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WM 2026: Ex-DFB-Kapitän Ilkay Gündogan über Kritik an Sane - "Die Leute verstehen Leroy nicht"

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von ran.de

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Videoclip • 03:32 Min


Leroy Sane und Ilkay Gündogan spielten lange zusammen bei Manchester City und in der Nationalmannschaft. Jetzt spricht Gündogan über seine Beziehung zu Sane und die aktuelle Kritik an dem Flügelspieler.

Nach dem WM-Auftaktsieg der DFB-Elf gab es in der Offensive nur einen Spieler, der im Gegensatz zu seinen Mitspielern leistungstechnisch kritisch betrachtet wurde: Leroy Sane konnte keinen Scorer beisteuern und vergab mehrere Großchancen.

In 13 Turnierspielen hat der Flügelstürmer von Galatasaray immer noch keinen Treffer erzielt. Die Stimmen, dass der 30-Jährige nicht mehr von Anfang an spielen sollte, werden lauter. Laut dem Ex-DFB-Kapitän Ilkay Gündogan würden viele Leute Sane allerdings nicht verstehen.

In der zweiten Folge seiner "Spiegel"-WM-Kolumne schreibt er über die Kritik am Offensivspieler und mentale Hürden, die er überwinden müsse.

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Gündogan über Kritik an Sane: "Die Leute verstehen Leroy nicht"

Sane und Gündogan verbindet eine bewegte Geschichte. Zur Saison 2016/17 wechselten die beiden zu Manchester City. Gündogan war damals 26, Sane sechs Jahre jünger: "Damals in Manchester wusste ich nicht, was mich bei ihm erwartet", erinnert sich der Mittelfeldspieler. "Aber ich habe schnell verstanden, dass er alles mitbringt, um ein Weltklassespieler zu werden: fußballerisch, aber auch charakterlich."

Und weiter: "Das klingt jetzt vielleicht paradox, weil er manchmal nicht so rüberkommt. Aber Leroy war schon damals schüchtern und ist es bis heute geblieben. Wenn er Menschen nicht so gut kennt, ist er sehr vorsichtig."

In ihrer Zeit in England wurden die beiden "sehr schnell enge Freunde": "Wir waren abends essen, haben zusammen Trips nach London unternommen. Wir zogen sogar ins selbe Haus. Leroy hatte die Wohnung in der 11. Etage, meine lag im 16. Stock, direkt neben Pep Guardiola, unserem Trainer damals", so Gündogan.

Seitdem spielten die beiden bei Manchester City und in der Nationalmannschaft zusammen. In der abgelaufenen Saison liefen beide zusammen für Galatasaray auf, konnten aber beide nicht konstant überzeugen.

Da er den Flügelspieler dadurch "wirklich gut kenne", sieht er auch die aktuelle Kritik an Sane aus einem anderen Blickwinkel: "Selbst nach dem 7:1 zum WM-Auftakt gegen Curacao gilt er manchen als Verlierer der Partie. Einige fordern sogar, dass Bundestrainer Julian Nagelsmann ihn aus der Startelf nehmen soll. Ich glaube, die Leute verstehen Leroy nicht. Und ich glaube, dass sie ihm Unrecht tun", moniert der 35-Jährige.

Gündogan über Sanes Nichtnominierung zur WM 2018: "Hat mir wehgetan"

Dabei erinnert er sich auch an die Nichtnominierung von Sane zur WM 2018. Der damals 22-Jährige konnte in der Saison 2017/18 25 Scorer in 32 Premier-League-Spielen verbuchen und hatte zum Zeitpunkt der Kaderbekanntgabe laut dem Portal "Transfermarkt.de" einen Marktwert von 90 Millionen Euro.

"Bei City hatte er zu Beginn ein paar Probleme. Aber in seinem zweiten Jahr hat er dann Fahrt aufgenommen. In der Saison 2017/2018 wurde er zum besten Nachwuchsspieler der Premier League gewählt, und zwar von uns Profis", denkt Gündogan zurück.

"Ich fand ihn unglaublich. Ein solch hohes Niveau in diesem Alter hatte ich zuvor nur bei Mario Götze gesehen. Aber in Deutschland hat er nie die Anerkennung bekommen, die er verdient. Dass er vor der WM 2018 aus unserem Nationalelfkader gestrichen wurde, hat mir wehgetan. Ich habe es auch nicht verstanden", sagt der Mittelfeldspieler.

Und weiter: "Aus vielen Gesprächen weiß ich, dass es für ihn eine große Enttäuschung war. Und wahrscheinlich hat es damals angefangen, dass er von manchen negativ bewertet wurde. Leroy polarisiert. Das verstehe ich. Aber als Spieler ist es mental unheimlich schwer, damit umzugehen."

Oft hätte Sane "das Gefühl, dass die Leute nur darauf warten, dass er etwas falsch macht." Dabei merke der 35-Jährige, dass "er mental nicht immer so frei ist, wie er es für sein assoziatives Spiel bräuchte."

Nach zwei Meistertiteln in den Spielzeiten 2017/18 und 2018/19 riss sich Sane zu Beginn der Saison 2019/20 das Kreuzband und verpasste alle restlichen Spiele. Im anschließenden Sommertransferfenster schloss er sich dem FC Bayern München an.

"Wir Profis spielen auch für die Anerkennung des Publikums. Wir wollen gemocht werden, wir hoffen, dass uns die Menschen gern zusehen. Wenn das ausbleibt, wie manchmal bei Leroy, ist das unheimlich schwer zu verarbeiten. Dass Leroy es trotzdem seit Jahren immer wieder hinbekommt, muss man ihm hoch anrechnen", so Gündogan.

"Er ist ein Spieler, der Freiraum für Fehler braucht. Nur dann kann er sich wirklich entfalten. Aber wenn ständig die Angst mitspielt, dass nach dem ersten Fehler im Spiel sofort wieder Kritik aufkommt: Wie soll Leroy da dauerhaft funktionieren? Hier sind wir alle mehr gefordert, ihn entsprechend zu unterstützen", fordert der Ex-DFB-Kapitän.

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Gündogan lobt Sanes Leistung gegen Curacao

Diese Kritik liege laut ihm aber auch am modernen Fußball selbst: "Das Problem ist, dass die Zuschauer und Zuschauerinnen heute oft gar nicht mehr die gesamten 90 Minuten sehen. Es bricht sich alles herunter auf die Höhepunkte. Als Offensivspieler wie Leroy benötigt man dann Tore und Assists. Sonst gilt man schnell als Ausfall. Als Mitspieler bewerten wir das aber völlig anders." 

"Leroy hat seine Fehler, ja. Manche Angewohnheiten stören auch mich. Wenn er zum Training erscheint und erst einmal herumalbert, wenn er laut lacht. Dann denke ich bisweilen: Wie kann der gleich bereit sein, Leistung zu bringen?", erklärt Gündogan: "Aber wenn es dann wirklich losgeht, ist Leroy immer fokussiert."

Dabei lobt der ehemalige Nationalspieler auch die Leistung seines Teamkollegen im Auftaktspiel gegen Curacao: "Wie Leroy 60 Meter zurückgesprintet ist, um Joshua Kimmich in der Abwehr zu unterstützen. Das ist das, worauf seine Mitspieler wirklich achten. Hilft er mir? Ist er da, wenn wir ihn brauchen? Schafft er mit seinen Läufen freie Räume für die Kollegen?"

Darüber hinaus sei "auch seine Ballannahme vor seiner Großchance überragend gewesen." Demnach würde nur der Fehler machen, der "immer wieder viel versucht".

Doch das Problem liegt laut Gündogan eher darin, wie Sane mit solchen Fehlern umgeht: "Er lässt sich von misslungenen Aktionen auf dem Platz zu schnell herunterziehen. Er ist ein sehr emotionaler Spieler. Ich sage ihm oft, dass er daran arbeiten muss."

In Zukunft wünscht sich der 35-Jährige mehr Verständnis für den 30-Jährigen: "Ich hoffe, dass die Menschen ein bisschen genauer hinsehen, wie Leroy Sané eigentlich wirklich ist. Von Reizfigur kann dann meiner Meinung nach keine Rede mehr sein."

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