WM 2026
DFB-Team: "Ein Vollskandal!" Deutschland hadert mit Schiedsrichter – die Stimmen nach dem Paraguay-Debakel
Aktualisiert:
von Justin Kraftran Fußball
DFB-Team - Havertz bedient nach WM-Aus: "Zweimal reingeschissen"
Videoclip • 02:54 Min
Das DFB-Team ist blamabel gegen Paraguay bei der WM 2026 ausgeschieden. Die Stimmen zum Debakel.
Aus der Traum für das DFB-Team. Gegen Paraguay reicht eine weitere dürftige Leistung nicht zum Weiterkommen. Im Elfmeterschießen schlagen die Südamerikaner die deutsche Nationalmannschaft.
Für Bundestrainer Julian Nagelsmann und den Fußball-Verband dürften jetzt schwierige Tage und Wochen anstehen. Die Spieler waren ebenso ratlos nach dem Spiel wie zahlreiche Expertinnen und Experten.
"Wir haben es gegen den schwächsten Drittplatzierten der Vorrunde in 120 Minuten nicht geschafft, mehr als zwei Torschüsse aufs Tor zu bringen", sagte Per Mertesacker beim "ZDF". Tabea Kemme sprach bei "MagentaTV" von der großen Frage, warum diese talentierten Fußballer ihre Qualitäten nicht auf den Rasen bringen können und vermutete mentale Gründe.
Die Verantwortlichen der Nationalmannschaft ließen sich nach der Enttäuschung derweil nachvollziehbarerweise Zeit, bis es erste Stimmen gab. ran hat die wichtigsten Aussagen bei "MagentaTV" und im "ZDF" gesammelt. Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert.
Kai Havertz: "Zum zweiten Mal reingeschissen"
Kai Havertz über ...
... das WM-Aus: Mir fehlen ein bisschen die Worte. Meine zweite WM, zum zweiten Mal reingeschissen. Die letzten Turniere waren nichts. Das Einzige, was ich sagen kann, ist Entschuldigung. Wir hatten uns viel vorgenommen, jetzt wieder zu enttäuschen ist kein schönes Gefühl.
... das Spiel: Die Paraguayer haben tief verteidigt, es war schwer Tempo zu kreieren. Wir haben es über Flanken versucht. Das war auch beim 1:1 erfolgreich. Wenn man so gegen Paraguay ausscheidet, dann stimmt irgendetwas bei uns nicht und dann hat man es verdient. Wir haben nicht viel zugelassen, waren viel am Ball, haben das Momentum nach dem 1:1 auf unserer Seite und haben das Momentum nicht gefunden.
... den Elfmeter: Ich war auch einer derjenigen, die verschossen haben.
... die Leistungen: In diesem Turnier haben wir keinen schlechten Fußball gespielt. Wir haben guten Fußball gespielt, aber irgendwas hat uns immer gefehlt. Die Spieler, der Trainer ausgeschlossen, müssen sich an die eigene Nase fassen. Wir spielen für ein Riesenland, mit so einer Historie. Wenn man dann immer wieder so früh rausfliegt, dann hat man es auch verdient.
Julian Nagelsmann trifft Zukunftsentscheidung
Julian Nagelsmann über ...
... das Gegentor: Ja, es gibt ein paar. Wir sind aus einem Standard in Rückstand geraten, haben eine Überzahlsituation, die wir sehr schlecht verteidigen.
... das Spiel: Unser Ballbesitz war sehr langsam, es war sehr langsam, von Flügel zu Flügel zu spielen. Wir haben irgendwann auf mehr Brechstange umgestellt.
... das nicht gegebene Tor: "Skandal, dass er das nicht zurückpfeift. Ich weiß nicht, was er da gesehen. Das ist sogar ein Vollskandal. Das ist nicht mal ansatzweise ein Foulspiel."
... die Ausrichtung: Wir hatten die Kontrolle über das Spiel, der Punch hat aber gefehlt.
... die Einstellung: Die Jungs wollten schon gewinnen, ich hatte den Eindruck, dass sie Gas gegeben haben. Wir hatten zwei Spitzen, hatten aber keine Präsenz im Strafraum. Wir müssen in der ersten Minute in Führung gehen, da stehen wir mit vier Mann vorm Tor, da chipt der Deniz den Ball auf den zweiten Pfosten.
... seine Enttäuschung: Extrem groß, weil ich finde, dass wir eine sehr homogene Mannschaft haben, die sich sehr gut versteht und dass es sich nicht abgezeichnet hat, dass wir heute ausscheiden. Auch nicht im Training. Ich glaube schon, dass mehr möglich gewesen wäre. Wir hätten uns gern mit Frankreich duelliert, um ein bisschen wieder reinzuschnuppern.
... die Fans: Die Stimmung war von den deutschen Fans top, sie haben nie gepfiffen, haben versucht, uns nach vorn zu peitschen. Kann man auch anders machen, wenn so ein Spiel gegen Paraguay so läuft. Darüber bin ich sehr glücklich.
... seine Zukunft: Ich stehe bereit, wenn man das möchte. Wenn man das nicht möchte, muss man mir das sagen. Ich möchte es weitermachen. Im Fußball hat man nicht alles selber in der Hand. Wenn der DFB das möchte, bereite ich gerne die EM vor und die Nations League. Wenn sie das nicht möchten, dann müssen sie das sagen.
Manuel Neuer
... das Spiel: Es waren zu wenig Torchancen. Ich glaube, dass sie nicht versucht haben, uns zu pressen, sie haben sich hinten reingestellt und wir hatten nicht die Mittel.
... das Elfmeterschießen: Wenn das eine oder andere Tor mehr im Turnier gefallen wäre oder man heute mehr Torchancen gehabt hätte, hätte man beim Elferschießen vielleicht mehr Sicherheit gehabt. Sie haben zwei Bälle nicht rein gemacht, dann musst du auch weiterkommen.
... seine Enttäuschung: Es ist extrem bitter, so aufzuhören.
Joshua Kimmich
... seine Enttäuschung: Schwierig, das zum Ausdruck zu bringen, was in mir vorgeht. Wir sind wieder früh ausgeschieden, weil wir einen schwachen Gegner nicht schlagen konnten.
... das Spiel: Wir haben es versucht mit einigen Bällen in die Box. In der ersten Halbzeit waren wir sehr ungefährlich, in der zweiten Halbzeit haben wir es mit Flanken versucht. Wir machen das 2:1 mit Jona, haben noch die Chance mit Waldemar Anton, trotzdem war es nicht genug.
... die Turnierbilanz: Wir haben es auch in den anderen Spielen nicht geschafft, viele Chancen zu kreieren. Kassieren dann auch immer ein Gegentor, müssen einem Rückstand hinterherlaufen. Wenn man alle Spiele zusammen nimmt, ist es deutlich zu wenig.
... die Gründe: Normal darf es gegen so einen Gegner bei allem Respekt nicht ins Elfmeterschießen kommen. Wir haben 120 Minuten für zwei Tore und weil wir das nicht schaffen, verlieren wir das Spiel.
... seine Gefühle und was in seinem Kopf vorgeht: Einiges. Gerade wenn man die Turniere zusammennimmt, ist es schon so, dass man hier antritt, weil man Deutschland stolz machen will. Ich kenne Deutschland aus dem Fernsehen, immer Halbfinale oder Finale. Das konnten wir ihnen nicht geben.
... die Verantwortung: Wir müssen dafür gerade stehen, das war nicht der Trainer, nicht der Schiedsrichter, nicht der Gegner. Wir Spieler müssen die Verantwortung tragen.
... seine Zukunft: Ich habe immer die Power. Ich werde niemals aufgeben.
Rudi Völler stärkt Nagelsmann
Rudi Völler über ...
... seine Gefühle: Die Enttäuschung ist riesengroß. Es hat nicht gereicht, alle haben hängende Köpfe. Wir haben uns mehr ausgerechnet, es war auch mehr drin, aber leider sind wir ausgeschieden.
... die Leistungen: Wir haben zweimal hintereinander verloren. Wir haben auch vorher nicht alles schön geredet. Wir wissen schon, wer vor allem der erste Gegner war, aber wir waren auch optimistisch. Wir haben die Elfmeter nicht so geschossen, wie wir das seit vielen Jahrzehnten gewohnt sind. Es tut weh.
... Nagelsmanns Zukunft: Wir sind zweimal nach einer Gruppenphase ausgeschieden, jetzt einmal nach der Gruppenphase. Das ist für so ein Fußballland wie Deutschland schwer zu ertragen. Ich habe deutlich gemacht, was ich für ein Verhältnis zu Julian habe. Er ist immer noch ein Top-Trainer. Ich bin immer noch überzeugt, dass er wahrscheinlich der Richtige ist, aber ich bin auch nicht der DFB alleine.
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Jürgen Klopp
Jürgen Klopp über ...
... seine Ambitionen, mal Bundestrainer zu werden: Da habe ich noch nicht drüber nachgedacht. Ich bin der einzige, der so eine Situation schon hundertmal hatte. Ich verstehe das, dass mein Name in irgendeiner Form genannt wird, aber das ist nicht der Moment, darüber zu sprechen. Es ist eine Kuriosität, dass ich hier stehe. Ich habe einen Job, den ich sehr gerne machen und soweit ich gehört habe, ist das kein Halbtagsjob.
... das aberkannte Tor: Fakt ist, wenn dieses Tor irregulär ist, dann wird Arsenal nicht englischer Meister. Ich glaube, die haben 60 Prozent ihrer Tore so geschossen.
Das sagen die deutschen Schiedsrichter-Experten zu der strittigen Szene:
Manuel Gräfe
Der ehemalige Top-Schiedsrichter meldete sich auf seinem "X"-Account zu Wort: "Ein Witz, dieses 2:1 abzuerkennen! Aber, das passt nahtlos zu den zum Teil skandalösen Entscheidungen bei dieser WM! Kontakt ja, Foul niemals. (…) Grotesk!"
"Wenn man das von Anton pfeift, dann muss man auch vorher das klare Halten an Goretzka pfeifen und Elfmeter geben. (…) Absoluter Witz, aber passt leider zur WM!", schrieb er in seinem Post weiter.
Patrick Ittrich
Ittrich sprach nach dem Spiel bei Magenta wie folgt über die Szene: "Für mich ist das zu kleinlich. Natürlich gibt es einen Kontakt mit dem Torwart, aber ich sehe kein Wegstoßen, kein Wegdrücken, kein Festhalten."
Und weiter: "Den Schutz im Fünfmeterraum gibt es nicht mehr. Er hat nicht in den Arm gegriffen, er hat ihn nicht weggedrückt, er hat ihn nicht festgehalten. Er hat tendenziell ein bisschen geschoben – das ist irgendwie ok, im Rahmen, aber nicht in der Form, dass man hier hätte als VAR eingreifen können oder sollen."
Frank Willenborg
Willenborg begleitet die WM für den "Kicker" und ließ sich dort wie folgt zitieren: "Die Szene ist definitiv falsch entschieden vom Schiedsrichterteam. Jonathan Tah köpft aufs Tor, der Torwart und Waldemar Anton berühren sich zwar im Vorfeld, aber im Fünfmeterraum gibt es keine Sonderregel."
"Es hätte ein Foulspiel vorliegen müssen gegen den Torwart. Die Erklärung nach Onfield-Review, dass Anton den Torwart beim Erreichen des Balles behindert, ist regeltechnisch nicht gedeckt, von daher ist es eine klassische Fehlentscheidung."
Lutz Wagner
Der DFB-Schiedsrichter-Lehrwart Lutz Wagner war bei der "ARD" ähnlicher Meinung: "Der Torwart hat im Fünfmeterraum keine Sonderrechte, er hat am Spiel teilnehmen können. Für mich wäre Weiterspielen die richtige Entscheidung gewesen. Ein klares Vergehen sehe ich nicht.“
Das sagen außenstehende Experten zum aberkannten Tor der DFB-Elf:
Peter Schmeichel
Die dänische Torwart-Legende Peter Schmeichel sah in der Aktion ebenfalls kein Foul des Dortmunders: "Er ist einfach nur da. Der Torwart rennt in ihn rein. Für mich haben sie das falsch entschieden."
Mark Clattenburg
Der frühere britische Schiedsrichter Mark Clattenburg hat allerdings eine andere Meinung. Gegenüber dem US-Sender "Fox" sagte er: "Das ist ein klares Foul für mich."
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