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DFB-Team - Derry Scherhant liefert starkes Debüt: Über Tennis Borussia Berlin zu Jürgen Klopp

Veröffentlicht:

von Kai Esser

ran Fußball

DFB-Team: Urbig bekam Nachrichten von Neuer und Ulreich

Videoclip • 02:42 Min


Derry Scherhant hat beim 2:0 der deutschen Nationalmannschaft gegen Serbien ein starkes Debüt gefeiert. Der 23-Jährige vom SC Freiburg machte einen für moderne Nationalspieler höchst ungewöhnlichen Weg.

Für die meisten heutigen Profifußballer im allerhöchsten Regal war (und ist) der Weg eindeutig: Als junger Teenager in ein Nachwuchsleistungszentrum, irgendwann das Debüt in der Bundesliga und irgendwann gut genug für die Nationalmannschaft, bevor man bei einem Welt- oder zumindest Top-Klub spielt.

Zumindest soll es auf dem Reißbrett in den Träumen diverser junger Bolzplatzkicker so aussehen. Sicher hat auch Derry Scherhant auf den Käfigen Berlins von diesem Weg geträumt.

Der 23-Jährige, der beim 2:0 über Serbien in der Nations League sein Debüt für die deutsche Nationalmannschaft feierte, hat jedoch mehrere Umwege genommen.

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DFB-Team: Derry Scherhant ist ein echter Straßenfußballer

Am Donnerstag stand der Außenstürmer in Diensten des SC Freiburg in München erstmals in der Startelf der deutschen Nationalmannschaft.

Und Jürgen Klopp bekam genau das, was er sich von seinem zweiten Kader erhofft hatte: Tempo, Mut und Zug zum Tor. Scherhant war neben Tom Bischof, der in der 39. Minute zur Führung traf, der auffälligste Mann auf dem Platz.

"Es bedeutet mir alles", sagte Scherhant nach seiner Nominierung. Man merkte es auf dem Platz. Mit Ball und im Gegenpressing, der gebürtige Berliner wusste stets zu überzeugen.

Dabei war sein Weg in die Nationalmannschaft alles andere als vorgezeichnet. Scherhant kickte in Berlin bei Viktoria, Tennis Borussia und dem Berliner SC, also bei lokalen Klubs, lange nicht in einem Nachwuchsleistungszentrum.

Erst 2020 landete er bei Hertha BSC in der U19, ein Jahr später spielte er für die zweite Mannschaft in der Regionalliga Nordost und erzielte dort in 55 Spielen 30 Tore.

Im Januar 2023 folgte sein Bundesliga-Debüt, 2025 der Wechsel zum SC Freiburg. Dessen Sportdirektor Klemens Hartenbach sprach damals von einem "unvergleichlichen und ungewöhnlichen Weg", durch den Scherhant eine unbekümmerte Spielweise erhalten habe.

Ein Straßenfußballer sozusagen.

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Derry Scherhant: Immer mehr machen als die Anderen

Andreas "Zecke" Neuendorf begleitete Berlins Straßenfußballer für einige Zeit bei der Hertha. "Derry ist ein Spieler, der Vielen aufzeigt, was als Fußballer möglich ist. Auch, wenn man vielleicht nicht das maximale Talent in die Wiege gelegt bekommen hat. Sein Wille und seine Entschlossenheit, mehr zu machen als alle anderen, das war schon früh erkennbar", erinnert sich der ehemalige Co-Trainer der Zweitvertretung exklusiv gegenüber ran.

Wie sich Scherhants Arbeitsmoral geäußert hat? "Selbst als er zu den Profis befördert wurde, habe ich ihn morgens am Olympiagelände joggen sehen, als ich angefahren kam - das alles vor dem Training. Und nach der Einheit ging es dann weiter", berichtet der Ex-Profi.

"Damals war es nicht abzusehen, dass er Nationalspieler wird, aber er hat immer das klare Zeichen gesetzt, mehr als andere machen zu wollen. Genau dafür wird er jetzt belohnt", fährt der 51-Jährige fort.

Es ist genau dieser Eifer, mehr zu machen und Extrawege zu gehen, den Klopp bei seinem Team sehen will: "Ich habe den Jungs vorher gesagt: 'Mir fallen nicht so viele Spiele ein, die schlecht waren, wenn das hohe Gegenpressing funktioniert hat.'" Scherhant war sich nie zu schade, Maximilian Mittelstädt - im übrigen ebenfalls Berliner - defensiv zu unterstützen.

Zufrieden mit dem Debüt: Jürgen Klopp beglückwünscht Derry Scherhant

Bild: Jan Huebner


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DFB-Team: Scherhants Karriere ging nicht linear nach oben

Rückschläge gehörten trotzdem dazu.

Im Frühsommer 2025 strich ihn U21-Trainer Antonio Di Salvo kurz vor der EM aus dem Kader, weil Nick Woltemade zur U21 zurückkehren sollte. Nur gut ein Jahr später steht Scherhant mit eben diesem Woltemade gemeinsam in der Startelf der A-Nationalmannschaft.

Nach seinem Wechsel zum SC Freiburg brauchte auch Scherhant Eingewöhnungszeit: In 34 seiner 49 Pflichtspiele war er nur Joker, sieben Tore und zwei Assists sind dabei auch nichts zum Angeben.

Fulminant jedoch war der Start in die neue Saison: Scherhant wurde zum Stammspieler, war maßgeblich beteiligt am furiosen Saisonstart des Sport-Clubs mit sechs Siegen aus sieben Pflichtspielen. Zwei Treffer erzielte er selbst, sieben weitere legte er auf. Vereinsikone Vincenzo Grifo hat er mehrheitlich auf die Bank befördert.

Dennoch tritt SC-Trainer Julian Schuster ein wenig auf die Euphoriebremse: Er müsse noch lernen, "die Tiefe besser zu verteidigen", analysiert der langjährige Profi. "Aber das ist meckern auf hohem Niveau", ließ sich Schuster doch auf ein Lob ein.

Scherhant, Schade, Adeyemi: Mehr Unbekümmertheit, weniger Taktik-Korsett

Scherhant ist nur einer im neuen Kader von Jürgen Klopp, die genau diese Attribute mitbringen.

Karim Adeyemi und Kevin Schade sind nicht nur ähnliche Spielertypen, sie bringen auch die gleiche Bereitschaft mit. Ihr "Pech" war es, in der zweifellos weniger gut funktionierenden Mannschaft gegen zweifellos stärkere Gegner in Griechenland und den Niederlanden anzutreten.

Aber sie spielen mit Selbstbewusstsein und Tempo. Wenn Klopp es schafft, die PS dieser Jungs auf die Straße zu bringen, dann könnte die größte Schwäche der Nationalelf - nämlich die zuvor fehlende Dynamik und zu große Statik bei zu wenig Geschwindigkeit im Aufbau - auf einmal die größte Stärke werden.

Mit waschechten Straßenfußballern eben.

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