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FIFA-Report: Gegenpressing als WM-Erfolgsfaktor – und mit Jürgen Klopp bald auch beim DFB-Team?

Veröffentlicht:

von Justin Kraft

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DFB-Elf ohne Kimmich besser? Klopp reagiert schlagfertig

Videoclip • 01:55 Min


Die FIFA hat eine große Taktik-Analyse der WM 2026 veröffentlicht. Eine Erkenntnis dürfte Jürgen Klopp besonders erfreuen.

Jürgen Klopp hat es mal wieder geschafft, seine Philosophie mit ganz wenigen Worten auf den Punkt zu bringen.

"Wir können jedes Risiko der Welt nehmen", fing der Bundestrainer in unnachahmlicher Art und Weise im "ZDF" an: "Wenn unser Gegenpressing durch die Decke geht. Dann sind Ballverluste kein Thema."

Für den 59-Jährigen ist das Gegenpressing nicht nur "der beste Spielmacher", wie er einst sagte. Es ist auch Mittel zum Zweck. Wie macht man Offensivspielern die Defensivarbeit schmackhaft? Mit Freiheiten.

Ihnen zu vermitteln, dass sie mit dem Ball beinahe machen können, was sie wollen, wenn sie gegen den Ball aggressiv und clever genug verteidigen, ist eine der Königsdisziplinen, die Klopp bisher an jeder seiner Stationen gemeistert hat.

Dass er den Fokus so stark auf diesen Bereich des Spiels legt, ist natürlich alles andere als Zufall. Und ein FIFA-Report bestätigt ihn in dieser Meinung.

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FIFA veröffentlicht Taktik-Report: Ganz nach Klopps Geschmack

Mehr als 500 Seiten hat der Weltverband zur WM 2026 veröffentlicht. Darin halten Experten fest, was die großen taktischen Entwicklungen und Erkenntnisse des Turniers waren.

Das Gegenpressing wurde dabei als ein großer Erfolgstrend ausgemacht. Für die Topteams sei dieses Stilmittel entscheidend gewesen. Besonders Spanien wird hier hervorgehoben. Ihnen gelang es besonders gut, aus den Balleroberungen direkt Kapital zu schlagen und eigene Chancen zu erspielen.

Im Spitzenfußball hat sich auch abseits der Weltmeisterschaft längst der Ansatz etabliert, wieder offensiver und aggressiver zu spielen. Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain setzt etwa auf ein hohes Anlaufverhalten und ein aggressives Gegenpressing. In Deutschland ist der FC Bayern sehr bekannt dafür.

Ob der FC Barcelona in Spanien oder einige Teams aus England: Spitzenteams gehen immer häufiger ein gewisses defensives Risiko, um in der Offensive durchschlagskräftig zu sein.

Länderspielen fehlt oft das Risiko

Allerdings betraf das vor allem den Klubfußball. Die großen Turniere der Nationalmannschaften zeichneten sich in den vergangenen Jahren häufig durch einen starken Fokus auf eine kompakte Defensive und risikoloses Ballbesitzspiel aus. Gründe dafür könnten die Kaderqualität sein, die sich nicht wie bei Klubs durch Transfers aufbessern lässt.

Oder auch die Vorbereitungs- und Trainingszeiten, die stark eingeschränkt sind. Trotzdem gibt es Nationalmannschaften, die auf eine Mischung setzen: Mit dem Ball ein offensives Risiko eingehen und sich mit einem aggressiven Gegenpressing bei Ballverlusten absichern. Gelingt das nicht, zieht man sich zurück in eine kompakte Defensive.

Es wird spannend zu beobachten sein, ob sich die Offensivfreudigkeit aus dem Klubfußball jetzt auch noch mehr im Nationalmannschaftsfußball etablieren wird. Besonders einprägsam war hier das Duell zwischen PSG und dem FC Bayern im Halbfinale der Champions League. Das Hinspiel erzeugte eine emotional geführte Debatte darüber, ob das überspitzt formuliert noch Fußball war oder etwas, was den Sport unattraktiv macht.

Auf der einen Seite stand das athletische Spektakel. Beide Teams sprinteten sich in Grund und Boden, pressten, was das Spiel hergab und spielten selbst dann sehr vertikalen Fußball. Hohes Tempo und neun Tore zeichneten den 5:4-Sieg der Franzosen aus.

Andererseits wurde kritisiert, dass das zu wild war. Keinerlei Kontrolle, wenig Rhythmus und Struktur. Beide Seiten haben ihre Argumente. Unter dem Strich ist das aber der moderne Fußball, den viele Teams anpeilen.

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DFB-Team: Noch offensiver?

Denn die tiefen Abwehrblöcke zwingen Klubs wie PSG oder den FC Bayern dazu, mehr Risiko in der Offensive zu gehen. Und das geht wiederum nur auf Kosten der Präzision und mit dem berühmten Auffangnetz des Gegenpressings. Gewinnt der Gegner den Ball, soll er sofort unter Druck stehen und keine kontrollierten Gegenstöße starten können.

In diese Kerbe schlägt nun auch Klopp beim DFB. Vielleicht noch etwas stärker als Julian Nagelsmann. Ein ganz großer Paradigmenwechsel ist es aber nicht. Auch Nagelsmann setzte auf hohes Pressing und aggressives Gegenpressing. Sein größtes Problem war, dass er keine Offensivreihe fand, die ihm die hohen Ballgewinne anbieten konnte – oder er sie taktisch nicht in die richtigen Situationen gebracht hat, weil die Struktur mit dem Ball nicht ausreichend gut war.

Exakt dieser Punkt wird gern unterschätzt, wenn es um Klopp geht. Jahrelang wurde er als Gegenentwurf zu Pep Guardiola betrachtet, dabei sind sich beide ähnlicher als man zunächst denkt. Klopp hat sich enorm weitergebildet und weiterentwickelt, was Strukturen mit dem Ball anbelangt. Weil er sie benötigt. Ein Team, das in Ballbesitz schlecht positioniert ist, ist bei Ballverlusten anfälliger für Konter. Das Gegenpressing funktioniert dann schlechter.

Guardiola wiederum setzt seit jeher auf ein aggressives Gegenpressing, um den Ballbesitz schnell zurückzuerobern. Während ihrer Zeit in England haben sich beide voneinander inspirieren lassen.

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Bundestrainer Jürgen Klopp.

Bild: Kirchner-Media


Das sind die nächsten Klopp-Aufgaben

Klopps Aufgabe beim DFB-Team wird es jetzt also sein, die Struktur mit dem Ball zu verbessern und zu gewährleisten, dass die Wege bei Ballverlusten möglichst kurz sind, um ins Gegenpressing zu kommen. Gegen Serbien hat das "außergewöhnlich gut" funktioniert, wie der Bundestrainer analysierte.

Griechenland aber wird eine andere Herausforderung sein. Die Griechen verteidigen kompakter, disziplinierter und sind in Umschaltsituationen deutlich cleverer, weil sie jede Lücke in der gegnerischen Formation eiskalt bestrafen.

Aber Klopp weiß, dass seine beste Chance darin liegt, die Köpfe von Ausnahmespielern wie Florian Wirtz wieder damit freizubekommen, dass sie in der Offensive "alles Risiko der Welt" nehmen dürfen – solange sie in der Lage sind, etwaige Ballverluste mit Leidenschaft, Laufarbeit und viel Energie zu reparieren. Nur dann kann der Gegenpressing-Ansatz von Klopp eine Erfolgsgeschichte werden.

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