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DFB-Team: Ausgerechnet Tom Bischofs Leistung sollte Joshua Kimmich Mut machen

Veröffentlicht:

von Justin Kraft

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DFB-Elf ohne Kimmich besser? Klopp reagiert schlagfertig

Videoclip • 01:55 Min


Nach dem 2:0-Sieg gegen Serbien ist Fußball-Deutschland wieder angetan vom DFB-Team – und besonders von der Idee, Joshua Kimmich wieder aus dem Mittelfeld zu verbannen.

Jürgen Klopp weiß genau, wie er möglichst wenig dazu beiträgt, hitzige Debatten mit eigenen Aussagen weiter zu befeuern. "Wir machen ein Thema auf, das kein Thema ist", sagte der Bundestrainer am Donnerstagabend.

Gemeint war die anhaltende Kritik an Joshua Kimmich und der Eindruck eines großen Teils der Fußball-Republik, dass es ohne den Kapitän ja viel besser gehen würde. Auch Fragen nach den starken Leistungen von Tom Bischof, Aleksandar Pavlovic und Florian Wirtz blockte Klopp zunächst ab.

Er wisse genau, was öffentlich daraus entstehen würde, wenn er diese Frage beantworten würde. Aber Fakt ist: Auch ohne seine Beihilfe wird dieses Thema ausreichend intensiv diskutiert.

Zwei schwächere Auftritte zum Start und ein nun guter Auftritt gegen Serbien mit verändertem Kader hinterlassen Eindruck. Vor allem den Eindruck, dass es ohne Kimmich geht.

DFB-Team: Mittelfeld-Trio harmoniert

Und tatsächlich war das Mittelfeld einer der beeindruckenden Faktoren gegen Serbien. Bischof und Pavlovic harmonierten hervorragend. Letzterer hielt seinen beiden Achtern den Rücken frei, Ersterer überzeugte mit Spielwitz, Dynamik und Offensivdrang.

Bischof traf nicht nur, er riss das Spiel an sich und verteilte die Bälle klug. Hinzu kam mit Wirtz ein Spieler, der seit langer Zeit mal wieder zeigen konnte, wie gut er am Ball ist. Fast noch entscheidender aber war, dass das Trio gegen den Ball ebenfalls funktionierte.

Es gab ein paar Angriffe der Serben, die Deutschlands Schwächen zeigten. Aber das war selten. In den meisten Spielphasen hatte das DFB-Team alles unter Kontrolle. Pavlovic räumte vor der Abwehr auf, Bischof und Wirtz pressten klug in den vorderen Spielfeldzonen und in den Halbräumen.

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Die Mischung im Mittelfeld von Jürgen Klopp war besser

Die Mischung stimmte. Ein Ankersechser, der defensiv stabil ist und den Rhythmus diktieren kann, ist für Klopps System enorm wichtig. Pavlovic hat alle Fähigkeiten, um diese Rolle einzunehmen. Zumal er beim FC Bayern eine ähnliche Aufgabenverteilung hat.

Auf den Achterpositionen setzte Klopp diesmal auf Spiel- und Kombinationsstärke, aber auch auf die Qualität, die engen Halbräume auflösen zu können. Wirtz und Bischof bringen genau das mit. Sie sind wendig, pressingresistent und haben gute Impulse für das Offensivspiel.

Mit ihrem Freilaufverhalten zogen sie gegen Serbien immer wieder die Räume auf, die dann Serge Gnabry und Derry Scherhant mit ihrem Tempo belaufen konnten. Abläufe, die in den vorherigen beiden Partien fehlten.

Joshua Kimmich: Im Dauerfeuer der Kritik

Und genau das wird jetzt Kimmich angelastet. Ein Spieler, der beim DFB ohnehin schon keinen allzu guten Stand hat. Der als Gesicht einer Generation gilt, die ihr volles Potenzial nie ausschöpfen konnte und historische Niederlagen mit der Nationalmannschaft erlebt hat.

Aber auch einer, der genau deshalb gern unfair bewertet wird. Denn nicht nur hatte Kimmich mit seinem Team in den ersten Spielen deutlich schwerere Gegner als der zweite Kader jetzt mit Serbien. Er hatte auch den Nachteil, in einem Mittelfeld zu spielen, das insgesamt nicht gut auf die taktischen Ideen von Klopp abgestimmt wurde.

Denn einer, der fast gar nicht mit einbezogen wird, wenn es um die Kritik geht, ist Felix Nmecha. Es ist bemerkenswert, wie oft der Dortmunder seine Defensivaufgaben vernachlässigt und wie wenig Aggressivität er ins Spiel bringt. Auch sein natürlicher Offensivdrang führt dazu, dass Kimmich eine Rolle spielen muss, die ihm nicht so gut liegt.

Denn der DFB-Kapitän ist selbst ebenfalls ein eher offensiver Sechser oder gar Achter. Beim FC Bayern zeigt er seit der Übernahme von Vincent Kompany wieder verlässlich Weltklasse-Leistungen. Neben dem funktionierenden System ist Pavlovic ein sehr wichtiger Faktor, weil der ihm den Rücken freihält.

Nmecha kann das nicht liefern. Aber andersherum könnte man genauso argumentieren, dass der BVB-Profi eben wenig von Kimmich profitiert. Beide ergänzen sich nicht gut.

Ausgerechnet Tom Bischof macht Kimmich Mut

Es darf bezweifelt werden, ob die drei Mittelfeldspieler aus dem Serbien-Spiel jeweils einzeln im ersten Team funktioniert hätten, wenn sie an der Stelle von Kimmich zum Einsatz gekommen wären. Zu vieles wirkte dort unrund. Und doch ist die Kritik an Kimmich nicht gänzlich unbegründet.

In der Nationalmannschaft hat er es bisher zu selten geschafft, dieselbe dominante Spielweise auf den Rasen zu bringen wie beim FC Bayern – in verschiedenen Konstellationen. Dass eine solche Debatte jetzt aufkommt, hat weniger mit den drei Spielen jetzt zu tun, sondern sehr viel mit dem, was in der Vergangenheit war.

Dass Klopp weiter auf Kimmichs Qualitäten bauen wird, ist dennoch absehbar. Denn in Zukunft wird der Bundestrainer nicht mehr versuchen, die Top-Spieler auf zwei Kader zu verteilen und damit Kompromisse erzwingen. Man könnte sogar eine andere Perspektive auf die Bischof-Leistung eröffnen.

Denn Kimmich und Bischof sind sich als Spielertypen relativ ähnlich. Der Routinier ist etwas besser im Passspiel, dafür deutet das Top-Talent an, mehr Potenzial im Offensivspiel zu haben. Aber gerade weil sich beide in vielen Bereichen ähneln, dürfte es Klopp Hoffnung geben, dass Kimmich in dieser Konstellation gegen Serbien genauso gut funktioniert hätte.

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Und jetzt? Die kommenden Monate werden interessant

Ohnehin sollte man sich von diesen ersten Eindrücken nicht zu sehr vereinnahmen lassen. Deutschland hat eine Pflichtaufgabe gegen Serbien souverän erfüllt. Mit gutem Fußball. Das ist etwas, was zu Recht gelobt wird. Aber der richtige Test erwartet diesen zweiten Kader am Sonntag in Griechenland.

Überzeugt die neue Mittelfeldkonstellation dort ebenfalls, wird die Debatte erstmal weitergehen. Aber Kimmich hat es selbst in der Hand: Zeigt er ab der nächsten Länderspielpause die gewohnten Leistungen, wird an ihm kaum ein Weg vorbeiführen.

Gibt er denen, die ihn kritisch sehen, weiter Nahrung, könnte die Geschichte eine noch ungeahnte Dynamik annehmen. Denn auch beim FC Bayern wird man genau beobachten, wie gut sich Bischof im DFB-Dress macht. Der 21-Jährige ist schon jetzt ein legitimer Kimmich-Erbe.

Die Frage ist weniger, ob dem ehemaligen Hoffenheimer dieser Sprung gelingt, sondern wann. Für den Moment aber stecken viele Emotionen in dieser Diskussion. Dafür war Kimmich in den letzten ein, zwei Jahren einfach zu stark.

Für Klopp aber, immerhin das ließ er durchblicken, ist es gut zu wissen, dass verschiedene Konstellationen im Mittelfeld bedenkenlos möglich sind. Ob die Debatte um Kimmich jedoch wirklich "kein Thema" ist, werden erst die nächsten Monate zeigen.

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