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Fußball

Manchester United von Como gedemütigt: Die Gründe für den Systemcrash bei den Red Devils

Veröffentlicht:

von Christian Stüwe, Martin Volkmar

ran Fußball

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Videoclip • 02:09 Min


Nach dem 1:4-Debakel in Como steht Michael Carrick bei Manchester United vor dem Aus. Er wäre der nächste Trainer, der an der Nachfolge von Alex Ferguson verzweifelt. Markus Babbel vermutet im Gespräch mit ran "einen Virus im Verein".

Michael Carrick ging auf die Gästekurve zu, der Trainer von Manchester United hob entschuldigend die Hände in Richtung der mitgereisten Fans. Im ebenso kleinen wie alten Stadion Giuseppe Sinigaglia, malerisch am Comer See gelegen, hatte seine Mannschaft am Mittwochabend eine denkwürdige Niederlage kassiert.

Gegen Como 1907, einen Verein, der im Vergleich zur stolzen Historie von ManUnited ein absoluter Newcomer im europäischen Fußball ist, verlor Englands Rekordmeister in der Champions League mit 1:4 und war dabei komplett chancenlos.

In der Offensive fehlte den "Red Devils" jegliches Feuer, bis zur Halbzeit verzeichneten sie keinen Torschuss. ManUniteds Defensive wurde von den von Cesc Fàbregas trainierten Italienern teilweise vorgeführt, die Innenverteidiger Matthijs de Ligt und Harry Maguire bekamen Doppeltorschütze Nico Paz nicht in den Griff.

Michael Carrick entschuldigt sich

Bild: AFP/SID/PIERO CRUCIATTI


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Manchester United: Kapitän kritisiert Trainer Carrick nach Abpfiff öffentlich

Fast noch schlimmer als die Niederlage war aber, wie sich Manchester United nach dem Abpfiff präsentierte. "Es ist für uns inakzeptabel, so zu spielen", sagte Carrick, der sich bereits während des Spiels Wortgefechte mit Offensivspieler Matheus Cunha geliefert hatte.

Auch Kapitän Bruno Fernandes bemühte sich erst gar nicht, seine Enttäuschung zu verbergen, und kritisierte die Taktik des Trainers öffentlich. "Es war die Entscheidung des Trainer-Teams, nicht Mann gegen Mann zu pressen und dahinter etwas Raum zu lassen", sagte der Portugiese und machte darin einen Grund für das Debakel aus.

Mittelfeldspieler Youri Tielemans hatte Probleme bei "Taktik, Technik und Einsatz" ausgemacht und stellte somit dem Trainerteam und seinen Mitspielern ein schlechtes Zeugnis aus. Manchester United glich an diesem Abend in Italien eher einem zerstrittenen Haufen als einer Fußballmannschaft - die "Red Devils" erlitten einen kompletten Systemcrash am Comer See.

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Markus Babbel über United: "Sah für mich aus, als ob sie gegen den Trainer spielen"

"Das war eine absolute Offenbarung. Für mich sah das fast so aus, als ob die gegen den Trainer spielen. Anders ist es nicht erklärbar. Du kannst nicht so spielen in einem Champions-League-Spiel als Manchester United. Da sind ja schon ein paar hochkarätige Spieler dabei, aber die spielen, als ob sie das erste Mal gegen den Ball getreten hätten", urteilte Markus Babbel im Gespräch mit ran.

"Das zeigt mir, dass in dem Kader einiges nicht stimmt, weil das ja gefühlt der 28. Trainer seit Alex Ferguson ist. Ich hatte eigentlich auch ein gutes Gefühl mit Michael Carrick, weil ich gedacht habe, dass er wieder diese ManUnited-DNA in den Verein hineinbringt. Dass man dann das Gefühl hat, dass die Mannschaft gegen ihn spielt, macht einen wirklich sprachlos", erklärte der frühere Liverpool-Profi und Europameister von 1996 weiter.

In der Premier League legte die Mannschaft den schlechtesten Saisonstart seit 40 Jahren hin. Mit sieben Punkten aus sieben Spielen liegt Manchester United nur zwei Zähler vor den Abstiegsrängen. In der Champions League sind es drei Zähler aus drei Spielen, das Verpassen der Saisonziele droht national wie international.

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Michael Carrick ist nur noch Trainer auf Abruf

Kein Wunder also, dass Carrick nur noch Trainer auf Abruf ist und längst über Nachfolgekandidaten spekuliert wird. Allerdings wäre es wohl auch zu einfach, die komplette Schuld bei dem 45-Jährigen abzuladen, der als Spieler im Old Trafford zur Legende wurde.

Denn der Verein ist seit dem Ende der Ära von Sir Alex Ferguson im Jahr 2013 auf der Suche nach einem klaren Konzept auf und abseits des Platzes. Trainer-Größen wie Louis van Gaal, José Mourinho oder Ralf Rangnick verzweifelten an der Aufgabe, das Machtvakuum zu füllen und in die großen Fußstapfen des Schotten zu treten.

Ein weiteres Beispiel ist Ruben Amorim, dem England-Insidern zufolge zugetraut wurde, der richtige Mann für die dringend erforderliche Neuausrichtung zu sein. Doch der Portugiese beharrte auf einer Dreierkette in der Abwehr, was nicht zum vorhandenen Kader passte. Nach Streitigkeiten mit Sportdirektor Jason Wilcox wurde Amorim schließlich am 5. Januar dieses Jahres entlassen - wieder wurden alle Uhren auf Null gestellt.

Babbel über Manchester United: "Da ist irgendein Virus in dem Verein"

Woraufhin Carrick als Interimstrainer übernahm und die Mannschaft in die Champions League führte. Obwohl es Insidern zufolge durchaus Zweifel an seiner Eignung gab, wurde der frühere Mittelfeldspieler daraufhin von der sportlichen Leitung zum Cheftrainer befördert.

Mit dem Ergebnis, dass es bei Manchester United einmal mehr sportlich und menschlich zwischen einem auf dem Papier qualitativ hochwertigen Kader und dem Trainer nicht zu passen scheint. Als mögliche Nachfolger werden nun Antonio Conte und Fabian Hürzeler gehandelt, der derzeit Brighton & Hove Albion trainiert. Auch Ex-Bundestrainer Julian Nagelsmann soll laut "Telegraph" ein heißer Kandidat sein.

"Das kann ich nicht sagen, aber das muss sich Julian Nagelsmann gut überlegen. Denn da waren jetzt schon einige Trainer am Start, die alles versucht haben", sagte Markus Babbel zu ran: "Und das waren ja nicht alles Blinde, eher im Gegenteil. Aber da ist irgendein Virus in diesem Verein. Ich sehe, dass die Mannschaft nicht überragend ist, aber gut. Aber wie die Fußball spielen, das ist ein Desaster."

Aktuell sieht es danach aus, als ob Michael Carrick im Premier-League-Heimspiel gegen Bournemouth noch auf der Bank sitzen wird. Sollte am Sonntag aber kein überzeugender Sieg gelingen, wird Manchester United wohl wieder auf der Suche sein: nach einem neuen Trainer und einer neuen Identität.

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