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Nations League

DFB-Team unter Jürgen Klopp - Markus Babbels erste Bilanz: Das ist Kimmichs größtes Problem

Veröffentlicht:

von Martin Volkmar

NFL

DFB-Team - Klopps Erkenntnisse: "Es fehlt definitiv nicht an Talent"

Videoclip • 02:08 Min


Im ran-Interview nennt Markus Babbel seine Erkenntnisse der XXL-Länderspielphase unter dem neuen Bundestrainer und äußert sich zu den EM-Chancen der deutschen U21.

Das Interview führte Martin Volkmar

Jürgen Klopp hat seine ersten vier Länderspiele als Bundestrainer hinter sich.

Wie fällt die erste Bilanz aus?

ran sprach darüber mit Ex-Nationalspieler Markus Babbel.

Dabei äußert sich der Europameister von 1996 unter anderem zur Torwartfrage, zu verbesserten Defensive, der Diskussion um Kapitän Joshua Kimmich und der größten Problemzone der DFB-Auswahl.

Zudem blickt Babbel aufs letzte Qualifikationsspiel der deutschen U21 am Dienstag gegen Georgien, das er wie gewohnt als Experte begleiten wird (17:30 Uhr live im kostenlosen Joyn-Stream).

Babbel: DFB-Team hat die Überzeugung gefehlt

ran: Markus Babbel, wie fällt Ihr Fazit nach der ersten XXL-Länderspielphase unter Jürgen Klopp aus?

Markus Babbel: Ich fand es sehr interessant. Man hat viele neue Eindrücke bekommen, viele neue Spieler auf höchstem Niveau gesehen. Aber es war für mich klar, dass wir Geduld brauchen. Es war ja jedem klar, dass es nicht reicht, wenn Jürgen Klopp einmal mit dem Finger schnipst. Deswegen fand ich auch seine Entscheidung richtig und rein von der Belastungssteuerung her nachvollziehbar, dass er so viele Spieler nominiert hat. Man hat kleine Schritte nach vorne gesehen, die muss man weitergehen. Aber man hat auch gesehen, was uns fehlt.

ran: Und zwar?

Babbel: Vor allem die Überzeugung, dass wir einfach besser sind als der Gegner. Diese Mentalität, die uns früher ausgezeichnet hat, ist nicht mehr so da. Sonst hätten wir gegen die Griechen gewonnen, wir waren ja in beiden Spielen hoch überlegen. Da müssen wir wieder hinkommen. Aber wir brauchen auch einfach zu viele Torchancen, um als Sieger vom Platz zu gehen. Erfreulich war hingegen, dass wir weniger Gegentore bekommen haben.

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Urbig hat im Tor "den besten Eindruck gemacht"

ran: Die Defensive hat zuletzt zweimal zu null gespielt und dabei insgesamt überzeugt, allen voran Torwart Jonas Urbig. Können Sie sich vorstellen, dass Klopp ihn in der Nationalmannschaft zur Nummer 1 macht, obwohl er bei Bayern nur die Nummer 2 ist?

Babbel: Das würde mich überraschen. Denn dafür müsste er im Verein auch absoluter Stammspieler sein. Also Manuel Neuer verdrängen, und das wird ja nicht passieren. Urbig wird sich also noch etwas gedulden müssen. Auch wenn er auf mich von allen eingesetzten Torhütern den besten Eindruck gemacht hat und ein Gesicht des Neuanfangs ist.

ran: Das heißt, Sie sehen eher Marc-Andre ter Stegen vorerst gesetzt?

Babbel: Mich hat es etwas gewundert, dass sich Jürgen Klopp vor den Spielen so klar für ter Stegen positioniert hat. Denn er war extrem lange verletzt und war auch bei Ajax bisher nicht in der Topform, die man von ihm aus Barcelona kannte. Gerade wenn man sich Alex Nübel anschaut, der sich beim VfB Stuttgart zum absoluten Klasse-Torwart entwickelt hat und das nach seinem Wechsel auch bei Besiktas großartig macht. Deshalb würde ich mich da noch nicht festlegen.

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Babbel: Anton ist "extrem unterbewertet"

ran: Wie sehen Sie als ehemaliger Weltklasse-Abwehrspieler Ihre Nachfolger in der Innenverteidigung?

Babbel: Sehr gut. Wobei ich die Behauptung ohnehin nicht geteilt habe, dass wir keine guten Innenverteidiger haben. Das sehe ich völlig anders. Besonders Waldemar Anton ist für mich extrem unterbewertet. Der fliegt unterm Radar und keiner merkt eigentlich, wie konstant gut er Leistungen abruft. Auch Malick Thiaw hat mich nicht überrascht, denn ich verfolge ihn regelmäßig in der Premier League. Er war zuletzt sogar Kapitän bei Newcastle, das schaffst Du nur durch Topleistungen. Nicht zu vergessen Yann-Aurel Bisseck, vor dessen Werdegang zum Stammspieler und Titelsammler bei Inter Mailand ich nur den Hut ziehen kann. Er hat sich dort wirklich zu einem Top-Verteidiger auf internationalem Niveau entwickelt. Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck sind ohnehin schon länger in der Kategorie.

ran: Wie sehen Sie die Außenverteidiger, die tatsächlich als Problemzone galten?

Babbel: Nene Brown hatte links wieder Licht und Schatten. Mit Ball im Spiel nach vorne ist er großartig, aber wichtig ist eben auch das Spiel ohne Ball. Und das Defensivverhalten bleibt unsere große Baustelle. Wenn es gebrannt hat, war es eigentlich immer auf seiner Seite, weil er entweder schlecht gestanden, schlecht in den Zweikampf gegangen ist oder die Gefahr nicht erkannt hat und dann auch zu spät war. Daran muss Brown weiter arbeiten – und das gilt genauso für David Raum und Maxi Mittelstädt. Alle drei haben ihre Stärken ganz klar nach vorne. Aber in der Defensive haben sie halt ihre Schwachpunkte.

DFB-Team hat "keine Außenverteidiger mit Weltklasse-Format"

ran: Wie sehen Sie es auf der rechten Seite, wo Philipp Treu gleich dreimal in der Startelf stand?

Babbel: Wichtig für einen Außenverteidiger ist, dass er seine Seite nach hinten dicht macht und sich immer wieder in die Offensive einschaltet. Das hat Philipp Treu sehr gut gemacht, aber auch Josha Vagnomans Leistung im zweiten Spiel war ordentlich. Entscheidend ist ja, dass dort wieder ein Spezialist spielt und nicht ein Mittelfeldspieler wie Joshua Kimmich bei der WM. Das war total unnötig. Wir haben zwar keine Außenverteidiger mit Weltklasse-Format, aber sie sind zumindest gut genug, um in der Nationalmannschaft ihre Chance zu bekommen.

ran: Nun gibt es bereits die nächste Diskussion um Kimmich und die Frage, ob für ihn im Mittelfeld überhaupt noch Platz ist. Was ist Ihre Meinung?

Babbel: Man kann Joshua Kimmich sicher den Willen nicht absprechen, im Gegenteil. Ich glaube aber, das ist sein größtes Problem: Er will zu viel. Und dadurch, so ist zumindest mein Gefühl, verzettelt er sich dann irgendwann mal auf den Platz. Wenn du auf der Sechs spielst, musst du vor der Abwehr sein und deinen Innenverteidigern helfen. Aber dann will er auch noch den Spielmacher geben und so bekommst du schnell ein Problem in der Rückwärtsbewegung, wenn die Position nicht gehalten wird. Und jetzt hat Aleks Pavlovic vor der Abwehr gespielt und einfach dort seinen Job gemacht - und im Gegensatz zu den letzten Spielen mit Kimmich spielst du auf einmal zu null.

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Joshua Kimmich nach der Niederlage gegen Griechenland

Bild: IMAGO/DeFodi Images


Babbel: Ohne Kimmich schaut es "ein bisschen runder aus"

ran: Weshalb der Kapitän plötzlich in Frage gestellt wird ...

Babbel: Ja, das ist der Grund, warum die Leute berechtigterweise jetzt über Kimmich diskutieren. Da bin ich froh, dass ich nicht in der Haut des Bundestrainers stecke. Denn ich schätze Jo Kimmich wahnsinnig für seine Fähigkeiten, die er vor allem bei Bayern München immer wieder zeigt. Andererseits hat man halt gemerkt: Wenn die anderen im Mittelfeld spielen, schaut es irgendwie immer ein bisschen runder aus. Und man hat weniger Angst, dass hinten was passiert.

ran: Die größte Baustelle, das haben Sie schon selber am Anfang angesprochen, liegt allerdings offenbar im Sturm.

Babbel: Ja, wir haben jetzt seit Jahren keinen Mittelstürmer, bei dem du dich einfach darauf verlassen kannst, dass er permanent Tore macht. Da müssen wir weiter dran arbeiten, das Beste aus den Jungs zu holen, die wir haben. Aber wenn du siehst, dass Younes Ebnoutalib vor zwei Jahren noch in der vierten Liga gespielt hat, dann weißt du, dass da irgendwas falsch läuft. Sonst hast du normalerweise in so kurzer Zeit keine Chance auf die Nationalmannschaft, auch wenn ich seine Erfolgsstory überragend finde.

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Tresoldi und Pejcinovic: Optionen für die A-Nationalmannschaft

ran: Womit wir bei der U21 wären, bei der Sie am Dienstag als Experte gegen Georgien in Sat.1 wieder dabei sind. Denn vor allem Nicolo Tresoldi und Dzenan Pejcinovic wären geeignete Kandidaten für die A-Nationalmannschaft, oder?

Babbel: Es würde mich überraschen, wenn die Diskussion über eine Berufung Tresoldis jetzt nicht wieder Fahrt aufnimmt. Denn eins hat er bewiesen: Er weiß, wo das Tor steht. Und für Pejcinovic gilt das genauso. Das hat mir in den beiden Spielen in Malta und Lettland sehr gut gefallen. Wenn die Jungs weiter Gas geben, wird der Bundestrainer nicht an ihnen vorbeikommen. Er hat ja selbst gesagt: Die Tür ist sperrangelweit offen. Tresoldi hat sich jetzt klar zur U21 bekannt und will sich erst nach der EM-Endrunde entscheiden. Aber Pejcinovic hätte man auch schon diesmal mitnehmen können.

ran: Muss man Sorgen haben, dass die U21 nicht mit ihrer bestmöglichen Mannschaft zur Endrunde fährt, weil sich Spieler wie jetzt etwa Tom Bischof bis dahin beim A-Team festgespielt haben?

Babbel: Ja, und das wäre sogar wünschenswert. Denn das ist ja das Ziel, dass wir eben möglichst viele junge Talente nach oben bringen. Wir haben eine tolle U21 mit vielen solcher Spieler. Man muss nur den Mut haben, ihnen eben in der A-Nationalmannschaft eine Chance zu geben. Und dann wird man belohnt, das hat man bei Bischof und Co, in den letzten beiden Spielen gesehen.

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Deutsche U21 steht vor der EM-Qualifikation

ran: Trotzdem zählt die deutsche U21 zum Kreis der EM-Favoriten, ist aber noch gar nicht für die Endrunde qualifiziert. Kann denn im Heimspiel gegen Georgien überhaupt noch etwas schief gehen?

Babbel: Wenn, dann wäre das eine große Überraschung, weil die Jungs auf mich einen sehr fokussierten und stabilen Eindruck machen. Zumal sie jetzt nochmal fast eine Woche hatten, um sich auf diese letzte Partie der Gruppenphase vorzubereiten. Toni di Salvo hat jetzt nochmal die Möglichkeit gehabt, mit ihnen länger zu trainieren und nochmal gewisse Dinge einzustudieren. Wenn sie die Aufgabe also fokussiert angehen so wie in den beiden Spielen zuvor, dann sind sie klar besser und werden sich durchsetzen. Weil sie eben auch Spieler haben, die Tore schießen können.

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