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Kommentar: Gianni Infantino verkauft den Fußball – und wird gerade deshalb immer mächtiger

Veröffentlicht:

von Justin Kraft

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Trump will Infantino als neuen UN-Generalsekretär

Videoclip • 01:01 Min • Ab 12


Gianni Infantino ist der König der Fußballwelt – und instrumentalisiert das Spiel für seine Macht, wo er nur kann. Ein Kommentar.

Woran erkennt man mächtige Männer? Unter anderem daran, dass sie sich in aller Öffentlichkeit über all jene erheben, die sie als Gegner oder gar Feinde bewerten. Gianni Infantino holte neulich auf Instagram zum Rundumschlag aus.

"An diejenigen, die hinter ihren Stiften und Blättern, hinter ihren Bildschirmen sitzen und Hass und falsche Gerüchte verbreiten", fing er an: "Während ihr euch im Hintergrund versteckt, stehen wir bei der FIFA an vorderster Front, organisieren, arbeiten hart und sorgen dafür, dass die beste Show der Welt stattfindet."

Seinen Kritikern empfahl er, "zu meditieren, zu beten oder ein Fußballspiel zu schauen". Ein Diskussionsbeitrag? Nein. Eine Ansage mit deaktivierter Kommentarfunktion. Infantino inszeniert sich als König der Fußballwelt. Als Wohltäter, der den nationalen Verbänden von seinem eigenen Wohlstand etwas abgibt, um dem Fußball Wachstum zu ermöglichen.

Untermauert mit Finanzkennzahlen, die durchaus beeindrucken. Allein die WM 2026 sorgte für Rekordeinnahmen von etwa 15 Milliarden US-Dollar. Doch es gibt noch etwas, woran man mächtige Männer häufig erkennt: Sie bekommen nicht genug. Bereits der nächste Milliarden-Deal steht in den Startlöchern.

Die FIFA will Anteile an einem Unternehmen verkaufen, das die WM kontrolliert. Eine weitere Eskalation in einem neuen Zeitalter, in dem Infantino auch das letzte Stückchen Integrität des Spitzenfußballs gegen Macht und Geld eintauscht.

Der Spitzenfußball als Sport für wenige statt für alle

Die Veranstaltungsorte der letzten Weltmeisterschaften sprechen da bereits für sich. Russland, Katar, die USA unter Donald Trump – mit dem sich Infantino besonders eng angefreundet hat. Man muss sich nichts vormachen: Der Fußball war immer politisch, er wird es auch immer sein.

Infantino aber lotet neue Grenzen aus. Regeln werden spontan angepasst, wenn Superstars oder politisch wichtige Gastgeber davon profitieren, und Einreiseschwierigkeiten durch rassistische Politik werden in Kauf genommen, wenn das Geld fließt.

Das tut es zweifellos. Da ist es auch egal, dass sich Fans über zu teure Tickets beschweren. Denn am Ende waren die Stadien ja doch wieder gut gefüllt. Dann ist Fußball eben kein Spiel für alle, sondern eines für die Elite.

Im fußballverrückten Mexiko warteten Fans sehnsüchtig auf eine Gelegenheit, ihre Nationalmannschaft bei einem Heimturnier zu sehen. Doch viele hart arbeitende Menschen konnten es sich schlicht nicht leisten. Fußball als verbindender Sport mit niedriger Eintrittsschwelle? Schon lange ein Märchen von früher.

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Gianni Infantino sitzt fest auf seinem Thron

Und wir? Wir als Berichterstatterinnen und Berichterstatter oder Fans können und müssen das kritisieren. Aber zur Wahrheit gehört auch, dass all das bisher keinen negativen Einfluss auf Infantino hat. Im Gegenteil: Der Präsident sitzt so fest auf seinem FIFA-Thron wie noch nie. Die Einnahmen erlauben es ihm, die nationalen Verbände fürstlich zu entlohnen.

Die wiederum danken es ihm mit reichlich Stimmen bei der nächsten Wahl im März 2027. So der Plan, der laut mehreren Medien bereits jetzt absehbar aufgehen wird. Denn die meisten nationalen Verbände vergessen ihre Kritikpunkte ebenfalls, wenn sie nur gut genug dafür bezahlt werden.

"Die Seele und die Führung des Fußballs sind keine Vermögenswerte, mit denen gehandelt werden darf – insbesondere dann nicht, wenn völlig intransparent ist, wer finanziell davon profitiert", schrieb die UEFA in einem Statement: "Keiner von uns besitzt den Fußball. Es ist nicht an der FIFA, ihn zu verkaufen."

Zu wenig, zu spät, könnte man meinen. Denn das ist längst passiert. Und auch wenn die UEFA sich hier als Wortführerin des Widerstands gibt, ist nicht damit zu rechnen, dass sie drastische Schritte einleiten wird.

Infantino spielt nicht nur mit den vermeintlichen Werten des Fußballs. Er verkauft sie, er schreibt sie um und er verkauft all das als Dienstleistung im Sinne des Spiels. Mit der eigentlichen Basis und dem Ursprung des Fußballs hat das nicht mehr viel zu tun. Aber seine Macht, so viel kann man jetzt schon festhalten, hat er dadurch nur nochmal verstärkt. Allein das sagt viel über den Status-quo des Fußballs aus.

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