Fußball
WM 2026: Cristiano Ronaldo als Ballast, neue Regel wirkt - Gewinner und Verlierer des 1. Spieltags
Aktualisiert:
von Martin Jahnsran Fußball
WM 2026: "Hätte Rot gegeben": Ittrich über strittige Messi-Szene
Videoclip • 01:48 Min
Der erste Spieltag der neuen XXL-Weltmeisterschaft ist absolviert. Zeit für ein erstes Zwischenfazit: Das DFB-Team zeigt viel Licht und wenig Schatten. Superstars lieferten ab, aber ein Mitfavorit strauchelte. Die neuen Regeln verändern den Fußball, jedoch nicht nur zum Guten. ran zeigt Gewinner und Verlierer des 1. WM-Spieltags.
24 von 104 WM-Spielen sind gespielt.
Während das DFB-Team endlich seinen Auftakt-Fluch bricht, die ganz großen Stars mit Toren und Hattricks genau das liefern, was sich Fans und FIFA erhofft hatten, und sogar Außenseiter wie Kap Verde oder Katar die neue Bühne mutig nutzen, geraten andere früh unter Druck.
Neue Regeln sorgten für willkommene Veränderung, an anderer Stelle griffen sie tief in den Charakter des Spiels ein und für einen Trainer ist das Turnier schon jetzt ein größeres Fiasko als für den Schlafrhythmus hiesiger Fußballfans.
Diese WM produziert schon jetzt Gewinner und Verlierer auf allen Ebenen – sportlich, emotional und strukturell.
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Gewinner: Superstars liefern ab - Messi, Mbappe, Haaland und Kane treffen mehrfach
Lionel Messi gelang mit 38 Jahren sein erster WM-Hattrick, Frankreichs Superstar Kylian Mbappe traf gegen Senegal ebenso doppelt wie Erling Haaland für Norwegen gegen den Irak und Harry Kane für England. Die Superstars der WM lieferten am ersten Spieltag direkt ab.
Nicht nur für ihre Teams enorm wichtig. Auch der FIFA dürften die Sahnetage ihrer bekanntesten Stars beim XXL-Turnier ein Lächeln ins Gesicht gezaubert haben. Bis auf einer, aber dazu später mehr.
Gewinner: Das DFB-Team bricht seinen WM-Bann
Erstmals seit 2014 hat das DFB-Team mal wieder ein WM-Auftaktspiel gewonnen. Zwar war das 7:1 gegen Curacao ein Pflichtsieg – und kurz wurden nach dem zwischenzeitlichen 1:1 sogar unschöne Erinnerungen an die vergangenen Turniere wach – doch letztlich überzeugte das Team von Julian Nagelsmann eben doch.
Jamal Musiala konnte ebenfalls mit einem Tor Selbstvertrauen tanken und fast so wichtig wie die drei Punkte: Kein Spieler hat sich verletzt. Ein Start nach Maß. Aber die echten Prüfsteine kommen erst jetzt.
Gewinner: Aufmüpfige Außenseiter trotz Aufstockung
Curacao blieb chancenlos. Besser lief es für eine andere Inselrepublik: Die Kapverden ermauerten sich gegen Top-Favorit Spanien ein sensationelles 0:0. Der erste WM-Punkt beim ersten WM-Auftritt der Afrikaner. Auch Katar ging erstmals bei einer WM nicht als Verlierer vom Platz, nachdem man die (nach)lässigen Schweizer mit dem 1:1-Ausgleich in der Nachspielzeit schockte.
Trotz großer Aufstockung waren die Kleinen am 1. Spieltag keinesfalls nur Sparringspartner. Ein Fingerzeig auch in Richtung Christoph Kramer. Der monierte vor der WM den Qualifikationsmodus, mit dem ein Team wie Italien nicht dabei ist, dafür aber Kap Verde.
Gewinner: Neue Regularien als Zeitspiel-Killer
Das Leben als Schiedsrichter ist bei dieser WM stressiger geworden. Dank neuer Regularien zählten die Unparteiischen mit Handgesten immer wieder bei Abstößen, Einwürfen oder Freistößen Spieler an. Aber der Aufwand lohnte sich: Zumindest diese Form des Zeitspiels gab es am 1. Spieltag schlicht nicht mehr.
Auch der Zeitdruck bei Auswechslungen – der letzte ausgewechselte Spieler muss innerhalb von zehn Sekunden nach Anzeigen des Wechsels das Feld verlassen haben – machte den Kickern Beine. Genauso wie die drohende einminütige Zwangspause an der Seitenlinie nach Behandlungen auf dem Platz. Plötzlich rafften sich die Spieler dann doch erstaunlich mühelos wieder auf. So kann es weitergehen.
Gewinner: WM-Folklore aus aller Welt ist zurück
Schotten, die ein MLB-Spiel kapern. Rudernde Norweger, die eine ganze Tribüne zum Wikinger-Schiff umfunktionieren, das Team der Demokratischen Republik Kongo, das sich ausgelassen tanzend auf dem Weg zum ersten WM-Spiel macht oder Japaner, die Kabine und Stadion wieder einmal sauberer hinterlassen als bei der Ankunft – schon nach etwas mehr als einer Woche haben Menschen aus aller Welt wieder für liebenswerte Geschichten um den Fußball gesorgt.
Sie machen Probleme wie Einreiseverbote für Fans einiger Länder oder astronomisch teure Ticketpreise auf dem Zweitmarkt nicht ungeschehen. Doch sie zeigen eben auch, dass abseits von Verbänden, Kommerz und Politik auch bei dieser WM Platz für Lichtblicke ist.
Verlierer: Die "Trinkpause", die den Charakter des Spiels verändert
Nicht alle Regeländerungen waren Volltreffer. Die wohl schwerwiegendste Neuerung: Die obligatorischen dreiminütigen "Trinkpausen", die den Fußball plötzlich zu einem Spiel in vier Vierteln statt zwei Halbzeiten machte. Gut für In-Game-Coaching, schlecht für den Spielfluss – und der vielleicht größte Eingriff in den Charakter des Sports seit der Einführung des VAR.
Dass die Pausen selbst in angenehm kühl klimatisierten Stadien obligatorisch waren, dürfte auch dem Letzten klargemacht haben, dass es dabei weniger um das Wohl der Spieler, als um das des TV-Werbemarkts geht.
Immerhin: Die DFL will Trinkpausen in der Bundesliga auch zukünftig von den Wetterverhältnissen abhängig machen.
Verlierer: Strauchelnde Europäer
Neben Frankreich gilt Spanien für viele als größter WM-Favorit. Doch am 1. Spieltag enttäuschte vor allem die sonst so starke Offensive beim 0:0 gegen Kap Verde. Ohne Lamine Yamal und Nico Williams in der Startelf fiel den Iberern wenig ein – und auch mit den beiden Flügelstars reichte es nicht mehr gegen den krassen Außenseiter.
Nicht die einzigen hoch eingeschätzten Europäer, die am 1. Spieltag enttäuschten: Die Türkei spielte Australien zwar an die Wand, stand nach dem 0:2 am Ende aber mit leeren Händen da.
Und die Schweizer stellten nach einer Halbzeit und einer 1:0-Führung gegen Katar die Angriffsbemühungen größtenteils ein – und wurde mit dem Last-Minute-Ausgleich bestraft. Bei den drei Teams ist nun schon nach dem 1. Spieltag Druck auf dem Kessel.
Verlierer: Für TrainerSabri Lamouchi ist die WM schon vorbei
Für Sabri Lamouchi war die WM schon nach dem ersten Spiel vorbei. Der 54-Jährige, der einst für die französische Nationalmannschaft spielte, wurde nach dem 1:5 gegen Schweden als Nationaltrainer Tunesiens entlassen. Schon vor der WM setzte es für sein Team Pleiten gegen Österreich und Belgien.
So kurios die Trainerentlassung während des Turniers ist, ist sie für Tunesien nicht einmal eine Premiere. Bei der WM 1998 entließen die Nordafrikaner Henryk Kasperczak nach zwei Spielen.
Nun soll es als Lamouchi-Ersatz mit Hervé Renard erneut ein Franzose richten. Für Renard ist es die dritte WM in Folge: 2018 trainierte er Marokko, 2022 Saudi-Arabien – in die K.O-Phase ging es für seine Teams bislang allerdings noch nie.
Verlierer: Leroy Sane - Das einzige DFB-Fragezeichen nach Curacao
Während seine Teamkollegen gegen Curacao Selbstvertrauen tanken konnten, ist das Fragezeichen hinter Leroy Sane auf der rechten Seite größer als zuvor. Sane war bemüht, aber glücklos, vergab zwei riesige Chancen und war mit ran-Note 4 der einzig abfallende Offensivspieler im DFB-Team.
Während es auf den anderen Positionen für Bundestrainer Julian Nagelsmann keinen offensichtlichen Änderungsbedarf gibt, werden nun wieder Optionen für den rechten Flügel diskutiert: Soll Jamie Leweling starten? Oder gar Kai Havertz oder Jamal Musiala auf die Seite ausweichen?
Sane hat es wieder einmal verpasst, sich festzuspielen. Die Baustelle auf der rechten Seite scheint noch immer nicht geschlossen.
Verlierer: Der Schlafrhythmus
Das deutsche Spiel war mit der Anstoßzeit von 19 Uhr hierzulande glücklicherweise ein Prime-Time-Kick. Wer aber so viel Fußball wie möglich sehen will, muss entweder seinen Jahresurlaub opfern oder hat schon nach dem 1. Spieltag zig Stunden Schlafmangel aufzuholen.
Lionel Messis Galauftritt gegen Algerien? Der brisante erste Auftritt der iranischen Mannschaft in den USA? Das Auftaktspiel der US-Boys oder die deutschen Gruppengegner Ecuador und Elfenbeinküste? Alles mitten in der Nacht.
Fans der Türkei wiederum mussten für ihr Duell gegen Australien besonders früh aufstehen, um dann den ganzen Resttag schlechtgelaunt zu sein. Mit Anstoßzeiten von 18 Uhr abends bis 6 Uhr morgens heißt es auch für die kommenden Wochen: Vorschlafen, Kaffeemaschine anschmeißen und stark bleiben!
Verlierer: Cristiano Ronaldo wird zum Ballast
Während Lionel Messi mit 38 Jahren glänzte, war Dauerrivale Cristiano Ronaldo bei Portugal eher Klotz am Bein. Im Angriff spielte der inzwischen 41-Jährige beim 1:1 gegen die DR Kongo durch. Die nackten Zahlen: Ganze 25 Ballaktionen, kein Torschuss bis zu 68. Minute. Und selbst der war für die Portugiesen eher Fluch als Segen.
Schließlich nahm CR7 dem besser postierten Bruno Fernandes die Schusschance. Von einer anderen Legende gab es dafür einen Rüffel: "Das Team muss treffen, nicht du", kritisierte Thierry Henry bei "Fox Sports" Ronaldos Laufweg und Abschluss.
Nach dem 1. Spieltag stellt sich die Fußballwelt die Frage: Wäre Portugal ohne den fünfmaligen Weltfußballer stärker?
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