das man bis zu einem gewissen Punkt wie eine Welle reiten muss, statt das Wasser abzustellen.

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Rummenigge redet aktuellen Erfolg klein

Sportvorstand Max Eberl brachte es auf den Punkt. "Kontrollierte Euphorie ist genau das, was wir hatten. Wir sollen diese Euphorie mitnehmen, weil das, was wir geleistet haben, das kann uns keiner nehmen und trotzdem wissen wir, was für ein großer Gegner am Mittwoch auf uns trifft", sagte er.

Und weiter: "Wir haben eine gute Ausgangslage, wissen aber auch, dass wir noch nicht durch sind und das wollen wir am Mittwoch tun."

Die perfekte Mischung aus Respekt und Selbstvertrauen. Rummenigge wählte einen anderen Weg und brachte unterschwellig lieber zum Ausdruck, dass der aktuelle Erfolg trüge. Und die Bayern ja gar nicht so gut seien. So kann aus einer gut gemeinten Warnung auch schnell ein Stimmungskiller werden, der die eigene Mannschaft nach unten zieht.

Ob es das wenige Tage vor dem bislang wichtigsten Spiel der Saison wirklich braucht, darf jeder für sich selbst beantworten. Wenn es am Mittwoch aber aus Bayern-Sicht schiefgeht, wird Rummenigge natürlich jede Verantwortung von sich weisen - sondern sich bestätigt fühlen.

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