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FC Bayern München: Rotation? Diesen Guardiola-Fehler darf Vincent Kompany nicht wiederholen

Veröffentlicht:

von Justin Kraft

ran Fußball Bundesliga

FC Bayern - Kompany gibt zu: Harry Kane gegen Real über Schmerzgrenze

Videoclip • 02:11 Min


Der FC Bayern München hat in der Bundesliga neun Punkte Vorsprung und steht gegen Real Madrid in der Champions League kurz vor dem Einzug in die nächste Runde. Zeit, den nationalen Wettbewerb etwas weniger ernst zu nehmen?

"Die Bundesliga ist für uns vorbei." Sechs Worte aus dem Jahr 2014, die in die Geschichtsbücher eingehen sollten. Gesprochen wurden sie von Pep Guardiola, damals Trainer des FC Bayern München.

Der Katalane erklärte öffentlich, dass der Fokus ab sofort auf der Champions League liegen würde. In der Bundesliga war man uneinholbar vorn. Was dann folgte, wurde Guardiola aber äußerst negativ ausgelegt. Beim FC Augsburg rotierte der Katalane durch, brachte unter anderem Jugendspieler Ylli Sallahi als Linksverteidiger.

Das Spiel wurde mit 0:1 verloren. Auch das folgende Bundesliga-Spiel wurde verloren. Mit 0:3 gingen die Münchner daheim ausgerechnet gegen den BVB unter. Dabei spielten die Bayern diese Partie mit acht Spielern, die zwischen den Niederlagen Manchester United mit 3:1 besiegt hatten. Die anderen drei waren mit Javi Martinez, Rafinha und Bastian Schweinsteiger keine Amateure.

Und auch in der Champions League hagelte es kurz darauf zwei empfindliche Niederlagen: Nach einem starken Auftritt in Madrid, für den sich der FCB nicht belohnte, stand eine 0:1-Pleite. In München hagelte es dann ein 0:4. Vielerorts wurde kritisiert, dass die Bayern in der Bundesliga die Spannung und den Rhythmus verloren haben.

Rund zwölf Jahre später steht Vincent Kompany vor einer ähnlichen Frage wie Guardiola damals: Wie sehr kann er die Bundesliga ausnutzen, um seine Spieler frisch in die Champions League zu schicken? Und wie groß ist das Risiko, den Rhythmus dadurch zu verlieren?

Das Risiko für den FC Bayern: Rhythmusverlust?

Die Risiken liegen durch das mahnende Beispiel von damals auf der Hand: Spitzenfußballer sind es gewohnt, nicht nur an jedem Wochenende, sondern oft auch unter der Woche Spiele zu absolvieren. Zwar mag die Belastung enorm sein, aber jeder Profi tickt da anders.

Joshua Kimmich beispielsweise betont oft, dass er am liebsten jedes Spiel machen würde und mit dem engen Terminkalender kein Problem habe. Im Gegenteil, wie er 2024 im Rahmen einer Länderspielpause erklärte: "Ich habe lieber eine englische Woche als eine normale Woche. Es macht mehr Spaß, auf dem Platz zu stehen. Ich weiß nicht, ob man sich weniger verletzt mit weniger Spielen. Viele schwere Verletzungen sind auch oftmals Unfälle."

Nun ist Kimmich aber auch jemand, der nur selten verletzt ist und dessen Bewegungsabläufe auf dem Platz andere sind als die eines Michael Olise oder Luis Diaz. Kompany muss genau abwägen, welche Spieler eine hohe Belastung haben und ein besonders großes Risiko mit sich herumtragen, sich durch Überbelastung zu verletzen.

Das wiederum kann dazu führen, dass die Mannschaft ein bisschen an Rhythmus verliert. Am vergangenen Wochenende rotierte das Trainerteam etwas durch und sah dabei zu, wie der SC Freiburg mit 2:0 in Führung ging. Erst durch die Einwechslungen etablierter Spieler gelang letztlich doch noch der Sieg.

Ein gravierender Unterschied zu 2014 ist zudem, dass der BVB "nur" neun Punkte hinter den Bayern ist. Es mag unwahrscheinlich sein, dass Dortmund diesen Rückstand noch aufholt, aber die Schwarzgelben sind in der Rückrunde bisher extrem stabil unterwegs und verlieren kaum Punkte. Unnötig herankommen lassen sollten die Bayern ihren Konkurrenten nicht.

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Videos zur Champions League:

Die Chance für den FC Bayern: Frische und Fokus in der Champions League

Gleichzeitig hat Kompany diesen breiten Kader, um ihn in exakt solchen Phasen auch zu nutzen. Die Kritik an Guardiola war damals etwas überzogen. Der größte Fehler des Katalanen war es, die Bundesliga öffentlich für beendet zu erklären, denn dadurch lenkte er die mediale Aufmerksamkeit auf dieses Thema.

Dass er hingegen rotiert hat, dürfte kaum als großer Fehler angesehen werden. Vor allem im Hinspiel in Madrid zeigten die Bayern damals eine starke Leistung, hatten 18:9 Abschlüsse und genug Chancen, um nicht mit einer Niederlage ins Rückspiel gehen zu müssen. So spielt kein Team, das keinen Rhythmus hat.

Auch Manchester United wurde trotz Rotation mit 3:1 besiegt. Dass es im Rückspiel dann eine herbe 0:4-Niederlage gab, hatte viele Gründe, es aber an der Rotation festzumachen, greift wohl zu kurz. Im Gegenteil dürfte die Chance für Kompany jetzt deutlich größer sein als das Risiko. Während andere Topklubs national noch Vollgas geben müssen, um ihre Ziele zu erreichen, kann der Belgier die Belastung mit deutlich mehr Freiheiten steuern.

Kompany hat in der vergangenen Saison erlebt, wie es ist, wenn Schlüsselspieler während der wichtigsten Phase ausfallen. Damals wurde kritisiert, dass er zu wenig rotiert habe. In dieser Saison wechselt er häufiger durch, bringt sogar regelmäßig Spieler vom Campus – und ist damit erfolgreich.

"Wenn man schaut, was wir bis jetzt in dieser Saison geschafft haben, dann liegt das nur daran, weil die gesamte Mannschaft daran beteiligt war. Wenn wir jetzt ein oder zwei Wechsel machen, dann ist das nur etwas, das wir die gesamte Saison schon gemacht haben", sagte Kompany vor dem Bundesliga-Spiel beim FC St. Pauli (Samstag, 18:30 Uhr im Liveticker).

Die nächsten Livestreams:

Vincent Kompany hat die Rotation perfektioniert

Zwar ist oft ein deutlicher Qualitätsverlust zu sehen, wenn die Bayern kräftig durchrotieren, doch die Ergebnisse geben dem Trainer recht. Kompany setzt auf Vertrauen. Das betont er immer wieder. Dass das keine Phrasen sind, sieht man an den Leistungen, die Spieler wie Min-jae Kim, Leon Goretzka oder auch Tom Bischof regelmäßig zeigen, obwohl sie allen Grund hätten, sich mehr Spielzeit zu wünschen.

Und trotzdem akzeptieren sie ihre Rolle, weil Kompany ihnen nicht nur mit Worten Bedeutung schenkt, sondern auch mit seiner über die Saison hinweg konsequenten Rotation. Bisher blieben die Bayern verschont von einer Ausfallserie wie in der vergangenen Saison.

Das liegt daran, dass der Kader in der Breite funktioniert. Sportlich, aber auch charakterlich. Denn Unruhe gibt es kaum bis gar nicht. Neben den genannten Spielern trifft das auch auf Raphael Guerreiro zu. Oder auf Jamal Musiala, der nach seiner schweren Verletzung die notwendige Geduld aufbringt, nichts zu überstürzen.

Für ihn und Alphonso Davies sind die kommenden Bundesliga-Wochen die große Chance, sich für ein mögliches Halbfinale in der Champions League zu präsentieren und wieder an Form und Fitness zu gewinnen. Vielleicht ist das auch der große Unterschied zu 2014. Die Bundesliga ist gefühlt auch diesmal schon vorbei – auch wenn Kompany das niemals sagen würde.

Aber der interne Konkurrenzkampf ist es nicht. Musiala, Davies, Kim, Goretzka und auch Bischof sowie Karl hätten in verschiedenen Szenarien jeweils noch eine realistische Chance, in den großen Spielen in der Champions League relevante Spielzeit zu sammeln. Sei es durch Verletzungen, Sperren oder weil sie sich selbst in Topform präsentieren.

"Es gibt einen gewissen Konkurrenzkampf bei uns, und das liebe ich. Das kann zusätzlich Feuer geben. Ich schätze das, damit wir unser Niveau weiter steigern", sagte der Bayern-Trainer.

Kompany ist sehr klar in seiner Herangehensweise, belohnt aber auch regelmäßig, wenn Spieler Leistung zeigen. Womöglich ist das der Treibstoff, der die Spannung auch in den Spielen oben hält, in denen es um nicht mehr viel geht. In der Champions League kann diese Mischung aus Frische und internem Druck den Weg zum Erfolg ebnen.

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